China Internet-Cafés geschlossen

Chinas Linie scheint klar: Kann die Nutzung des Internet nicht staatlich kontrolliert werden, muss sie eben untersagt werden. Jetzt haben die Behörden Internet-Cafés ins Visier genommen.


Schanghai - In der chinesischen Stadt Schanghai sind einem Zeitungsbericht zufolge 127 Internet-Cafés geschlossen und 192 Computer beschlagnahmt worden. Die Cafés hätten, so die Behörden, keine Lizenz gehabt.

Teufelszeug Internet: Wenn es nach der Regierung geht, sollten Chinesen am besten nur unter Aufsicht surfen dürfen
AP

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Wie die Zeitung "Shanghai News" unter Berufung auf einen Behördensprecher berichtet, wurde in den nicht lizenzierten Internet-Treffpunkten "pornografisches Material über das Internet verbreitet". Zudem zahlten die Cafés keine Steuern.

Für Chinas Führung sind das anscheinend genug Indizien, um die Cafés zu schließen. Denn die Treffs, in denen Chinesen für relativ wenig Geld ins weltweite Datennetz abtauchen können, stellen für das autoritäre Land ganz offensichtlich eine Bedrohung dar.

Zur Zeit nutzen etwa neun Millionen Chinesen das Internet. Aufgrund der hohen Kosten können es sich allerdings nur wenige Bürger leisten, von zu Hause aus ins Netz zu gehen. Als Folge steigt die Zahl der Internet-Cafés - lizenzierte wie nicht lizenzierte.

Die Inhaberin eines lizenzierten Treffs, Hu Weiping, begrüßte dagegen das Durchgreifen der Behörden. Im Wettbewerb mit den "illegalen Konkurrenten" habe sie Verluste hinnehmen müssen, sagte sie. An meist dubiosen Standorten mit niedrigen Mietkosten böten die Betreiber die Nutzung ihrer Computer oft zum halben regulären Preis an.

Die Schließung kommt zu einer Zeit, in der die chinesische Regierung die Daumenschrauben im Internet weiter anzieht. Seit einer Woche gelten Gesetze, die - so die offizielle Begründung - die "Enthüllung von Staatsgeheimnissen" verhindern sollen. Gegner der kommunistischen Regierung waren in der Vergangenheit oftmals beschuldigt worden, geheime Informationen über das Internet verbreitet zu haben.



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