Zensur China schränkt Zugang zu freiem Internet weiter ein

Das beunruhigt auch viele deutsche Firmen: Von Sonntag an sind in China offiziell nur noch verschlüsselte Verbindungen erlaubt, die der Staat lizenziert hat. Das könnte für den Zugang zum freien Netz fatal sein.
Internetcafé in Beijing

Internetcafé in Beijing

Foto: EPA

An diesem Wochenende läuft in China eine Frist ab, die den Zugang zum freien Internet in der Volksrepublik noch einmal erheblich erschweren könnte. Von Sonntag an ist offiziell nur noch VPN-Software erlaubt, die staatlich lizenziert und zugelassen ist.

Virtual Private Networks, kurz VPN, ermöglichen Computern oder Handys, eine verschlüsselte Verbindung zu einem Server aufzubauen, der freien Zugang zum Internet bietet. In China nutzen Millionen Bürger und viele Unternehmen VPN-Tunnel, um die lokale Zensur zu umgehen.

Viele Intellektuelle und Dissidenten nutzen solche Programme oder Apps, um ihre Ansichten etwa auf Facebook oder Twitter zu veröffentlichen, die beide in China gesperrt sind. VPN-Tunnel werden aber auch ganz allgemein verwendet, um von öffentlichen Internetzugängen aus sichere Verbindungen ins Netz aufzubauen.

Solche Software darf künftig nur noch mit staatlicher Erlaubnis angeboten werden. Die Vorschrift hatten die chinesischen Behörden bereits Anfang 2017 angekündigt und neben dem 31. März auch andere Stichtage für deren Umsetzung genannt. Die "Große Firewall" genannte Zensur störte VPN-Verbindungen auch früher immer wieder so massiv, dass sich zahlreiche Internetnutzer darüber beklagten.

Dass VPN-Tunnel nun tatsächlich flächendeckend abgeschaltet werden könnten, beunruhigt auch ausländische Firmen. Neben hohen Kosten, die durch eine Umstellung auf staatlich lizenzierte Software entstehen könnten, sorgten sich deutsche Unternehmen vor allem um die Sicherheit der Daten, teilte der Asien-Pazifik-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft mit .

Sein Vorsitzender Hubert Lienhard sagte, vor allem für kleine und mittelständische Unternehmen sei diese Umstellung eine große Herausforderung. "Gleichzeitig bleibt die Frage, ob die Daten weiterhin wirklich sicher übermittelt werden können."

Wie wichtig VPN-Tunnel fürs internationale Geschäft sind, zeigt eine Umfrage der Deutschen Außenhandelskammer in China : Von 216 im März befragten deutschen Firmen nutzen neun von zehn ein Virtual Private Network oder eine Standleitung, um unter anderem den sicheren Datenaustausch mit der Firmenzentrale zu gewährleisten. Gut acht von zehn Firmen gaben an, dass VPN-Lösungen für das Geschäft "unbedingt notwendig" seien.

Was die chinesische Regierung von April an konkret unternimmt, um nicht genehmigte VPN-Tunnel zu unterbinden, ist unklar. Laut der Nachrichtenagentur Reuters haben die Behörden ihre Schritte ausländischen Firmen gegenüber nicht kommuniziert.

"Wir erwarten keine plötzlichen Auswirkungen, aber es herrscht auch keine Klarheit, das ist nicht hilfreich", sagte ein Manager einer US-Technologiefirma in Peking, der anonym bleiben wollte.

lov/Reuters
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