"Christian Science Monitor" Renommierte US-Zeitung zieht ins Web um

Sieht so der Anfang vom Ende der gedruckten Zeitung aus? Der "Christian Science Monitor", eine der renommiertesten Tageszeitungen der USA, stellt seine Druckausgabe ein. Das Blatt zieht ins Web um. Parallel will man ein Wochenmagazin herausgeben.


Der "Christian Science Monitor" ist eine ehrwürdige Institution. Seit einem Jahrhundert erscheint das Blatt, eine Publikation der "First Church of Christ, Scientist". Eine religiöse Zeitung im engeren Sinne ist der "Monitor" aber nicht - eine breite Leserschaft schätzt die unaufgeregte, analytische und sorgfältige Berichterstattung. Nun wird die Printausgabe eingestellt. Die erste überregionale Zeitung in den USA zieht damit vollständig nach Digitalien um.

"Christian Science Monitor": Bald nur noch im Web

"Christian Science Monitor": Bald nur noch im Web

Lediglich ein Wochenmagazin soll die "Monitor"-Printredaktion weiterhin produzieren - doch auch die betrachtet Chefredakteur John Yemma eher als Liebhaberobjekt: "Wir wissen durchaus, dass Nachrichtenmagazine einbrechen", sagte er der "New York Times", "wir machen uns keine Illusionen, dass das uns Wachstum bringen könnte." Das wöchentliche Magazin, das von der künftigen Web-Redaktion miterstellt werden soll, sei eher ein Bonbon für Leser, die Gedrucktes eben schätzten.

Der "Monitor" ist keine große Zeitung im herkömmlichen Sinn - zuletzt hatte das Blatt noch eine Auflage von 52.000. Doch das Blatt wird oft zitiert und gilt als Leit- und Vorbild - sieben Pulitzerpreise hat die heute etwa hundertköpfige Redaktion im Laufe der Jahre schon eingesammelt.

Für die meisten US-Zeitungen wäre das, was die durch großzügige Zuwendungen der First Church of Christ mitfinanzierte Publikation da nun tun wird, derzeit kein gangbares Modell: Die überwältigende Mehrheit der Umsätze wird bei den meisten Blättern nach wie vor mit dem Printprodukt gebracht. Doch die Umsätze mit Print-Anzeigen stagnieren oder gehen gar zurück, ebenso wie die Abonnentenzahlen. Der Monitor, so Yemma zur "New York Times", vollziehe nur jetzt schon einen Schritt, "den die meisten Zeitungen in den kommenden fünf Jahren werden machen müssen.

Auch in Deutschland verschieben sich die Verhältnisse von Print- und Online-Einnahmen weiterhin: Einer aktuellen Studio von PriceWaterhouseCoopers zufolge sollen die Werbeeinahmen von Online-Medien in den kommenden fünf Jahren um jeweils 17,6 Prozent auf dann 1,6 Milliarden Euro anwachsen. Für die Einnahmen der Tageszeitungen werden 0,7 Prozent Zuwachs pro Jahr prognostiziert - auf dann fünf Milliarden Euro.

cis



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