Zensur China weitet Internetsperren aus

Immer weniger westliche Internetseiten sind von China aus abrufbar. Beobachter melden, dass die Zensoren die Blockade im Vorfeld einer Welt-Internetkonferenz in der Volksrepublik ausweiten.
Warnhinweis: Schon seit Jahren warnen chinesische Behörden Internetnutzer mit solchen Symbolen vor dem Besuch bestimmter Webseiten.

Warnhinweis: Schon seit Jahren warnen chinesische Behörden Internetnutzer mit solchen Symbolen vor dem Besuch bestimmter Webseiten.

Foto: Adrian Bradshaw/ dpa

Peking - China hat seine Internetblockade auf Tausende weiterer Internetseiten ausgeweitet. Die US-Firma Edgecast, ein Anbieter von Cloud-Diensten, teilte am späten Montag mit , dass viele ihrer Dienste seit Kurzem von China aus nicht mehr oder nur noch eingeschränkt abrufbar sind. Zuvor hatten die Zensurexperten der Plattform Greatfire.org  von einer massiven Blockade von Cloud-Diensten in China berichtet. Die Webseite verfolgt die Zensurmaßnahmen der chinesischen Regierung im Internet.

Edgecast beklagte eine Blockade "ohne System und ohne Grund". Der Zugriff auf Dienste werde abgefangen oder komplett unterbunden. "An alle Kunden, die frustriert sind: Wir teilen Ihren Frust", schrieb das Unternehmen. Das gelte für die gesamte, auf die Bereitstellung von Dienstleistungen im Internet spezialisierte, Industrie.

Konkret betroffen ist unter vielen anderen die Seite mit dem Katalog der Erweiterungen (Add-ons) für den populären Webbrowser Firefox. Auch die Site des Online-Projekts Drupal, einem freien Redaktionssystem für das Erstellen von Websites, kann in weiten Teilen nicht mehr in China erreicht werden. Auch Sony Mobile und das US-Magazin "The Atlantic" werden blockiert.

Die Aktivisten von Greatfire.org bezeichneten den Schritt als "Versuch, China vom globalen Internet abzuschneiden". Die Organisation hatte mehrfach angeprangert, dass Chinas Zensurapparat immer ausgefeilter operiere. Teilweise würden Zugriffe auf internationale Internetseiten gezielt verlangsamt, um sie für chinesische Nutzer unbrauchbar zu machen.

Welt-Internetkonferenz in China

Die strenge Internetzensur in China hat in einem Maß zugenommen, dass deutsche Unternehmen Einbußen fürchten. Das ergab eine Umfrage der deutschen Handelskammer. Internetdienste, mit denen die als "Große Firewall" bezeichneten chinesischen Internetsperren umgangen werden können, würden zunehmend gestört.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International  prangerte am Dienstag Chinas Internetzensur an. "Chinas Internetmodell ist von extremer Kontrolle und Repression gekennzeichnet", sagte die China-Expertin William Nee laut Mitteilung. Die Regierung setze eine Armee von Zensoren zur Kontrolle ein und bringe Aktivisten, die sich für das Recht auf freie Meinungsäußerung einsetzen, ins Gefängnis. Es sei eine Ironie, dass China eine Welt-Internetkonferenz ausrichte. Die Tagung findet von Mittwoch bis Freitag in der ostchinesischen Provinz Zhejiang statt.

Chinas Internet wird seit Jahren stark kontrolliert. Soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter sowie YouTube oder Webseiten von Menschenrechtsorganisationen und ausländischen Medien wie der "New York Times" oder die Nachrichtenagentur Bloomberg sind von China aus nicht abrufbar.

In diesem Jahr hat China die Sperren bereits einmal ausgeweitet. Kurz vor dem 25. Jahrestag des Pekinger Massakers im Juni wurde erstmals der Zugang zu allen Google-Diensten in China gesperrt.

Stephan Scheuer, dpa
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