Zum Tod von Adobe-Mitgründer Charles Geschke ErPraegteDieTechwelt.PDF

Er hat das PDF miterfunden – und geriet in den Neunzigerjahren unfreiwillig als Opfer einer Entführung in die Schlagzeilen. Nun ist Charles Geschke, einer der Gründer von Adobe, gestorben.
Charles Geschke: Er war an der Erfindung des PDF beteiligt

Charles Geschke: Er war an der Erfindung des PDF beteiligt

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Jeff Christensen

Ob Photoshop, Premiere, InDesign, Acrobat oder Flash: Hunderte Millionen Menschen nutzen jeden Tag Produkte aus dem Hause Adobe. Die Ende 1982 in Mountain View gegründete US-Softwarefirma ist ein wichtiger Eckpfeiler der Techwelt, von der Bildbearbeitung bis zur Darstellung interaktiver Elemente im Web. Am Freitag ist mit Charles »Chuck« Geschke nun einer beiden Gründer des Unternehmens gestorben.

Geschke, der auch schon als Mathematikprofessor arbeitete, gilt unter anderem als Miterfinder des Portable Document Format, kurz PDF. Geschkes Firma hatte das Format 1993 vorgestellt, beim digitalen Austausch von Dokumenten spielt es bis heute eine gewichtige Rolle.

Der Tod von Geschke sei »ein großer Verlust für die gesamte Adobe-Gemeinschaft und die Technologiebranche, für die er über Jahrzehnte ein Wegweiser und Held war«, schrieb Adobes heutiger Chef Shantanu Narayen in einer E-Mail an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Unternehmens.

Als Gründer von Adobe hätten Geschke und sein Geschäftspartner John Warnock »bahnbrechende Software entwickelt, die die Art und Weise, wie Menschen kreieren und kommunizieren, revolutioniert hat«, so Narayen. Schon ihr erstes Produkt, Adobe PostScript, sei eine »innovative Technologie« gewesen, »die eine radikal neue Möglichkeit bot, Text und Bilder auf Papier zu drucken«.

»Der glücklichste Mann der Welt«

Nancy Geschke, die 78-jährige Ehefrau des Verstorbenen, sagte, ihr Mann sei nicht nur auf seine Arbeit als Gründer eines großen Unternehmens stolz gewesen, sondern vor allem auch auf seine Familie. »Er hat sich selbst immer als den glücklichsten Mann der Welt bezeichnet«, so Nancy Geschke. Das Paar war seit 1964 verheiratet.

Seinen Mitgründer John Warnock hatte Charles Geschke in einem Forschungscenter kennengelernt, das zum Technologieunternehmen Xerox gehört. 1982 verließen beide das Forschungscenter, um mit Adobe eine eigene Firma aufzubauen. Geschke ging 2000 in Rente, saß aber noch bis 2020 im Vorstand des Unternehmens.

John Warnock, selbst 80 Jahre alt, sagte zum Tod Geschkes, er habe sich nie einen »besseren, sympathischeren oder fähigeren Geschäftspartner« vorstellen können. »Chuck nicht mehr in unserem Leben zu haben, hinterlässt eine größe Lücke, und alle, die ihn kannten, werden dem zustimmen.«

Er spendete Millionen

Die Zeitung »Los Altos Town Crier«  aus Geschkes kalifornischem Wohnort Los Altos schrieb am Freitag, der Adobe-Mitgründer sei für seine »unerbittliche Großzügigkeit« bekannt gewesen. Gemeinsam mit seiner Frau habe er Millionen Dollar an gemeinnützige Organisationen und Universitäten gespendet.

Landesweit in die Schlagzeilen der US-Presse geriet Geschke 1992, weil er Opfer einer Entführung wurde. Als er mit 52 eines Morgens zur Arbeit kam, sei er von zwei Männern mit vorgehaltener Waffe ergriffen und nach Hollister verschleppt worden, berichtete seinerzeit die Nachrichtenagentur AP . Geschke sei vier Tage lang festgehalten wurden. Das FBI sei letztlich von einem Verdächtigen, der mit 650.000 Dollar Lösegeld erwischt wurde, zum Versteck der Kriminellen geführt worden.

Charles Geschke wurde 81 Jahre alt. Laut »The Mercury News«  hinterlässt er drei Kinder und sieben Enkelinnen und Enkel.

mbö/Reuters
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