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20. März 2018, 09:07 Uhr

Cambridge Analytica

Firmenchef prahlt mit Erpressungsversuchen

Die dubiose Datenanalyse-Firma Cambridge Analytica sorgt weiter für Schlagzeilen: Vor versteckter Kamera bot Firmenchef Nix offenbar Hilfe an, um missliebige Politiker loszuwerden - mit pikanten Methoden.

Mehrmals traf sich der Undercover-Reporter zwischen November 2017 und Januar 2018 mit Alexander Nix, dem Chef der Firma Cambridge Analytica. Dessen Aussagen bringen die umstrittene Datenanalyse-Firma weiter in Bedrängnis. Denn Nix prahlte vor dem verdeckt recherchierenden Journalisten, den er für einen reichen Kunden hielt, mit möglichen Erpressungstaktiken.

Der Reporter des Senders Channel 4 gab vor, für den Erfolg mehrerer Kandidaten bei einer Wahl in Sri Lanka sorgen zu wollen. Bei einem der Treffen antwortete Nix dem Channel-4-Bericht zufolge auf die Frage nach der Möglichkeit, negative Informationen über politische Opponenten zu beschaffen, seine Firma könne "Mädchen zum Haus des Kandidaten schicken". Ukrainerinnen seien "sehr schön, ich finde, das funktioniert sehr gut".

Eine weitere Vorgehensweise sei, einem Kandidaten viel Geld für seinen Wahlkampf anzubieten, zum Beispiel mit Land als Gegenleistung - und das ganze auf Video aufzunehmen und später zu veröffentlichen.

Cambridge Analytica wurde bekannt als die Firma, deren Datenauswertung Donald Trump zum Sieg bei der US-Präsidentenwahl 2016 verholfen haben soll. Am Wochenende war die Firma von Facebook ausgesperrt worden. Diese habe unrechtmäßig erhaltene Nutzerdaten entgegen früheren Zusicherungen nicht gelöscht, erklärte das Onlinenetzwerk zur Begründung.

Nach Informationen der "New York Times" und des "Guardian" sollen einige Informationen von rund 50 Millionen Facebook-Mitgliedern zu Cambridge Analytica gelangt sein. Um sie zu sammeln, wurde eine Umfrage zu Persönlichkeitsmerkmalen aufgesetzt, die bei Facebook als wissenschaftliche Forschung angemeldet wurde. Die Daten gingen dann ohne Wissen der Nutzer an Cambridge Analytica.

Firma weist Vorwürfe zurück

Zu den aktuellen Beschuldigungen erklärte die Firma, die Darstellung entspreche nicht der Vorgehensweise der Firma und versuchte, den Spieß umzudrehen: Man führe routinemäßig Unterhaltungen mit potenziellen Kunden, um bei ihnen mögliche unethische oder illegale Absichten aufzudecken.

Auch Facebook selbst geriet nach den Enthüllungen auch in schweres Fahrwasser. Die Aktie fiel am Montag um rund sieben Prozent - und das ließ den Börsenwert um merh als 35 Milliarden Dollar schrumpfen.

Unter Druck gerät auch Firmenchef Mark Zuckerberg, der sich noch nicht zu der Situation geäußert hat.

mho/dpa

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