Neue Vorgaben Britische Porno-Nutzer müssen ab Juli ihr Alter nachweisen

Als "das erste Land der Welt" verpflichtet Großbritannien kommerzielle Porno-Websites, sicherzustellen, dass Nutzer volljährig sind. Die Überprüfung lässt sich allerdings umgehen.

DPA


Großbritannien wird laut Regierungsangaben "das erste Land der Welt", das verpflichtende Altersüberprüfungen für Konsumenten von Online-Pornografie einführt. Ab dem 15. Juli müssen alle kommerziellen Pornoanbieter sicherstellen, dass Besucher ihrer Website, die eine britische IP-Adresse haben, 18 Jahre oder älter sind.

Das entsprechende Gesetz wurde bereits vor drei Jahren als "Digital Economy Bill" ins Parlament eingebracht. Die Umsetzung hatte sich aber mehrfach verzögert. Porno-Anbieter, die gegen das Gesetz verstoßen, können in Großbritannien gesperrt werden oder den Zugang zu ihren Zahlungssystemen verlieren.

Die zuständige britische Digitalministerin Margot James verteidigte die Maßnahme am Mittwoch: "Es ist derzeit viel zu einfach für Kinder, im Internet auf Erwachseneninhalte zuzugreifen." Man habe sich bei der Gesetzgebung aber Zeit gelassen, um "Sorgen um die Privatsphäre und den Schutz von Kindern vor unangemessenen Inhalten auszubalancieren". Die Altersüberprüfungen sollen demnach nicht als Identitätsnachweis der Porno-Konsumenten dienen.

Ausnahmen für Websites mit wenigen Porno-Inhalten

Durchgeführt werden sollen sie von Drittanbietern, die sich an die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) halten müssen. Nutzer müssen dabei online eine Kreditkarte oder einen Reisepass vorlegen können. Sie können sich aber auch Porno-Zugangspässe an einem Kiosk kaufen. Überprüft wird die Einhaltung des Gesetzes vom British Board of Film Classification (BBFC), einer von der Filmindustrie gegründeten Organisation, die mit der deutschen Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) vergleichbar ist.

Auf Anbieterseite sind alle Websites dazu verpflichtet, die den Zugang zu pornografischen Inhalten verkaufen oder diese kostenlos zeigen, aber Geld mit Werbeanzeigen verdienen. Ausgenommen sind Websites, die zu weniger als einem Drittel aus Pornografie bestehen, sofern sie diese Inhalte nicht bewerben.

Die britische Regierung ist sich bewusst, dass es Wege geben wird, die Altersverifikation zu umgehen. Einer davon ist der Gebrauch von Virtual Private Networks (VPN), die einen Standort beziehungsweise eine IP-Adresse außerhalb Großbritanniens vortäuschen können. Dennoch werde es Kindern zumindest erschwert, auf pornografische Inhalte zu stoßen oder gezielt darauf zuzugreifen, heißt es von der Regierung.

Bereits seit mehreren Jahren werden Neukunden bei der Freischaltung eines Internetzugangs vom Provider gefragt, ob sie auch Zugriff auf pornografische Inhalte haben möchten. Verneinen sie das, wird ein Pornofilter aktiviert, der auf Basis von schwarzen Listen arbeitet. Mehrfach waren Websites zu Unrecht auf diesen Listen gelandet.

Im Video: Pornosüchtig unter 18 - "Es ist wie eine Droge"

pbe



insgesamt 49 Beiträge
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Seite 1
kumi-ori 18.04.2019
1.
Ich meine mich ganz dunkel zu erinnern, dass es vor zwanzig Jahren schon mal ein Gesetz dieser Art auch in Deutschland gab. Was wohl daraus geworden ist? Ich hörte nach dem In-Kraft-Treten nie mehr etwas davon. Allerdings scheint mir das Thema Pornographie im Internet in letzter Zeit auch ziemlich in den Hintergrund zu rücken. Vielleicht hat irgendwann jeder alles gesehen und das Thema hat sich so zu sagen selbst totgeschlagen.
purple 18.04.2019
2. Es lebe der Kindermädchenstaat!
Der Uberwachungs- und Bemutterungswahn der Politiker wird immer schlimmer. Moralvorstellungen gehören nicht in Gesetze sondern sind Privatsache. Gesetze sollten nur da eingreifen, wo eine Bedrohung anderer vorliegt. D.h. bei Körperverletzungsdelikten und Eigentumsdelikten. Alles andere hat da nichts zu suchen
dontrack49 18.04.2019
3. O weh..
Wieder ein Akt aus der Aufführung: Alte Männer Kugelschreibern verirren sich hilflos in einer Welt, die sie nicht mehr verstehen. Webseiten mit „Erwachseninhalten“ haben für die relevante Zielgruppe ungefähr die gleiche Bedeutung wie Facebook: Da treiben sie eh nur die Eltern und alte Männer mit Kugelschreibern rum, also keine.
Theophanus 18.04.2019
4. Sex...
...ist eine normale menschliche Ausprägung und Gesetze darüber haben in aufgeklärten Staaten nichts zu suchen.
DelDongo 18.04.2019
5. Die Frage lautet:
Finden sie gut, dass Kinder einen so einfachen Zugang zu Pornos haben? Ich nicht. Aus dem Grund begrüße ich dieses Gesetz. Natürlich dürfen Besucher damit nicht identifiziert werden können. Aus dem Artikel verstehe ich, dass es auch der Fall ist.
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