Browser-Abstürze Microsoft findet Fehlerquellen bei anderen

Web-Browser wie Firefox, Chrome oder Opera punkten nicht zuletzt mit einer Vielzahl von Zusatzprogrammen. Bei Microsoft warnt man derweil vor solchen Add-Ons: 70 Prozent der berüchtigten Abstürze seien auf fehlerhafte Erweiterungen des Internet Explorer zurückzuführen.

Internet Explorer 8: Wie er am besten läuft? Ohne Erweiterungen!

Internet Explorer 8: Wie er am besten läuft? Ohne Erweiterungen!


Rund ein Jahr nach der Veröffentlichung der Programmversion 8 des Internet Explorer (MSIE) bietet Microsoft nun einen Leitfaden an: Das sogenannte Performance Whitepaper soll dem Kunden helfen, seinen Browser zu Höchstleistungen zu führen. Bester Kundenservice auf zehn Seiten, könnte man meinen - wenn man ignoriert, dass es unter dem Strich vor allem darum geht, Sonder-Features, die der Browser nicht von Haus aus mitbringt, zu deaktivieren. Microsoft beschreibt ausführlich, wie man Erweiterungen des Internet Explorer am besten ausschaltet. Die stammen ja auch meist von anderen Unternehmen, und für die Qualität derer Produkte könne man nicht garantieren.

Vertrauenswürdig sind offenbar nur Zusätze, die von Microsoft selbst kommen. Wie bei einer Produktbroschüre nicht anders zu erwarten, ertönt zunächst das Loblied: Der Internet Explorer sei einer der beliebtesten und vertrauenswürdigsten Browser. In den USA mag das mit 64 Prozent Marktanteil - bei leicht sinkender Tendenz - noch stimmen, in Deutschland ist Microsofts Marktdominanz hingegen gebrochen. Mit einem leichten Vorsprung lag Firefox zum Jahresende vor dem Internet Explorer.

Und das nicht zuletzt, weil Firefox als flexibelster Browser gilt, den man per Mausklick um alle möglichen Sonder-Features erweitern kann: Mehr als 6000 Add-Ons hat Firefox im Angebot, von denen Entwickler Mozilla mehr als 5000 über die eigene Webseite anpreist. Die meisten Browser-Entwickler strecken sich kräftig, um da mitzuhalten: Googles Chrome kommt schon auf fast 2400 Add-Ons, Opera auf fast 1400. Stärker als Microsoft (mit circa 550 Add-Ons) bremst nur noch Apple: Das Unternehmen aus Cupertino lässt für seinen Safari-Browser aktuell gerade einmal sechs Programmerweiterungen zu.

Add-Ons: Für die einen eine Art Flicken, für die anderen ein Zusatzservice

Dahinter stehen verschiedene Philosophien, und Microsoft und Apple stehen sich da durchaus nah: Beide Unternehmen neigen zu einer Alles-aus-einer-Hand-Strategie. Denn eigentlich ist ihr Anspruch der, ein vollständiges Produkt zu liefern: Der Internet Explorer, unterstreicht auch Microsoft, sei dafür entworfen worden, schnell zu sein. In Tests schneidet der MSIE 8 im Vergleich zu seinen Hauptkonkurrenten aber selten rühmlich ab: Zuletzt in einem aktuellen Browser-Test der "PC Welt" bekam der Internet Explorer ausgerechnet in Sachen Geschwindigkeit die rote Laterne verpasst - und zwar deutlich.

Microsoft sieht die Verantwortung dafür offenbar nicht unbedingt bei sich, wie das White Paper zeigt. Nun lägen die Praxiserfahrungen von 300 Millionen Kunden ausgewertet auf dem Tisch, heißt es da - gemeint sind natürlich die analysierten Fehlermeldungen, die der MSIE nach einem Absturz nach Hause funkt. Und in diesen Daten finden sich wohl genügend Kritikpunkte an den Browser-Erweiterungen: Das White Paper soll den MSIE-Nutzern helfen, Konfigurationen zu vermeiden, "die das Web-Browsing verlangsamen". Dabei habe Microsoft selbst eine weiße Weste, wenn es um die Ursachen für die Probleme geht.

Wenn's kracht, war es das Add-On

Denn verantwortlich für die lästigen Programmabstürze seien meist zugelieferte Add-Ons anderer Entwickler. So klärt Microsoft gleich beispielhaft auf: Der Nutzer bemerke möglicherweise kaum, wie stark die Programme im Hintergrund arbeiteten, wenn etwa Google Mail geöffnet oder eine Statusmeldung auf Facebook veröffentlicht werde. Natürlich arbeite Microsoft mit all den Programmiereren anderer Firmen zusammen. Aber der Konzern könne nicht garantieren, dass deren Codes von hoher Qualität seien. Fehlerhafte Add-Ons würden eben Probleme bereiten.

So führt Microsoft letztlich sogar 70 Prozent der Abstürze auf solche Add-Ons zurück. Sie seien auch der Grund, wenn der Explorer langsamer werde.

