Cambridge-Analytica-Skandal Generalstaatsanwalt verklagt Mark Zuckerberg

Ist der Chef des Facebook-Mutterkonzerns Meta direkt verantwortlich für die Irreführung von Nutzern und den Missbrauch ihrer Daten? Das jedenfalls behauptet der Generalstaatsanwalt von Washington, D.C.
Meta-CEO Mark Zuckerberg

Meta-CEO Mark Zuckerberg

Foto: MICHAEL REYNOLDS/EPA-EFE/REX

Karl A. Racine, der Generalstaatsanwalt des US-Distrikts Washington, D.C., verklagt Mark Zuckerberg. Er hält den CEO von Facebooks Mutterkonzern Meta für direkt verantwortlich für Entscheidungen, die es der skandalumwitterten Datenanalysefirma Cambridge Analytica ermöglicht haben, Daten von Millionen Nutzerinnen und Nutzern zu sammeln, ohne dass die davon erfuhren. Das berichtete die »Washington Post« am Montag .

Im Jahr 2014 hatte der Psychologe Aleksandr Kogan auf Facebook einen Persönlichkeitstest verbreitet. Wer teilnahm, räumte Kogan den Zugriff auf die eigenen Daten ein, aber auch auf Daten aus dem eigenen Facebook-Freundeskreis. Auf diese Weise konnte Kogan bis zu 87 Millionen Nutzerprofile erstellen – die er dann Cambridge Analytica verkaufte. Die Analysefirma wollte sie für maßgeschneiderte Werbekampagnen in Wahlkämpfen nutzen, nicht zuletzt für Donald Trumps Präsidentschaftskandidatur. Dass die Firma und die Daten dabei einen maßgeblichen Einfluss hatten, ist allerdings nie belegt worden.

Dennoch will Racine Meta und nun auch Zuckerberg persönlich für den Missbrauch der Daten zur Verantwortung ziehen. »Dieser beispiellose Sicherheitsvorfall hat persönliche Informationen von Millionen Amerikanern offengelegt. Mr Zuckerbergs Regeln haben eine mehrjährige Anstrengung zur Irreführung von Nutzern ermöglicht«, teilte Racine mit. »Diese Klage ist nicht nur berechtigt, sondern nötig, und sie sendet eine Botschaft an Unternehmensführer inklusive CEOs: Sie werden für ihre Handlungen zur Rechenschaft gezogen.«

Facebook schon 2018 verklagt

Der Generalstaatsanwalt hatte Facebook schon 2018 verklagt und wollte Zuckerberg später der Klage hinzufügen, war damit aber vor Gericht gescheitert. Im Laufe des Verfahrens habe Racine jedoch Zugang zu Hunderttausenden Seiten von Dokumenten erlangt, die auch die neue Klage ermöglichen, schreibt die »Washington Post«.

Racine beruft sich auf Metas spezielle Aktienstruktur, die Zuckerberg die Kontrolle über fast 60 Prozent der stimmberechtigten Anteile gibt und ihn damit praktisch unangreifbar macht. Cambridge Analytica, argumentiert Racine laut des Zeitungsberichts in der Klage, sei das Resultat von Zuckerbergs Vision, Facebook für externe Entwickler zu öffnen. Zuckerberg sei sich auch über den potenziellen Schaden im Klaren gewesen, der durch das Teilen von Nutzerdaten entstehen könnte, habe aber nichts dagegen unternommen. In einer E-Mail zum Thema Datenlecks habe Zuckerberg zum Beispiel geschrieben, »es besteht ein klares Risiko auf der Seite der Werbetreibenden«.

Die US-Handelsaufsicht FTC hatte 2019 einen Vergleich mit Facebook geschlossen. Gegen eine Zahlung von fünf Milliarden Dollar stellte sie damals ihre Untersuchungen zur Cambridge-Analytica-Affäre ein.

pbe