China Auch Internet muss linientreu sein

Zum ersten Mal schloss die chinesische Regierung eine Internetseite von Regimekritikern. Die als "Neues Kulturforum" bezeichnete Homepage soll konterrevolutionäre Texte enthalten haben.


Peking - Den Angaben der New Yorker Gruppe "Menschenrechte in China" zufolge, handelte es sich dabei um eine Seite von Veteranen der Oppositionsbewegung.

Mit dem Vorfall wird wieder einmal das Dilemma deutlich, in dem die Regierung in Peking steckt: Einerseits weiß man auf Seiten der Politik den wirtschaftlichen Aspekt des Internets zu schätzen. Andererseits soll die Verbreitung von Regimekritik möglichst vermieden werden.

Die chinesischen Behörden überwachen ständig das Online-Angebot im Land. Der Zugang zu Auslandsinformationen - wie überhaupt zu politischen Nachrichten - wird so weit wie möglich verhindert. Dennoch ist im vergangenen Jahr die Zahl der Web-Nutzer um 300 Prozent gestiegen. Das China Internet Network Information Center (CNNIC) zählte im bevölkerungsreichsten Land der Erde im Juli 16,9 Millionen Internet-Nutzer.

Der Pekinger Provider des "Neuen Kulturforums" hat mittlerweile die Schließung der Seite bestätigt und den Namen des Kunden bekannt gegeben: Xin Wemming klingt im Chinesischen wie "neue Kultur". Laut Geschäftsführer Li Tao wurde jedoch über eine Geldstrafe für die Firma noch nicht entschieden.

Die Fahndung nach den Organisatoren der Website hat jedoch bereits begonnen.



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