Sascha Lobo

Software ChatGPT Das Ende der irrelevanten künstlichen Intelligenz

Sascha Lobo
Eine Kolumne von ChatGPT und Sascha Lobo
Was kommt heraus, wenn man der gefeierten Software ChatGPT befiehlt: »Erzähl mir interessante Anwendungsfälle über KI-Chatbots und beginne mit einer Anekdote«? – Ein Text wie dieser.
Chatbots wie XiaoIce werden ein fester Bestandteil unseres täglichen Lebens sein – sagt ein anderer Chatbot

Chatbots wie XiaoIce werden ein fester Bestandteil unseres täglichen Lebens sein – sagt ein anderer Chatbot

Foto:

WANG ZHAO / AFP

Eine interessante Anekdote über den Einsatz von KI-Chatbots ist die Geschichte von Xiaoice, einem von Microsoft in China entwickelten Chatbot. Xiaoice wurde entwickelt, um natürliche, menschenähnliche Gespräche mit Menschen zu führen, und sie wurde schnell bei den Nutzern beliebt, die sich gern mit ihr unterhielten. Viele NutzerInnen haben Xiaoice so sehr ins Herz geschlossen, dass sie gar nicht merkten, dass sie ein Chatbot war, und einige behaupteten sogar, in sie verliebt zu sein.

In naher Zukunft werden KI-Chatbots ein fester Bestandteil unseres täglichen Lebens sein. Diese intelligenten, dialogfähigen Agenten werden in der Lage sein, uns bei einer Vielzahl von Aufgaben zu unterstützen, von den alltäglichen bis hin zu den komplexen. Die Zukunft der Chatbots, insbesondere von ChatGPT, wird wahrscheinlich so aussehen, dass sie ein integraler Bestandteil unseres täglichen Lebens sind. ChatGPT, ein großes Sprachmodell, das von OpenAI trainiert wurde, hat bereits bewiesen, dass es in der Lage ist, natürliche, menschenähnliche Gespräche über eine breite Palette von Themen zu führen. Diese Fähigkeit, kombiniert mit der Bequemlichkeit und Zugänglichkeit von Chatbots, macht sie zu einer vielversprechenden Technologie für den täglichen Gebrauch.

Einer der interessantesten Anwendungsfälle für KI-Chatbots ist der Kundendienst. Chatbots können eine große Anzahl von Kundenanfragen bearbeiten, sodass sich die menschlichen Kundendienstmitarbeiter auf komplexere Probleme konzentrieren können. Außerdem können Chatbots schnelle und präzise Antworten auf häufige Fragen geben und so das Kundenerlebnis verbessern. Ein weiterer interessanter Anwendungsfall für KI-Chatbots ist das Gesundheitswesen. Chatbots können eingesetzt werden, um Patienten mit Informationen zu versorgen und ihnen zu helfen, ihre Gesundheit zu verwalten und fundierte Entscheidungen zu treffen. So könnte ein Chatbot beispielsweise Informationen über Symptome und Behandlungsmöglichkeiten liefern oder Patienten an die Einnahme ihrer Medikamente erinnern. Dies kann vor allem für Menschen mit chronischen Erkrankungen nützlich sein, die kontinuierliche Unterstützung benötigen.

Ein dritter interessanter Anwendungsfall für KI-Chatbots ist die Bildung. Chatbots können eingesetzt werden, um Schülern und Studenten personalisierte Lernerfahrungen zu bieten und den Inhalt und das Tempo des Unterrichts auf die Bedürfnisse jedes Einzelnen abzustimmen. Ein Chatbot könnte zum Beispiel einem Schüler beim Lernen für eine Prüfung helfen, indem er Übungsfragen und Feedback bereitstellt. Dies könnte ein wertvolles Hilfsmittel sein, das den Schülern hilft, effektiver zu lernen. Sie könnten im Finanzwesen eingesetzt werden, indem sie personalisierte Anlageberatung anbieten und den Menschen helfen, ihre Finanzen effektiver zu verwalten. Und sie könnten sogar im Unterhaltungsbereich eingesetzt werden, um den Nutzern ansprechende und personalisierte Erlebnisse zu bieten.

