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26. September 2017, 10:19 Uhr

Internetzensur

China bremst offenbar WhatsApp aus

Schwerer Rückschlag für Facebook in China: Der vom Konzern aufgekaufte Messenger WhatsApp ist dort angeblich nicht mehr nutzbar. Der Dienst ist damit von einem der größten Märkte weltweit ausgesperrt.

Die populäre Chat-App WhatsApp wird in China seit Montag weitgehend blockiert, berichtet die "New York Times" (NYT). Das Blatt beruft sich auf den Kryptografieexperten Nadim Kobeissi, der am Montag in Frankreich erklärt hat, dass der Versand von Textnachrichten über die App der Facebook-Tochterfirma in China weitgehend unterbrochen zu sein scheint.

Bereits seit Mitte Juli ist es in China zeitweilig nicht mehr möglich gewesen, über WhatsApp Bilder und Videos zu versenden oder Voice-Chats durchzuführen. Kobeissi, der das Start-up Symbolic Software betreibt, geht davon aus, dass es den Zensoren nun gelungen sei, eine Software zu entwickeln, die darauf spezialisiert ist, den Versand der von WhatsApp verschickten verschlüsselten Nachrichten zu stören.

Trotz dieser Maßnahmen sei es für manche Nutzer in China durchaus immer noch möglich, WhatsApp zu nutzen, zumindest theoretisch, wird ein chinesischer Internetexperte von der "NYT" zitiert. Das sei dann aber ein ausgesprochen unbefriedigendes Erlebnis.

Statt WhatsApp komplett zu sperren würden die Behörden den Dienst einfach derart verlangsamen, dass dessen Nutzung letztlich aufgegeben werden müsse. Diese Methode werde seit langem angewandt, um Internetnutzer in China dazu zu bewegen, chinesische Onlineangebote zu verwenden, die von den Behörden leichter überwacht und kontrolliert werden können als ausländische Dienste. Eine inländische Alternative zu WhatsApp wäre beispielsweise das chinesische WeChat.

Geldstrafen für Internetdienste

Erst im Januar hatte die chinesische Internet-Regulierungsbehörde eine Vorschrift eingeführt, wonach Anwender von Onlineforen sich mit Klarnamen beim jeweiligen Forumsbetreiber registrieren müssen. Seit Monaten geht die Regierung auch gegen sogenannte VPN-Apps und -Anbieter vor, die ein uneingeschränktes Surfen im Netz ermöglichen. Im August wurde Apple dafür kritisiert, auf Aufforderung der chinesischen Führung VPN-Apps aus seinem chinesischen App Store entfernt zu haben.

Nahezu zeitgleich mit der WhatsApp-Blockade wurde bekannt, dass Chinas Internetbehörde mehreren chinesischen Internetportalen hohe Strafen für einen zu laxen Umgang mit Inhalten aufgebrummt hat. Laut "CNBC" wurden gegen Tencents WeChat, das Onlineforum Tieba und die Microblogging-Seite Sina Weibo die maximal zulässigen Geldstrafen verhängt. Diese sollen jeweils 500.000 Yuan, umgerechnet etwa 64.000 Euro, betragen.

Den Unternehmen wird vorgeworfen, nicht genug gegen pornografische und gewaltverherrlichende Darstellungen sowie Fremdenhass unternommen und damit ihre Aufsichtspflicht verletzt zu haben. An einer nachhaltigen Wirkung dieser Strafen dürften jedoch Zweifel angebracht sein. Allein Tencents Jahresumsatz für 2016 wird von "CBC" mit 21,9 Milliarden Dollar angegeben.

mak

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