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11. August 2007, 14:33 Uhr

Business-Ideen

Werbefenster im Widgetfenster

Totaler Overload oder pfiffige Idee? Bei MySpace und Co kann man Kästen mit Webvideos, Fotos und anderem befüllen. Max Levchin Firma Slide verpasst den Kästen dann schicke Skins und Rahmen, und das soll künftig Geld bringen: Mit Werbefenstern im Widgetfenster auf Webseiten mit Werbefenstern.

Max Levchin hat offenbar ein gutes Händchen, um im Internet Geld zu machen. Erst wirkte er bei der Gründung des Online-Zahlungsdienstes PayPal mit, das in diesem Jahr Transaktionen von voraussichtlich mehr als 40 Milliarden Dollar abwickeln wird. Nun will er den Boom von Internet-Communities wie MySpace oder Facebook für die Online-Werbung nutzen. Bestätigt fühlt sich der 32-Jährige vom Erfolg seiner jüngsten Startup-Firma, der Anfang 2005 gegründeten Slide Inc.

Max Levchin: Sieht die Zeit gekommen, wieder einmal Geld zu machen
AP

Max Levchin: Sieht die Zeit gekommen, wieder einmal Geld zu machen

Bei Slide.com kann man Widgets, also kleine Anwendungen fürs Internet produzieren, um sie in die persönlichen Webseiten bei MySpace oder anderen Social Networks einzubauen. Letztlich sind das Bilderrahmen für die dort so beliebten Kästen - wobei der Rahmen selbst als Bildträger genutzt wird und oftmals größer ausfällt als das Umrahmte. Das kann etwa eine kleine Diashow, ein Gästebuch oder ein tägliches Horoskop sein. In kurzer Zeit hat sich Slide als Marktführer bei solchen Widgets etabliert, und deswegen soll jetzt auch richtig Geld fließen - über die in dieser Woche gestartete Werbung, die in die Widgets eingefügt wird.

Levchin ist sich bewusst, dass viele User ihre persönlich gestaltete Seite nicht als Reklametafel missbrauchen lassen wollen. Deswegen soll es eine freiwillige Entscheidung sein, die Werbung bei den Slide-Widgets einzuschalten.

Levchin und seine Anzeigenchefin Sonya Chowla bauen darauf, dass eine ausreichend große Zahl von Nutzern dazu bereit sein wird. Schließlich, so machen sie geltend, laufen auch zahllose Verbraucher freiwillig als Werbeträger herum, wenn sie T-Shirts von Nike oder Coca-Cola tragen. "Wir sind ziemlich gut darin, die Leute dazu zu bringen, alle möglichen Dinge auf ihre Social-Networking-Seiten zu packen", sagt Chowla. "Wir denken, dass wir unsere User auch davon überzeugen können, Botschafter für bestimmte Marken zu werden."

Schichtsalat: Werbefenster im Widgetfenster auf Webseite mit Werbefenster?

Auch die Geschäftsführerin der Werbeagentur MindShare, Lisa Weinstein, hält die Idee nicht für abwegig. Schließlich komme es auch immer wieder vor, dass jemand Freunde und Bekannte auf einen witzig gemachten Werbefilm bei YouTube hinweise. Bei Widgets auf einer Community-Seite müsse die Werbung ebenfalls einen zusätzlichen Wert bieten und dürfe das Betrachten der Seite nicht stören. Zu den ersten Werbepartnern der Slide-Widgets gehören denn auch zwei Unternehmen aus der Film- und Fernsehbranche, Paramount Pictures und Discovery Channel.

Die Werbewirtschaft hofft, dass sie mit neuen Formen der Online-Werbung diejenigen jungen Verbraucher erreicht, die immer weniger Zeit vor dem Fernseher oder mit Printmedien verbringen. MySpace, das zu Rupert Murdochs Medienkonzern News Corp. gehört, zählte im Juni nach einer Erhebung von Media Metrix 114 Millionen Besucher, 72 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Bei Facebook, das seine Wurzeln in der akademischen Welt hat, hat sich die Zahl der Besucher binnen Jahresfrist auf 52 Millionen mehr als verdreifacht. Bei einem Erfolg des Werbemodells erwägt Levchin für das nächste Jahr einen Börsengang. "Bei Widgets geht es nicht nur um Spiel und Spaß", sagt der Internet-Unternehmer, der nach dem Verkauf von PayPal an eBay zum Multimillionär wurde. "Das ist für uns ein großer Schritt im Reifeprozess."

Michael Liedtke, AP

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