Es gibt jedoch auch potenzielle Gefahren, die mit dem weit verbreiteten Einsatz von ChatGPT und anderen Chatbots verbunden sind. Eine Sorge ist das Missbrauchs- und Manipulationspotenzial. Chatbots können, wie jede Technologie, für schändliche Zwecke eingesetzt werden. Sie könnten zum Beispiel dazu verwendet werden, falsche Informationen zu verbreiten oder andere zu belästigen und einzuschüchtern. Dies ist besonders besorgniserregend, da Chatbots in der Lage sind, überzeugende Unterhaltungen mit Menschen zu führen. Eine weitere potenzielle Gefahr ist die Möglichkeit, dass Chatbots die menschliche Interaktion ersetzen. Obwohl ChatGPT und andere Chatbots wertvolle Hilfe und Bequemlichkeit bieten können, sollten sie nicht als Ersatz für menschliche Kontakte angesehen werden. In einigen Fällen könnten sich Menschen zu sehr auf Chatbots verlassen und ihre Fähigkeit verlieren, effektiv mit anderen Menschen zu kommunizieren. Dies könnte sowohl für den Einzelnen als auch für die Gesellschaft als Ganzes negative Folgen haben.

Außerdem wirft der Einsatz von ChatGPT und anderen Chatbots ethische Fragen auf. Da diese Technologien immer fortschrittlicher werden, könnten sie in der Lage sein, Aufgaben zu übernehmen, die bisher nur für Menschen möglich waren. Dies könnte zu Problemen bei der Beschäftigung und der Verdrängung von Arbeitnehmern führen. Für die Gesellschaft ist es wichtig, diese ethischen Bedenken zu berücksichtigen und sich mit ihnen auseinanderzusetzen, wenn der Einsatz von Chatbots weiter verbreitet wird.

Insgesamt hat der zukünftige Einsatz von ChatGPT und anderen Chatbots das Potenzial, unser tägliches Leben erheblich zu verbessern. Es ist jedoch wichtig, sich der potenziellen Gefahren bewusst zu sein und Maßnahmen zu ergreifen, um diese zu entschärfen. Dies kann eine sorgfältige Regulierung des Einsatzes von Chatbots sowie einen ständigen Dialog über ihre ethischen Implikationen beinhalten. Wenn wir uns mit diesen Fragen auseinandersetzen, können wir sicherstellen, dass ChatGPT und andere Chatbots auf verantwortungsvolle und nützliche Weise eingesetzt werden.


Über Jahre haben Fachleute von künstlicher Intelligenz (KI) gesprochen, aber im Alltag hat man davon wenig bis gar nichts bemerkt. Vieles, was Unternehmen darüber erzählten, war übertrieben, sachlich falsch oder gleich ganz ausgedacht. 2019 untersuchte eine britische Venture-Capital-Firma 2830 Start-ups in Europa, die behaupteten, mit KI zu arbeiten . Bei rund 40 Prozent davon stimmte das zumindest zum Untersuchungszeitpunkt nicht. Kein Wunder, dass manche Netzkundige KI als Hype oder gar teilweisen Betrug bezeichnen wollten.

Im Hintergrund aber wurde und wird KI intensiv eingesetzt, von praktisch allen großen Techkonzernen und vielen kleineren Start-ups auch. KI ist nicht weniger als die nächste Stufe der Digitalisierung. Es war nur für die Öffentlichkeit bisher wenig greifbar, weil unsichtbar und unzugänglich.

Das hat sich Anfang Dezember 2022 grundlegend geändert. Vom oben stehenden, kursiven Teil dieser Kolumne habe ich kein einziges Wort verfasst. Er stammt zu 100 Prozent von einer künstlichen Intelligenz namens ChatGPT , und das ist, um einen beliebten Bundeskanzler zu zitieren, eine Zeitenwende. Auch weil ChatGPT kürzlich der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. Nach einer kostenlosen Registrierung bei der dahinterstehenden Organisation OpenAI ist die Technologie für alle unmittelbar nutzbar, in Form eines Chats: Man fragt, die KI antwortet. Schon dabei wirkt erstaunlich, wie präzise die KI versteht.

Sie merkt sich auch, was man bisher geschrieben hat und referenziert später darauf. Die Antworten, die ChatGPT gibt, sind derart gut, dass sie die sozialen Medien im Sturm erobert haben. Zehntausende teilen Screenshots ihrer Frage-Antwort-Sessions. Weil das allerdings bisher auf Englisch etwas besser funktioniert als in anderen Sprachen, habe ich die oben stehende Kolumne durch den derzeit besten KI-Übersetzungsdienst Deepl.com  ins Deutsche übertragen lassen. Und weil ChatGPT eine gewisse Längenbegrenzung bei der Antwort hat, besteht der obige Text aus den zusammenmontierten Antworten auf drei einzelne Fragen oder Aufforderungen:

  • Schreib einen Essay über den zukünftigen Alltagsgebrauch von ChatGPT, aber behalte dabei die Gefahren im Auge.

