Cebit 2003-Prognose Zehn Prozent abwärts

Die Cebit ist und bleibt die größte Computermesse der Welt - wenn auch nur, weil ihre Konkurrenz schneller schrumpft als die einstige Boom-Messe in Hannover. Für 2003 wird ein spürbarer Rückgang in der Zahl der Aussteller erwartet.

Einst teilten sich zwei Messe-Events die Welt der IT fein säuberlich auf: Die amerikanische Comdex als "beste", prestigeträchtigste Innovationsmesse auf der einen Seite, und die voluminöse Cebit als Schwergewichtsweltmeisterin auf der anderen. Jahr um Jahr purzelten die Rekorde, bis sich die Messe in Hannover auf dem Höhepunkt des Hightech-Booms zu einem Festival der zwischenmenschlichen Nähe entwickelt hatte, bei dem man ab und zu die Beine heben und sich von der Masse tragen lassen konnte. Vorbei: Seit zwei Jahren verirren sich weniger Besucher in die heiligen IT-Hallen.

Schon Anfang November war klar geworden, dass die Messeleitung die erst vor zwei Jahren beschlossene Verlängerung der Messe auf acht Tage wieder zurücknehmen würde. Für 2003 war dies nicht mehr möglich, was dazu führen dürfte, dass auf den Hallengängen deutlich weniger drangvolle Enge herrschen wird: Schließlich zeichnet sich nun ab, dass auch die Zahl der Aussteller wieder deutlich sinken wird. 7100 Firmen haben ihren Stand für die Messe im März gebucht, 2002 zählte man noch 7960 Stände. Das ist ein Minus von satt mehr als zehn Prozent.

Messe-Vorstand Ernst Raue nimmt das in Zeiten, in denen über das schiere Überleben der Prestige-Konkurrenz Comdex munter spekuliert wird, mit gesundem Fatalismus: "Wir sind Spiegel des Marktes". Wohl wahr, man kann nicht herbeireden, was nicht da ist: Der deutsche Markt für Informations- und Kommunikationstechnik wird nach Angaben des Branchenverbandes Bitkom in diesem Jahr um 1,3 Prozent auf 136 Milliarden Euro schrumpfen. Für 2003 werde allenfalls ein leichtes Wachstum erwartet, teilte Bitkom in Hannover mit.

Teil der Misere ist dabei sicherlich die deutlich gesunkene Euphorie auch auf Kundenseite, die längst nicht nur etwas mit den fliegenden Aktienkursen zur Dotboom-Zeit zu tun hatte. Noch vor zweieinhalb Jahren schien alles möglich, Zauberworte wie UMTS und Medienkonvergenz schienen das Zeitalter der gelebten Science Fiction eingeläutet zu haben. Heute hat man sich an Handys mit eingebauter Kamera gewöhnt, PDAs sind nicht mehr faszinierend, sondern selbstverständlich, und UMTS ist in diesem Jahr, was es schon im letzten und vorletzten war: ein Versprechen.

Schwere Zeiten für eine Branche, die ihrer eigenen Verheißung nicht mehr hinterherkommt: Schwerpunkte der Cebit 2003, ließ die Messeleitung in Hannover verlauten, seien unter anderem die Verschmelzung der Technologien ("Konvergenz") und der neue Mobilfunkstandard UMTS, von dem sich die Branche trotz der Verzögerungen und der hohen Kosten für die Einführung einen Aufschwung verspreche, sagte Raue. Oder war das letztes Jahr?

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