Breiviks Lieblingsblogger Norwegische Polizei kennt offenbar Fjordmans Identität

Bei Fjordman schrieb der Massenmörder Anders Breivik ab: Wer unter dem Pseudonym islamophobe Texte ins Internet stellt, wussten bisher nur Eingeweihte. Nach einem Zeitungsbericht soll seine Identität nun auch der norwegischen Polizei bekannt sein.
Polizei vor der Farm des Attentäters in Norwegen: "Keine Ahnung, was bei diesem Mann falsch gelaufen ist"

Polizei vor der Farm des Attentäters in Norwegen: "Keine Ahnung, was bei diesem Mann falsch gelaufen ist"

Foto: Ferdinand Ostrop/ AP

Hamburg - Die Polizei in Norwegen weiß offenbar, wer sich hinter dem Pseudonym Fjordman verbirgt. Das berichtet die Zeitung "Dagbladet" . Der Attentäter Anders Breivik, der eine Bombe in Oslo zündete und ein Massaker auf der Insel Utøya anrichtete, bezieht sich in seinem länglichen Manifest immer wieder auf den Blogger Fjordman, der Texte über Zuwanderung und den Islam verfasst hat.

Wie die Zeitung berichtet, soll es sich bei Fjordman um einen Mann Ende 30 handeln, der als Soldat für die Vereinten Nationen im Einsatz gewesen sein soll. Auch mehrere Personen aus der islamkritischen Szene sollen seine Identität kennen, sie aber aus Sicherheitsgründen geheimhalten. Fjordman selbst hatte in seinem Blog geschrieben, er komme aus der Region Trøndelag im mittleren Norwegen.

Den islamophoben Blogger Fjordman nannte der Attentäter Anders Breivik in seinem Textkonvolut seinen "Lieblingsschriftsteller". In zahlreichen Einträgen auf diversen Websites zeichnete Fjordman er ein düsteres, hoffnungsloses Bild von Europa an der Schwelle zu einem blutigen Bürgerkrieg. Nach Breiviks Taten distanzierte Fjordman sich mit deutlichen Worten von ihm: "Ich habe keine Ahnung, was bei diesem Mann falsch gelaufen ist, warum er so etwas getan hat."

In einer E-Mail heißt es weiter, dass er unter dem Pseudonym Fjordman erst seit Februar 2005 über den Islam und Einwanderung blogge, Breivik habe aber laut Medienberichten schon 2002 mit der Planung seiner Taten begonnen. "Hunderttausende haben meine Essays über die Jahre gelesen, und soweit ich weiß, hat nicht ein einziger von ihnen deswegen auch nur einen Sperling getötet."

Auf die Frage nach seinem Antrieb, über Jahre solche Textmengen zu schreiben, antwortet Fjordman unter anderem mit einer Kurzfassung seines Weltbilds: "Ich bin überzeugt, dass die islamische expansionistische Aggression eine Bedrohung für westliche Zivilisationen ist, aber ich glaube auch, dass einige grundlegende Schwächen in unseren Gesellschaften dies erst ermöglicht haben."

Welche Schwächen das sein sollen, führt Fjordman in seiner E-Mail nicht weiter aus, aber hier dürfte der Text der Verschwörung im Kopf mancher Leser weiterlaufen: Die Schwächen sind abzustellen, will man die Zivilisation retten. Es könnte sein, dass sich jemand aus diesem Gedankengang eine Rechtfertigung für Gewalt zusammenreimt, auch wenn Fjordman derlei verdammt.

ore/lis
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