Bundestagswahlkampf CDU erwägt Einsatz von Chatbots

Die CDU denkt über den Einsatz sogenannter Chatbots nach. Die Programme könnten im Wahlkampf automatisch Anfragen von Bürgern beantworten.
CDU-Generalsekretär Peter Tauber

CDU-Generalsekretär Peter Tauber

Foto: Jens Kalaene/ picture alliance / dpa

Der Generalsekretär der CDU kann sich vorstellen, im Wahlkampf Chatbots Anfragen von Wählern beantworten zu lassen. "Wir schauen uns die Instrumente an, die es von Dienstleistern gibt", sagt Peter Tauber in der NDR-Dokumentation "Nervöse Republik", die im April ausgestrahlt wird.

Chatbots sind Programme, die auf künstlicher Intelligenz basieren und die in Chat-Programmen Fragen verstehen und passende Antworten aus Textbausteinen geben können. Im Prinzip versucht man damit also, einen menschlichen Berater zu simulieren. "Wenn jemand zum Thema TTIP schreibt, dann weiß man, was ihn interessiert und er bekommt die Informationen, die er braucht", erklärte Tauber die Funktionsweise.

Er geht davon aus, dass die Zahl der Anfragen an seine Partei im Bundestagswahlkampf stark steigen werde. Man denke über technische Mittel nach, damit jeder schnell eine passende Antwort bekomme.

Die Aussagen fielen schon im vergangenen September, sorgten nun aber bei der Premiere der Dokumentation am Mittwochabend in Berlin für Gesprächsstoff.

Von der CDU bestätigt

Die CDU-Zentrale bestätigte jetzt auf Anfrage Taubers Überlegungen: Man verweist darauf, dass auch der ehemalige US-Präsident Barack Obama solche Programme genutzt habe, "um beispielweise Anfragen nach Autogrammkarten zu bearbeiten". Noch setze die Partei aber keine Chatbots ein.

Die SPD steht Chatbots skeptisch gegenüber. Im Willy-Brandt-Haus sollen auch zukünftig Mitarbeiter die Bürgeranfragen beantworten, auch wenn sie dabei selbstverständlich auf vorgefertigte Textbausteine zurückgreifen, hieß es.

In der Wirtschaft sind Chatbots im Kundenservice schon üblich und werden etwa von Reiseanbietern eingesetzt. Auch Medienhäuser experimentieren damit.

Die deutschen Volksparteien verzichten bislang auf den Einsatz von Chatbots. Wenn die CDU die automatischen Antworten einführen sollte, wolle sie diese entsprechend kennzeichnen, heißt es. Die FDP testet derzeit auf Twitter, einen Bot auf Anfragen antworten zu lassen.

In der Kritik stand zuletzt vor allem eine bestimmte Art von Bots, dabei ging es um sogenannte Social Bots, die vortäuschen, dass hinter ihnen Menschen stehen, und die durch Postings in sozialen Netzwerken die öffentliche Meinung beeinflussen sollen. Den Einsatz von Social Bots haben die Parteien für den Wahlkampf abgelehnt.

mpz