Panne bei British Airways Und dann soll er einfach den Strom abgestellt haben...

Tausende Menschen saßen fest, der Schaden belief sich auf 100 Millionen Euro: Ein Fehler im Rechenzentrum hatte die Fluggesellschaft British Airways tagelang lahmgelegt. Nun scheint der Schuldige gefunden.

Informationstafel am Flughafen Heathrow
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Informationstafel am Flughafen Heathrow


Es war ein Chaos ohne Beispiel: Am Morgen des 27. Mai kam es im Rechenzentrum von British Airways zu einer Panne, die das gesamte Rechnernetz lahmlegte. Die britische Fluggesellschaft musste daraufhin viele Flüge weltweit streichen, vor allem von und zu den Londoner Flughäfen Heathrow und Gatwick. Die Folge waren erzürnte Fluggäste, überfüllte Flughäfen und Berge von nicht zugestellten Gepäckstücken.

British Airways hatte schon früh angegeben, der Ausfall des Rechenzentrums sei durch einen "außergewöhnlichen Stromschlag" ausgelöst worden, der die Infrastruktur "physisch beschädigt" habe.

Auf SPIEGEL-Nachfrage hatte die Airline am Montag mitgeteilt, dass auch zwei Tage nach dem Zusammenbruch noch nicht alle Systeme wieder laufen würden. Mittlerweile scheinen die Probleme aber behoben, der Flugverkehr der Fluglinie läuft wieder wie geplant. Warum das für solche Fälle eingerichtete Back-up-System nicht eingesprungen war, ist noch nicht geklärt und soll im Rahmen einer Untersuchung des Vorfalls geklärt werden.

Gewaltige Kosten

Einem Bericht der britischen "Times" zufolge hat man nun immerhin die Ursache des Problems gefunden. Demnach hat nicht technisches, sondern menschliches Versagen zu dem Computerausfall geführt, der den Aktienkurs der Airline in den Sinkflug schickte.

Die Zeitung hat von einer nicht genannten Quelle bei British Airways erfahren, dass ein Wartungstechniker die Stromversorgung versehentlich abgeschaltet haben soll. Die Anlage habe vollkommen fehlerfrei gearbeitet, bis der Mitarbeiter einer externen Wartungsfirma auf den Ausschaltknopf drückte. Die Fluggesellschaft selbst hat die Darstellung der "Times" bisher nicht bestätigt.

Sollte die Darstellung zutreffend sein, dürften auf den fraglichen Techniker und dessen Firma gewaltige Schadenersatzforderungen zukommen. Durch den Rechnerausfall sollen rund 75.000 Reisende ihre Ziele nicht oder nicht wie geplant erreicht haben. British Airways hatte den Betroffenen kostenlose Umbuchungen und Erstattungen angeboten. Dem "Guardian" zufolge hatte das Reisechaos für die Airline Kosten in Höhe von mehr als 100 Millionen Euro zur Folge.

Update, 15.45 Uhr: Mittlerweile hat sich die betroffene Wartungsfirma geäußert. Bislang sei der Grund des Vorfalls noch nicht bestimmt, teilt sie laut dem "Guardian" mit. Jede gegenteilige Spekulation habe keine faktische Grundlage.

mak



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Seite 1
Newspeak 02.06.2017
1. ...
"Die Anlage habe vollkommen fehlerfrei gearbeitet, bis der Mitarbeiter einer externen Wartungsfirma auf den Ausschaltknopf drückte. Die Fluggesellschaft selbst hat die Darstellung der "Times" bisher nicht bestätigt. Sollte die Darstellung zutreffend sein, dürften auf den fraglichen Techniker und dessen Firma gewaltige Schadenersatzforderungen zukommen." Klar, den Wartungstechniker trifft alle Schuld. Ist ja auch das schwaechste Glied in der Kette. Warum man aber so kritische Infrastruktur von externen Firmen betreuen lassen muss, ob es gut ist, dass man so ein System mit einem Knopfdruck ausschalten kann (herrje, jeder Desktop PC fragt einen vorher nochmal), und wie die genaue Situation gewesen ist, ob der Techniker z.B. frei oder auf Anweisung gehandelt hat, ob eine Anweisung, wenn es sie gab, vielleicht missverstaendlich gewesen sein koennte...all das wird nicht gefragt, Es ist ja so einfach, wenn man erst mal den Schuldigen gefunden hat.
uzsjgb 02.06.2017
2. Guardian
Wenn schon der Guardian zitiert wird, dann sollte man auch folgendes zitieren: "British Airways said its investigation was ongoing and the cause had not been determined." Oder folgendes: "The contractors who manage the data centre where a power shutdown caused chaos for British Airways passengers over the bank holiday weekend have denied that any human error has been identified."
Susi64 02.06.2017
3. Nehmen wir mal an es stimmt,
dann ist es mal ein Beispiel dafür wozu outsourcing führt. Die Frage ist nicht, dass der Techniker keine Ahnung hatte sondern warum er dann überhaupt eingesetzt wurde. Geiz ist eben nur dann geil, wenn die anderen zahlen. Zahlen sollte deshalb British Airways, die haben bestellt!
fatfrank 02.06.2017
4. Hoffentlich hat er vorher...
...noch ein paar Optionen gekauft, um auf einen sinkenden Kurs der Aktie der Airline zu wetten. ;-)
uk2011 02.06.2017
5.
Zitat von Newspeak"Die Anlage habe vollkommen fehlerfrei gearbeitet, bis der Mitarbeiter einer externen Wartungsfirma auf den Ausschaltknopf drückte. Die Fluggesellschaft selbst hat die Darstellung der "Times" bisher nicht bestätigt. Sollte die Darstellung zutreffend sein, dürften auf den fraglichen Techniker und dessen Firma gewaltige Schadenersatzforderungen zukommen." Klar, den Wartungstechniker trifft alle Schuld. Ist ja auch das schwaechste Glied in der Kette. Warum man aber so kritische Infrastruktur von externen Firmen betreuen lassen muss, ob es gut ist, dass man so ein System mit einem Knopfdruck ausschalten kann (herrje, jeder Desktop PC fragt einen vorher nochmal), und wie die genaue Situation gewesen ist, ob der Techniker z.B. frei oder auf Anweisung gehandelt hat, ob eine Anweisung, wenn es sie gab, vielleicht missverstaendlich gewesen sein koennte...all das wird nicht gefragt, Es ist ja so einfach, wenn man erst mal den Schuldigen gefunden hat.
Klar ist der Techniker schuld, er hat auf den Knopf gedrückt. An dieser Aussage ist nichts zu rütteln. Aber die Firma haftet für ihn, außer die Firma kann nachweisen, dass der Techniker das absichtlich gemacht hat. Für so was gibt es eine Firmenhaftpflichtversicherung, die muss dann zahlen. Kann sein, dass die sich weigern, wenn die nachweisen können, dass die Firma bei der Ausbildung geschlampt hat, aber auf den Techniker wird das nicht zurückfallen, da brauchen Sie keine Sorge zu haben. Ich habe auch schonmal eine Scheibe für 11000 Euro zerlegt, war auch meine Schuld, hat trotzdem die Firma gezahlt. Gut, anschließend geht die Prämie hoch, und der Techniker ist u.U. nicht mehr der beliebteste und muss gehen, aber er wird nicht die 100 Millionen zahlen müssen. Wobei ich allerdings nachschieben muss, dass das für Deutschland gilt!
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