Facebook und der Anschlag in Christchurch 200 Menschen schauten live zu - keiner meldete den Terror-Stream

Dem Anschlag von Christchurch haben etliche Facebook-Nutzer live zugesehen. Doch niemand von ihnen hielt es in diesem Moment für nötig, Alarm zu schlagen.
Foto: Armin Weigel/ picture alliance/dpa

200 Nutzer von Facebook haben den vom Täter übertragenen Terroranschlag in Christchurch in Echtzeit verfolgt - aber niemand meldete dies als problematischen Inhalt. Das hat Facebook am Dienstag in einer Pressemitteilung  bekannt gemacht.

In der rund 17-minütigen Liveübertragung war zu sehen gewesen, wie der Attentäter mit Waffen zum Anschlagsort fährt, in eine Moschee eindringt und Dutzende von Menschen erschießt. "Der erste Nutzer-Bericht über das Originalvideo kam 29 Minuten nach Beginn des Videos und 12 Minuten nach Ende der Liveübertragung", so Facebook. Auch die automatischen Erkennungssysteme des sozialen Netzwerks schlugen offenbar nicht an.

Insgesamt wurde der Original-Livestream 4000 Mal angesehen, bevor er aus dem sozialen Netzwerk gelöscht wurde, hieß es weiter. Erst nach der eigentlichen Übertragung verbreiteten sich die Aufnahmen von dem Anschlag massenhaft im Internet. Auf den Stream war - lange, bevor Facebook davon mitbekam - unter anderem durch ein Posting im Forum 8chan hingewiesen worden, das als noch radikaler als das bekanntere 4chan gilt.

Erkennung mit digitalem Fingerabdruck

Die meisten sozialen Netzwerke und Videoplattformen haben das Original-Video und bearbeitete Versionen davon mittlerweile mit sogenannten Hashwerten - einer Art digitalem Fingerabdruck - identifizierbar gemacht und in einer Datenbank hinterlegt. Mit ihrer Hilfe wird versucht, terroristische Inhalte schon beim Upload automatisch zu erkennen und die Verbreitung einzuschränken.

Die 2017 gegründete Anti-Terror-Initiative Global Internet Forum to Counter Terrorism (GIFCT) gab auf ihrer Website bekannt , dass zwischen ihren Mitgliedern "digitale Fingerabdrücke von mehr als 800 visuell unterschiedlichen Videos" zur Attacke sowie "URLs und Informationen" zum Vorgehen gegen die Aufnahmen geteilt worden seien. Der Initiative gehören unter anderem Facebook, Twitter, Microsoft und YouTube an.

"Wir haben das ursprüngliche Facebook-Live-Video entfernt und gehasht, sodass andere Freigaben, die diesem Video optisch ähnlich sind, erkannt und automatisch von Facebook und Instagram entfernt werden", erklärte auch Facebook. "Einige Varianten wie Bildschirmaufnahmen waren schwieriger zu erkennen, sodass wir auch zusätzliche Erkennungssysteme einschließlich Audiotechnik eingesetzt haben."

Zahlreiche Uploadversuche

Facebook hat nach eigenen Angaben in den ersten 24 Stunden nach dem Anschlag weltweit etwa 1,5 Millionen Videos davon entfernt. Mehr als 1,2 Millionen Clips seien direkt beim Hochladen gesperrt worden.

Obwohl die großen Plattformen Millionen Video-Kopien gesperrt oder gelöscht haben, sind einige Aufnahmen des Anschlags noch immer in sozialen Netzwerken sowie auf anderen Plattformen und in Foren auffindbar: Nutzer laden immer wieder neues Material hoch - auch auf Plattformen, auf denen weniger rigide gelöscht wird.

"Wir arbeiten weiterhin rund um die Uhr daran zu verhindern, dass diese Inhalte auf unserer Website erscheinen, indem wir eine Kombination aus Technologie und Menschen einsetzen", heißt es von Facebook.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.