Bush-Filmwettbewerb Wütende Proteste gegen Hitler-Vergleich

Die Kampagne "Bush in 30 Seconds" wird in den USA heiß diskutiert. Republikaner übten schärfste Kritik an zwei umstrittenen Spots, in denen Hitler und der US-Präsident verglichen werden. Dennoch zeigten sie die Filme gestern auf einer Website. Bei den Organisatoren des Filmwettbewerbs waren die Clips längst offline.

Sie schafften es nicht einmal in die Endrunde der 15 besten Filme, aus denen eine Jury, besetzt unter anderem mit Michael Moore und Moby, den Siegerclip auswählen wird. Das Gewinnervideo des Wettbewerbs "Bush in 30 Seconds" soll Ende Januar im US-Fernsehen laufen. Doch Amerika diskutiert nicht etwa über die kreative oder inhaltliche Qualität der Finalisten - vielmehr dreht sich alles um zwei Clips, in denen Bush mit Hitler beziehungsweise den deutschen Nazis verglichen wird.

Der eine Film zeigt marschierende Soldaten der Wehrmacht, rollende Panzer und Hitler, der seine rechte Hand zum Gruß erhebt. Schließlich wandelt sich das Bild Hitlers in das von Präsident Bush. Dazu der Text: "Was 1945 ein Kriegsverbrechen war, ist 2003 Außenpolitik."

In einem anderen Spot hält Hitler eine Rede, während der Text eingeblendet wird: "Ich glaube, dass ich nach dem Willen des allmächtigen Schöpfer handle". Die Hitlerrede läuft weiter, es erscheinen dann jedoch Bilder von George W. Bush und der Text: "Gott befahl mir, al-Qaida anzugreifen und ich habe es getan. Er befahl mir, Saddam anzugreifen und ich habe es getan." Mit der Frage, "Kommt Ihnen das bekannt vor?", endet der Spot.

Der Republikaner Ed Gillespie bezeichnete die beiden Filme als "schlimmste und abscheulichste Form politischer Hassrede". Auch von der "Anti-Defamation League" kam heftige Kritik an "MoveOn.org": "Ihr Mangel an Sensibilität lässt das Niveau des politischen Diskurses absinken", sagte ihr Leiter Abraham H. Foxman.

Eli Pariser, Chef der Anti-Bush-Kampagne, verteidigte gegenüber der "Washington Post" die Entscheidung, beide Filme zu zeigen: "Jedermann konnte einen Film einreichen. Wir wollten nichts zensieren. Wenn wir keine großen juristischen Probleme gesehen haben, dann haben wir die Sachen durchgehen lassen, damit die Leute darüber abstimmen können."

Bis auf ein paar hundert Leuten hätte niemand diese Filme gesehen, wenn sie die Republikaner nicht auf eine ihrer Websites gestellt hätten, so Pariser. Letztlich seien die beiden Hitler-Spots bei der Abstimmung "unten durchgefallen". Für Pariser ein klares Indiz dafür, dass der Auswahlprozess funktioniert hat.

Wes Boyd, Gründer der Initiative "MoveOn.org", bedauerte in einer späteren Stellungnahme, dass die beiden Spots überhaupt im Internet gezeigt wurden. Sie seien bei der Kontrolle "durchgerutscht" und "äußerst geschmacklos". "Das waren keine Clips von uns", betonte Boyd.

Insgesamt zählten die Organisatoren 1500 Clips. Seit dem 31. Dezember, dem Ende der Online-Wahl über die Endrundenteilnehmer, sind die Filme nicht mehr abrufbar. Gestern hat "MoveOn.org" die Finalisten bekannt gegeben und auf seine Website gestellt. Auf dieser Seite zeigt SPIEGEL ONLINE vier weitere der insgesamt 15 Filme.

Holger Dambeck