China Eltern verklagen Spielefirma wegen Selbstmord ihres Sohnes

Kann es sein, dass ein PC-Spiel Ursache für den Selbstmord eines 13-jährigen war? Diese Frage wollen die Eltern des toten Jungen nun vor Gericht klären lassen. Der Fall ist Wasser auf die Mühlen von Spielegegnern.


Wenn Spielegegner nach Hinweisen dafür suchen, dass PC- und Videospiele einen direkten schädlichen Einfluss auf Spieler haben könnten, schauen sie gern nach Asien. In den Spielhöllen und Internetcafes in China, Taiwan, Korea oder Japan wird der Exzess geübt - und die drastischsten Nachrichten, die den Spiele-Skeptikern Argumente liefern kommen von dort. Das fängt beim Rachemord an, dafür, dass ein Freund in einem Rollenspiel das virtuelle Schwert des anderen ungefragt verkaufte, und endet nicht selten bei Zhang Xiaoyi, der 2004 aus dem Fenster eines Hochhauses sprang.

Dreizehn Jahre als war der Junge da gerade einmal, und hatte seit 36 Stunden nicht geschlafen. Die hatte er einerseits in einem Internetcafe verbracht, andererseits in einer anderen Welt: Im Onlinespiel "Warcraft". Danach ging er heim, kurz darauf sprang er aus dem Fenster und stürzte 24 Stockwerke hinab in den Tod.

Jetzt klagen die Eltern des Jungen gegen die Vertriebsfirma China Cyber Port, die das bekannte Spiel des US-Entwicklers Blizzard in China vertreibt, und verlangen Schmerzensgeld. 100.000 Yuan sind eine stolze Summe in China, auch wenn 9.800 Euro nicht danach klingen. Der Vorwurf der Eltern: Der chinesische Vertragshändler habe in anderen Ländern geltende Altersbeschränkungen missachtet und nicht ausreichend über die von dem Spiel ausgehenden Gefahren gewarnt. Kurzum. In den USA sei Warcraft wegen seines "gewalttätigen und blutigen Inhalts" nur für Kinder über 13 Jahre freigegeben, worüber sich die Eltern aber "nicht klar gewesen" seien. Kurzum: Der Spielehändler sei mit verantwortlich für den Tod ihres Jungen.

Die Eltern verbanden die Klage im Interview mit einer chinesischen Tageszeitung mit Mahnungen, junge Spieler besser vor den Risiken der Abhängigkeit von Computerspielen zu schützen. Neben dem Schmerzensgeld verlangen sie im Rahmen des Prozesses auch eine Verpflichtung des Spielevertreibers, das Spiel mit klaren Warnungen vor dem gewaltgehalt, vor der angeblichen Suchtgefahr und Gesundheitsrisiken zu versehen. Unterstützt werden sie von Aktivisten einer Kampagne gegen Online-Sucht.

"Dies ist ein Fall von öffentlichen Interesse", sagte Zhang Chunliang, ein Sprecher der Kampagne. "Wir bitten den Staat dringend darum, ein umfassendes und gesundes System zur Kontrolle von Computerspielen zu schaffen".

Die Nachfrage nach Computer- und Online-Spielen hat in den vergangenen Jahren in China explosionsartig zugenommen. Schätzungen zufolge spielen derzeit rund 13,8 Millionen Chinesen online.

pat/rts



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