Cebit Q&A Gerrit Pohl, Kultur-Butler und Fußball-Ticker

Der "Rolling Stone"- und Buch-Autor stellt keine überhöhten Erwartungen an die Technik, aber das "iPod-Handy" hat ihn dann doch enttäuscht. Außerdem kennt er die Wahrheit über UMTS. Musikliebhaber Gerrit Pohl im Kurzinterview.

SPIEGEL ONLINE:

Welche Geräte haben Ihr Leben in den letzten Jahren am nachhaltigsten verändert?

Gerrit Pohl: Das Internet als Informations-, Kommunikations- und Bezugskanal ist fester und nicht mehr wegzudenkender Teil meines Berufs- und Privatlebens. E-Mail! Fußball-Ticker! Recherche! E-Commerce! Alles wichtig, bisweilen auch essentiell und schon lange zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Nicht ohne Grund höre ich häufig den Satz: "Ich kann heute nicht arbeiten, das Internet funktioniert schon wieder nicht." Natürlich sagen das immer nur die anderen.

SPIEGEL ONLINE: Und welche technische Erfindung hat Sie persönlich am meisten enttäuscht?

Pohl: Schwierig. Meine Erwartungen sind zumeist nicht allzu hoch gesteckt, aber vom staubbeutellosen Staubsauger hatte ich mir in der Tat mehr versprochen. Die Schwierigkeiten beim Ausleeren sind enervierend. Aber auch das so genannte iPod-Handy war eine traurige Angelegenheit, weil hier zu Lasten der Nutzer- und Servicefreundlichkeit eine "Innovation" vorschnell auf den Markt geschmissen wurde. Die Quittung gab es dann auch zurecht.

SPIEGEL ONLINE: Stellen Sie sich vor, Sie erlitten Schiffbruch auf einer Insel mit perfekter Stromversorgung: Welches Gerät hätten Sie in der Tasche, um die Wartezeit zu überbrücken?

Pohl: Lediglich einen digitalen Musikplayer, der bitteschön bespielt ist mit den 1.000 besten Alben, den 10.000 besten Songs und diversen Hörbüchern. Text und Ton in gehaltvoller Darbietung sind in dieser Lage noch die beste Beschäftigung. Oder gibt es auf der Insel etwa W-Lan? Dann lieber einen Laptop mit riesiger Festplatte, die alle diese Songs und LPs sowie Hörbücher enthält. Diese Lösung hätte auch den Vorteil, dass man ein ausführliches Tagebuch schreiben könnte.

SPIEGEL ONLINE: Von welchem aktuellen Gerät könnten Sie sich vorstellen, es in näherer Zukunft zu kaufen?

Pohl: Eine festplattenbasierte Musikanlage, auf die ich meine bestehende digitale Sammlung übertragen und physische Tonträger ohne viel Mühe einpflegen kann. Vorraussetzung: Eine mindestens Terabyte-große HD-Kapazität, hohe Zugriffsgeschwindigkeiten, einfache Bedienung und kein Gedöns hinsichtlich fehlender Interoperabilität zwischen Gerät und den eingesetzten DRM-Systemen.

SPIEGEL ONLINE: Welches Technik-Thema wird Ihrer Meinung nach überbewertet?

Pohl: Die Anbieter und Entwickler der entsprechenden Dienste schätzen den Nutzen von UMTS offenbar teilweise falsch ein - die bisherigen Anwendungs-Szenarien vergessen die aus ökonomischer Sicht nicht ganz unwichtige Vorraussetzung, dass sie auch jemand nutzen möchte.

SPIEGEL ONLINE: Welches technische Gerät sollte die Industrie Ihrer Meinung nach unbedingt noch entwickeln?

Pohl: Einen digitalen Kultur-Butler, der meine Vorlieben für Musik, TV/Kino und Literatur kennt und mir mit einer unschlagbaren Empfehlungskompetenz immer neue Vorschläge unterbreitet sowie die entsprechenden digitalen Einkäufe selbstständig tätigt und verwaltet.

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