Whistleblower-Kunstwerk Warum Chelsea Manning nicht aussieht wie Chelsea Manning

In Berlin wurden drei Statuen gezeigt, die Whistleblower ehren sollen. Die Skulptur von Chelsea Manning zeigte allerdings einen Mann. Was steckt dahinter?

Bronzeskulpturen zeigen Edward Snowden, Julian Assange und Chelsea Manning (r.)
Jörg Carstensen/ DPA

Bronzeskulpturen zeigen Edward Snowden, Julian Assange und Chelsea Manning (r.)

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Auf einer von der Linksfraktion im Bundestag organisierten Veranstaltung "Medien unter Beschuss" haben Politiker und Whistleblower-Experten über die Lage von Whistleblowern, über WikiLeaks und über den investigativen Journalismus diskutiert. Am Brandenburger Tor wurde zudem ein temporäres Kunstwerk gezeigt, mit dem der italienische Bildhauer Davide Dormino Whistleblower ehren möchte. Ausgestellt wurden Statuen von Edward Snowden und WikiLeaks-Gründer Julian Assange sowie eine Statue von Chelsea Manning - allerdings noch mit männlichem Antlitz.

Das Kunstwerk "Anything to say?" rufe dazu auf, "ebenfalls Mut zum Aufstehen zu haben", hieß es im Programm zur Veranstaltung auf der Webseite der Linkspartei.

In sozialen Netzwerken sehen Kritiker die männliche Darstellung von Manning Jahre nach ihrer Transition zur Frau allerdings als Affront - und bezeichnen die Aktion als "transfeindlich" oder "respektlos".

Die Linken-Abgeordnete Heike Hänsel antwortete auf die Kritik zum Aussehen der Skulptur auf Twitter: "Weil die Skulptur schon älter ist." Den Kritikern war das als Erklärung zu wenig. "Das rechtfertigt nicht, dass Trans-Personen falsch dargestellt werden und dass Transfeindlichkeit so offen reproduziert wird", konterte jemand.

Chelsea Manning hatte bereits 2013 in einem Statement klargestellt, dass sie seit ihrer Kindheit eine Frau sei und künftig Chelsea Manning genannt werden wolle. "Ich bin Chelsea Manning. Ich bin eine Frau. So wie ich mich fühle und seit meiner Kindheit fühle, möchte ich so schnell wie möglich mit der Hormontherapie beginnen", schrieb Manning damals. "Ich hoffe, dass Sie mich bei diesem Übergang unterstützen werden."

Die jetzt umstrittene Statue war bereits im Mai 2015 auf dem Berliner Alexanderplatz präsentiert worden, später dann in weiteren europäischen Städten.

"2014 geplant und Anfang 2015 angefertigt"

Auf SPIEGEL-Anfrage heißt es von der Linken-Abgeordneten Sevim Dagdelen, nach dem Künstler sei die Skulptur "2014 geplant und Anfang 2015 angefertigt" worden: "Die Darstellung der Personen richtet sich laut dem Künstler nach dem Zeitpunkt des Geschehens. Demnach wurde (…) die Whistleblowerin Chelsea Manning abgebildet, wie sie damals ausgesehen hat."

Künstler Davide Dormino sagte dem SPIEGEL: "Sie war in Einzelhaft und so unmöglich für mich zu erreichen. Mein Porträt basierte auf den damals einzigen verfügbaren Bildern."

Die temporäre Ausstellung in Berlin ist bereits wieder beendet. Sevim Dagdelen sagte dazu aber, Die Linke im Deutschen Bundestag würde es begrüßen, "wenn in der deutschen Hauptstadt ein geeigneter öffentlicher Ort für die dauerhafte Präsentation von 'Anything to say?' zur Verfügung gestellt und im Sinn des Monuments Zivilcourage zur Unterstützung von Whistleblowern gezeigt werde".



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