Der durchschnittliche MSIE8-Nutzer hat übrigens fünf bis sechs Add-Ons installiert. Microsoft führt die populärsten auf:

  • 1. Google Toolbar
  • 2. Windows Live Sign-in Helper
  • 3. Adobe Acrobat Reader
  • 4. Windows Live Toolbar
  • 5. Yahoo! Toolbar
  • 6. Java Plug-in
  • 7. Thunder Download Manager
  • 8. KingSoft Browser Shield
  • 9. AVG Security Toolbar
  • 10. Skype

Als ersten Schritt hin zu besserer Performance erklärt Microsoft übrigens, wie alle Add-Ons gleichzeitig ausgeschaltet werden können. Damit sei auch sofort geklärt, ob sich unter diesen welche finden, die für den Ärger sorgen.

Eine Liste inkompatibler Add-Ons findet sich ebenfalls. Darunter werden etwa Varianten der bekannten Internet-Telefonie Skype angeführt. Es sei auch bekannt, dass ältere Versionen von Adobe Flash zu Abstürzen führen können - Microsoft versucht seit geraumer Zeit, aber mit bisher relativ geringem Erfolg, dem Web-Standard Flash mit seinem eigenen Format Silverlight Konkurrenz zu machen.

Das Fazit aus Microsofts Sicht scheint klar: Der Verzicht auf Erweiterungen des Programms steht an erster Stelle. Ob sich Microsoft mit solchen Ratschlägen einen Gefallen tut, darf man bezweifeln: Add-Ons nutzt man deshalb, weil man will, dass der Browser etwas kann, was er in seiner Rohform nicht zu bieten hat. Add-Ons ermöglichen es, Browser als modular zu erweiternde Programme zu behandeln, die sich auf die individuellen Bedürfnisse der Nutzer zuschneiden lassen. Firefox vermarktet seine Add-On-Fülle darum zurecht auch als Stärke. So mancher Add-On-Liebhaber wird am Ende wohl eher seinen Browser wechseln, wenn er merkt, dass der Internet Explorer mit seinen Lieblings-Add-Ons nicht läuft.

mir



insgesamt 14 Beiträge
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Seite 1
m-pesch, 12.04.2010
1. ...
Als ob der Internet Explorer früher nie abgestürzt wäre. :-D Man braucht praktisch nur den großen Fehler zu begehen und das Ding starten. ;-)
Rockaxe 12.04.2010
2. ach,...
.... wäre das schön wenn er heute nicht immer mal wieder abstürzen würde....
mmnw 12.04.2010
3. teilweise haben sie da recht ...
Also teilweise hat Microsoft da durchaus recht. Viele Addons machen Probleme. Ich habe die Erfahrung auch bei anderen Browsern gemacht. Auch in Firefox hatte ich immer wieder Ärger mit fehlerhaften Plugins, oft installiert man sowas ja auch nur mal um es auszuprobieren. Aber der Internet Explorer ist der einzige Browser der gleich komplett abstürzt wenn sich ein Plugin aufhängt.
pulegon 12.04.2010
4. Add Ons
Nun natürlich kann man davon ausgehen, wenn alles 'aus einem Guss ist', dass dann die Performance besser sein kann. Aber ich finde gerade das Prinzip der Grundversion, die man dann nach persönlichem Gusto erweitert sehr schön. Ich denke viele Erweiterungen führen ein Nieschenleben, für manche sehr nützlich, für viele nur Balast. Als Add On kann ich selbst entscheiden, ob ich es brauche. Der nächste (http://www.browser1.de/news/firefox-364-kommt-anfang-mai-508.html) Firefox wird ja wohl auch Add Ons als separaten Prozess outsourcen, so dass nicht immer der ganze Browser abschmiert.
chu84k4 12.04.2010
5. Studie: Flash und JavaScript sind die häufigste Absturzursache!
Zitat von sysopWeb-Browser wie Firefox, Chrome oder Opera punkten nicht zuletzt mit einer Vielzahl von Zusatzprogrammen. Bei Microsoft warnt man derweil vor solchen Add-Ons: 70 Prozent der berüchtigten Abstürze seien auf fehlerhafte Erweiterungen des Internet Explorer zurückzuführen. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,688410,00.html
Flash ist kein Web-Standard! So ein Verbrechen würde das w3c-Konsortium nicht begehen. Kurioser weise werden, wenn man nicht genau aufpasst, bei vielen MS-Windows-Programmen Add-Ons für den IE, aber auch FF mitinstalliert. Das ist, für mich, ein sehr großes Ärgernis, weil ich diese nie will. Schuld ist hier die mangelhafte Paketverwaltung unter MS-Windows, die solche Nebeninstallationen zulässt. Bei anderen Systemen kommt so etwas nicht vor. Ansonsten kann ich nur sagen, dass ich hier unter FF v.3.5 22 Add-Ons und 7 Plugins installiert habe und mir der FF noch nie abgestürzt ist. Die hohe Stabiltät erfahre ich seit der installation der Add-Ons "No-Script" und "Add-Block-Plus", die Java-Scripte, Flash im allgemeinen und oft sehr resourcenhungrige Flash-Werbung zurückhält. Seit dem ist zudem das Webbrowsen wesentlich schneller geworden und die CPU-Last hängt nicht mehr ständig unter der Decke. Mozilla gibt als eine der häufigsten Absturzursachen Flash an. Darum wird in den nächsten Versionen der FF jeden Tab in einem eigen Thread starten (glaube Google Chrome 2 macht das bereits so.), somit stürzt gegebenenfalls nur der Tab ab. Silverlight ist überhaupt keine Lösung für das Flash-Problem, auch unter dem IE nicht. Das ist nämlich das selbe in grün. Grüße.
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