Bundesregierung Wie heißt der Adler?

Das Internet, hat die Bundesregierung entdeckt, entwickelt sich zum wichtigsten Wirtschaftsbereich. Da muss man Zeichen setzen: Ein kleiner blauer Adler soll künftig für "Die Daten sollen laufen, nicht die Bürger" stehen. Jetzt beginnt die Suche nach einem Namen für den Vogel.


Surfen wird ab sofort staatlich gefördert

Surfen wird ab sofort staatlich gefördert

Berlin - Der rasant wachsende Internetmarkt wird nach Auffassung der Bundesregierung in den kommenden Jahren die größte Wirtschaftsbranche in Deutschland. In fünf Jahren sei bei dem elektronischen Medium mit einem Umsatz von 300 Milliarden Mark zu rechnen, sagte Staatsminister Hans Martin Bury bei der Präsentation einer neuen Internetkampagne der Bundesregierung am Dienstag in Berlin. 2000 lag der Jahresumsatz bei rund 230 Milliarden Mark.

Unter dem Motto "Die Daten sollen laufen, nicht die Bürger" sollen bis 2005 alle Dienstleistungen des Bundes im Internet verfügbar sein, sagte die Staatssekretärin im Innenministerium, Brigitte Zypries. Künftig sollten zum Beispiel Pässe oder Führerscheine digital bestellt werden können.

Das schreit nach einem Zeichen: Mit einer Symbolfigur - einem kleinen blauen Adler - soll für die Nutzung der neuen Technologie geworben werden. "Das 21. Jahrhundert ist das Online-Jahrhundert. Das Internet wird so wichtig wie heute Lesen und Schreiben", sagte Bury. Damit der zur Fortbewegung auf ein Brett angewiesene Surfvogel nicht ohne Namen bleibt, startete die Regierung einen Namenswettbewerb.

Wie zum Geier heißt der Adler?

Wie zum Geier heißt der Adler?

Dabei ist Klotzen statt Kleckern angesagt: Die Regierung lässt sich den wirtschaftsförderlichen Spaß zwei Laptops plus eine Kanzler-Audienz - stilecht im Rahmen der Cebit - sowie einige Medien-Ecken für Schulen und Berlin-Trips kosten. Das alles ist zwar zunächst nicht teuer und als Werbungskosten auch voll steuerabschreibbar, doch wird man die Kosten der Werbekampagne noch dazuzählen müssen: Die Kampagne schlägt mit rund 1,7 Millionen Mark für einen Kinospot und rund 7,5 Millionen Postkarten zu Buche.

Diese breit angelegte Nachwuchs-Sensibilisierung hat Sinn, denn auch die Bundesanstalt für Arbeit (BfA) sieht die Zukunft des IT-Marktes in Deutschland rosig. In der deutschen Informationstechnologie-Branche werden nach Einschätzung der BfA auch künftig Tausende Fachkräfte gesucht. "Ein Ende des Booms auf dem IT-Arbeitsmarkt ist nicht abzusehen", sagte Werner Dostal, Internetexperte der Nürnberger Behörde. "Auch Leute, die mit einem Start-up-Unternehmen in die Pleite geschlittert sind, finden sofort eine andere Stelle."

Selbst bei einer leichten Konjunkturabschwächung werde der Fachkräftebedarf im IT-Bereich vorerst nicht gedeckt werden können. In Deutschland arbeiteten derzeit rund 500.000 Computerexperten, der Bedarf an Nachwuchs kann kaum gedeckt werden. Vielleicht fällt der Wirtschaft ja der eine oder andere Nachwuchsinformatiker vom Adler-Surfboard in den Schoß.



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