Überwachung Kann die NSA meinen Penis sehen?

NSA-Chef Michael Rogers mit Tablet: Bei Nacktbildern hört der Spaß offenbar auf

NSA-Chef Michael Rogers mit Tablet: Bei Nacktbildern hört der Spaß offenbar auf

Foto: CHIP SOMODEVILLA/ AFP

Sieht die NSA wirklich alles? Kann der Geheimdienst uns auch nackt sehen? Edward Snowden persönlich und eine Webseite klären jetzt endlich die Frage, die vielen Amerikanern im Überwachungsskandal offenbar am wichtigsten ist.

Einer kürzlich veröffentlichten Studie zufolge ist es vielen US-Amerikanern nämlich relativ egal, ob ausländische Staatsoberhäupter abgehört werden und Menschen bespitzelt werden, die "anti-amerikanische Webseiten besuchen" oder nach Schlagwörtern wie "automatische Waffe" googeln. Aber wenn die Geheimdienste Bilder, private Nacktfotos oder Nahaufnahmen von Körperteilen sehen können, hört der Spaß offenbar auf.

Die von dem französischen Programmierer Olivier Lacan veröffentlichte Seite "Can They See my Dick?"  - zwischenzeitlich überlastet und nicht erreichbar - demonstriert auf unterhaltsame Weise, mit welchen Mitteln und auf Basis welcher Rechtsgrundlagen die Geheimdienste an ganz private Daten gelangen können - immer am hypothetischen Beispiel eines Penis-Fotos, das ein Nutzer über das Internet verschickt. Ein Witz, der einem die Augen öffnen kann.

Wozu autorisiert zum Beispiel Abschnitt 702 des "Freedom Act"? Er erlaubt nicht nur das Sammeln von Metadaten der Kommunikation von Nicht-US-Bürgern, wie mitunter missverstanden. Sondern auch die Inhalte von E-Mails dürfen gesammelt werden. US-Bürger, die - beispielsweise - ihre Penisfotos an Familienmitglieder im Inland versenden, können durchaus in der NSA-Datenbank auftauchen.

Snowden hat im TV erklärt, wie die NSA an Penisbilder kommt

Lacans Webseite erklärt die Sachverhalte mit einfachen Worten - allerdings nur auf Englisch - und verlinkt auf weiterführende Artikel der amerikanischen Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation  und Wikipedia.

Die schnell gebaute Webseite ist ein Tribut an die TV-Show "Last Week Tonight" vom vergangenen Sonntag . Hier brachte der US-Komiker John Oliver auf den Punkt, wo US-Amerikaner eine Linie ziehen, die die Geheimdienste gefälligst nicht übertreten sollten. Oliver interviewte den Whistleblower Edward Snowden in Moskau und ließ sich anhand eines angeblichen Fotos seines Penis erklären, wie die Geheimdienste an das Foto kommen können.

Snowden musste zwar zwischendurch lachen, beantwortete aber insgesamt mit Ernst die Frage, bei welchen Gelegenheiten und mit welchen Mitteln die NSA an das Penisfoto kommen könnte. Das sei ohnehin nichts Besonderes, Geheimdienstmitarbeiter sähen ständig Nacktbilder.

"Wenn die Amerikaner all das wüssten, wären sie völlig entsetzt", sagt John Oliver am Ende des Videos (siehe unten). Snowden antwortet: Er habe schlicht nie daran gedacht, seine Enthüllungen in so einen Kontext zu stellen.

Das Gespräch über die Penisbilder und die Erklärungen dazu von Edward Snowden beginnen bei Minute 26:51:

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