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Patrick Beuth

Congress des Chaos Computer Clubs Kreativer als alles, was sich Zuckerberg je ausdenken könnte

Patrick Beuth
Ein Netzwelt-Newsletter von Patrick Beuth

Liebe Leserin, lieber Leser,

vergangenes Jahr um diese Zeit saß ich im Bällebad. Genauer: im Bällebad auf dem Chaos Communication Congress, und zwar allein. Allerdings war es nicht das traditionell dauerbelegte Entspannungsbecken für Hackerinnen und Hacker mit müden Füßen, das ich von den vorangegangenen Konferenzen des Chaos Computer Clubs (CCC) kannte. Sondern ein Pixel-Bällebad in einer sehr unterhaltsamen 2D-Computerwelt, zusammengebaut von Freiwilligen und verbunden durch ein Labyrinth von Gängen, gegen das »Super Mario World« wie ein 100-Meter-Lauf aussah. Denn weil die jährliche Großveranstaltung des Clubs kein Chaos Corona Congress werden sollte, wurde sie kurzerhand ins Internet verlegt.

Dass es 2021 wieder so läuft, ist alternativlos – aber deshalb nicht weniger schade. Die Remote-Version des Congress (rC3 genannt) findet dieses Jahr unter dem Motto »NOWHERE« statt. Ob man darin zwei Wörter erkennen möchte und, wenn ja, welche, bleibt jedem selbst überlassen.

Ich gebe zu, ich fühle mich eher nach »nowhere« als nach »now here«. Ich vermisse Hackerkonferenzen. In aller Regel sind es die besten, lehrreichsten, lustigsten Tage im Jahr, die mein Beruf mit sich bringt, ob ich mich dafür nun nach Las Vegas oder nach Leipzig begebe.

Virtuelle Welten können die nerdigen Bühnenpräsentationen und Livewettbewerbe, die spektakulären Installationen und spontanen Treffen mit cleveren Menschen, deren Wirken ich sonst nur aus der Ferne beobachten kann, einfach nicht ersetzen. Das 2D-Metaverse der Hacker-Community mit seinem Bällebad ist zwar garantiert kreativer als alles, was sich das Unternehmen formerly known as Facebook je ausdenken könnte. Aber so energiegeladen wie eine mit 15.000 gut gelaunten Menschen und schätzungsweise 15 Millionen blinkenden Lichtern vollgestopfte Messehalle kann sie niemals sein.

Baden in Pixeln: So sah der rC3 2020 aus

Baden in Pixeln: So sah der rC3 2020 aus

Foto: Patrick Beuth / DER SPIEGEL

Immerhin: Auch beim rC3 gibt es etwas zu lernen. Auf elf Kanälen  wird es Vorträge und Workshops geben, die Streams und Aufzeichnungen werden wie gewohnt auf media.ccc.de  kostenlos und ohne Anmeldung verfügbar sein. Meine fünf Tipps:

Wer am Ende dieses nervenzehrenden Jahres lieber nur ins Bällebad hüpfen will, braucht allerdings ein Ticket. Leider sind die bereits ausverkauft.

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Ich wünsche Ihnen einen friedlichen Jahresausklang,

Patrick Beuth

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