China Yahoo wegen Raubkopien verurteilt

Per Gerichtsbeschluss ist Yahoo China dazu aufgefordert worden, hunderttausende Links zu illegalen Musikdownloads aus seiner Suchmaschine zu entfernen. Für die Musikindustrie ist das Urteil nur ein Teilsieg - es blieb weit hinter den Forderungen der Kläger zurück.


Böse Schlappe für den chinesischen Yahoo-Ableger. Die International Federation for the Phonographic Industry (IFPI) hat in Peking erfolgreich gegen die Suchmaschine geklagt und Recht bekommen. Yahoo China wurde vorgeworfen, auf Websites mit illegalen Kopien von Musik zu verlinken. Darüber hinaus beklagte der Verband, in China würden 90 Prozent der Musik illegal kopiert. Jedes Jahr, so die IFPI, werde Musik im Wert von 400 Millionen Dollar illegal verkauft.

Chinesische Websurfer: Künftig keine Links zu illegalen Musikdownloads mehr bei Yahoo
AFP

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Die Richter bescheinigten Yahoo China nun, die Suchmaschine habe eine Mitschuld wegen der Verletzung der Urheberrechte zu tragen, obwohl die Kunden ihre Raubkopien letztlich von den Servern anderer Anbieter bezogen hätten. Das Unternehmen habe die Verstöße unterstützt, weil die Internetnutzer mit Hilfe seiner Suchmaschine die geschützten Musikstücke gefunden hätten.

Dementsprechend muss der chinesische Yahoo-Ableger jetzt alle Verweise auf Gratis-Angebote für illegale Musik-Downloads von seinen Internetseiten entfernen. Das Gericht in Peking verurteilte den Suchmaschinenbetreiber außerdem zu einer Strafzahlung in Höhe von 19.000 Euro (200.000 Yuan).

Damit bleibt das Gericht allerdings weit hinter den Forderungen der Kläger zurück. Die hatten von Yahoo China einen Schadenersatz in Höhe von 525.000 Euro (5,5 Millionen Yuan) wegen angeblicher Urheberrechtsverstöße gefordert.

Der Suchmaschinenbetreiber kündigte an, Berufung gegen das Urteil einzulegen. Ein Sprecher warf der Justiz zugleich Ungleichbehandlung vor. Der chinesische Marktführer Baidu.com sei im vergangenen Jahr von ähnlichen Vorwürfen freigesprochen worden. "Wenn es irgendeinen Fehler gab, hat Baidu ihn ebenfalls begangen", sagte der Sprecher.

Ob eine solche Aussage allerdings hilfreich ist, sich gegen das Urteil von Peking durchzusetzen, dürfte bezweifelt werden

mak/rts



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