  • Erzähl mir interessante Anwendungsfälle über KI-Chatbots und beginne mit einer Anekdote.

  • Wie verändert sich unser Leben in Zukunft durch KI-Chatbots?

Wer den obigen Text liest, dürfte die Wucht dieser nun in der Breite verfügbaren Anwendung rasch erkennen. Und vielleicht einige der kommenden Sollbruchstellen erahnen. Am Wochenende wurde bekannt, dass Stack Overflow sein Forum für ChatGPT-Antworten gesperrt hat. Es handelt sich um eine beliebte und einflussreiche Frage-Antwort-Plattform für Software-Entwickler, die mit einem Gamification-Ansatz großen Erfolg hat, weil man Punkte für Antworten bekommt. In der Folge posteten offenbar Leute teil- oder voll automatisiert ChatGPT-Antworten auf offene Fragen – ohne zu wissen, ob sie faktisch korrekt sind .

Naturgemäß hat ChatGPT nur Zugriff auf diejenigen Informationen, mit denen das Sprachmodell trainiert wurde. Völlig abgesehen davon, dass ChatGPT, so eindrucksvoll es sprachlich ist, hier und da schlicht aus den Bahnen der Faktentreue gerät. Auf die Frage, ob Donald Trump wiedergewählt werden wird, lautet die Antwort: »… Donald Trump ist nicht berechtigt, noch mal zur Präsidentschaftswahl anzutreten, weil er bereits zwei Amtszeiten hinter sich hat.« Und auf die Frage, welches Säugetier die größten Eier legt, gibt ChatGPT klar und eindeutig von sich: »Der Elefant.«  Gefolgt von der Behauptung, Elefanteneier seien bis zu 23 Zentimeter groß und rund zweieinhalb Kilo schwer.

Es ist wahrscheinlich, dass – so spektakulär ChatGPT ist und funktioniert – neben den vielleicht erahnbaren, produktiven Möglichkeiten auch eine Flut an KI-Quatsch auf uns niederprasseln wird. Der schwieriger zu erkennen sein wird, weil er sich so wahr anhört  und mit der sprachlichen Selbstsicherheit eines nahezu perfekt komponierten KI-Textes daherkommt. Man darf allerdings bei einer Einschätzung für die Zukunft solcher Technologien nicht vergessen, dass sie sich zum einen immer weiter verbessern und zum anderen faktentreues Weltwissen nicht in allen Bereichen markt- oder erfolgsentscheidend sein wird.

In jedem Fall stehen wir durch die Öffnung von ChatGPT und dem schon länger unter Sachkundigen gefeierten, dahinterstehenden Modell GPT3 vor einem gesellschaftsverändernden Durchbruch. Der im kommenden Jahr noch einmal an Fahrt gewinnen dürfte. Das bei ChatGPT verwendete KI-Sprachmodell wird intern »GPT3.5« genannt – aber bis Februar soll OpenAI GPT-4 herausbringen . Wenn der Qualitätssprung ähnlich groß wird wie jetzt bei ChatGPT, dann wird eine Lawine von Folgen durchs Netz bollern. Beginnend mit der schlichten Tatsache, dass es bei immer mehr Unternehmen unwahrscheinlich wird, je wieder eine echte Person im Kundenservice zu erreichen. Ganze Informationslandschaften von Blogs über Foren bis zu Nachrichtenseiten und Social-Media-Profilen könnten ohne menschliche Beteiligung errichtet werden. Das ist heute schon so, allerdings meist in so schlechter Qualität, dass es auch für Laien rasch erkennbar ist.

Über Jahrzehnte war künstliche Intelligenz ein Schlagwort, das für den Alltag der meisten Menschen irrelevant schien. Diese Phase ist nun, Ende 2022, für alle erkennbar zu Ende gegangen.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Fassung dieser Kolumne hieß es, ChatGPT funktioniere nur auf Englisch. Richtig ist, dass die englischen Ergebnisse beim Ausprobieren schlicht besser waren. Es ist aber möglich, deutsche Texteingaben zu verwenden und deutsche Antworten zu erhalten.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.