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27. September 2009, 16:34 Uhr

Bundestagswahl-Panne

Bremen stellt fiktives Zwischenergebnis ins Netz

Die Zahlen sind angeblich fiktiv, das Problem echt: Während die Bundestagswahl läuft, stehen auf den Internetseiten des Bremer Landeswahlleiters die Zwischenergebnisse. Es handele sich nur um "Testdaten", kommentiert die Behörde. Doch das steht nirgends - die Wähler sind verunsichert.

Hamburg - In Bremen hat es am Wahltag offenbar eine Online-Panne gegeben. Auf der Website des Landeswahlleiters waren genaue Prozentzahlen abrufbar - um 15 Uhr, während die Abstimmung lief.

Sind die Daten echt? Auf der Seite des Landeswahlleiters stand hochoffiziell "Zwischenergebnis nach 21 von 251 Wahlbezirken (11:36 Uhr)". Kein Hinweis darauf, ob die Daten fiktiv sind. Als die ersten Online-Nutzer die Daten am Nachmittag entdecken, ist die Aufregung im Web groß. "Eklatanter Fehler bei Wahl in Bremen?", twittern einige. Andere sind skeptisch, ob die Daten echt sind, geben aber zu bedenken: "Wenn vorab veröffentlichte, richtige Wahlergebnisse die Wahl beeinflussen, können das auch vorab veröffentlichte, falsche?".

Ein Mitarbeiter im Büro des Landeswahlleiters erklärt SPIEGEL ONLINE auf Anfrage, es handele sich nur um "Testdaten". Diese hätten "keine reale Grundlage", seien rein "fiktiv." Aber sie hätten natürlich nicht veröffentlicht werden sollen: "Das wird gerade abgeschaltet." 40 Minuten nach dem Anruf von SPIEGEL ONLINE sind die Zahlen aus dem Web verschwunden.

Landeswahlleiter Jürgen Wayand erklärt SPIEGEL ONLINE: "Die Adresse wahlen-bremen.de ist nicht die offizielle Seite des Landeswahlleiters. Wir testen auf dieser Seite." Die Adresse des fiktiven Zwischenergebnisses habe man ausgewählten Journalisten zukommen lassen, die in der Wahlnacht hier Daten abrufen sollen. Der Vorab-Test sollte den Journalisten helfen, die Formate der Grafiken zu prüfen, um in der Wahlnacht schnell die Ergebnisse schnell verarbeiten zu können. Wayand: "Hier muss jemand die Adresse weitergegeben haben, die nie für die Öffentlichkeit bestimmt war. Die Seite war über Suchmaschinen nicht zu finden." Daher sei sie auch nicht durch ein Passwort geschützt gewesen.

Ganz gleich, woher die Zahlen stammen: Am Wahlsonntag standen auf den Web-Seiten des Bremer Landeswahlleiters etwa zwei Stunden lang als "Zwischenergebnis" deklarierte Wahlergebnisse, die von Nutzern nicht als fiktiv zu erkennen waren.

In Frankfurt kam es zu einer kleineren Wahlpanne: Wie der Radiosender " hr-iNFO" meldet, wurden bis zu 600 Hanauer Stimmzettel von einer Druckerei an mindestens sechs Wahlbezirke im Wahlkreis Frankfurt II verschickt. Laut dem sollen Mitarbeiter in den Wahlbezirken die falschen Stimmzettel vor Wahlbeginn entdeckt und aussortiert haben. Es könne aber nicht ausgeschlossen werden, dass dennoch Hanauer Wahlzettel an Frankfurter Bürger ausgegeben worden seien, zitiert "hr-iNFO" einen Vertreter des Wahlamts.

lis

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