Chromium Edge vs. Chrome und Firefox So schlägt sich der neue Microsoft-Browser im Test

Microsoft hat seinem Webbrowser ein Google-Tuning verpasst. Wir haben ausprobiert, wie sich das auf die Leistung auswirkt - und ob der neue Edge nun mit Chrome und Firefox mithalten kann.
Stilles Wasser, glattgeschliffene Felsen: So idyllisch präsentiert Microsoft die den neuen Edge-Browser

Stilles Wasser, glattgeschliffene Felsen: So idyllisch präsentiert Microsoft die den neuen Edge-Browser

Foto: Microsoft

Vor knapp einem Jahr hatte Microsoft angekündigt, eine schnellere und sicherere Version seines Webbrowsers Edge entwickeln zu wollen. Eigentlich ein ganz normaler Vorgang, schließlich verspricht jeder Softwarehersteller regelmäßig Updates, die seine Software besser machen. Ungewöhnlich ist an diesem Fall, dass Microsoft für das Update den Kern des Browsers mit Google-Software bestückt.

Die eigens für den Edge-Browser entwickelte Edge-HTML-Technologie wirft der Konzern dafür über Bord und nutzt stattdessen Technologie, die Google im Rahmen des Chromium-Projekts als Open Source, also für jedermann kostenlos nutzbar, veröffentlicht hat. Einer der Vorteile dieser Entscheidung ist, dass man für Chrome entwickelte Erweiterungen, also Plug-ins, nun auch in Edge nutzen kann.

Das Firefox-Entwicklerteam hatte die Kehrtwende damals scharf kritisiert. Der Chef der Mozilla Foundation, Chris Beard, hatte es als "schrecklich" bezeichnet, dass Google damit fundamentale Bestandteile der Online-Infrastruktur fast allein im Griff habe. Schon jetzt hat Googles Chrome-Browser laut Statista  einen Marktanteil von 69 Prozent. Firefox folgt weit danach mit neun Prozent, während es der bisherige Edge-Browser nicht einmal auf fünf Prozent bringt.

Doch wie schlägt sich der Microsoft-Browser im direkten Vergleich? Wir haben die Leistung des neuen Edge mit Chrome und Firefox verglichen. Getestet haben wir unter Windows 10 auf einem MacBook Pro, das von einem Intel-i7-Vierkernprozessor mit 2,3 Gigahertz angetrieben wird.

Knappe Niederlage im Performance-Test

Der erste Eindruck erinnert rasch an die Leistung von Chrome: Die Oberfläche ist aufgeräumt, die Seiten öffnen sich flink und auch bei vielen geöffneten Tabs geht das Programm nicht in die Knie. Um die Leistung zu überprüfen, testen wir die Performance zunächst mit dem Benchmark-Tool  Jetstream 2 .

Das Programm bewertet, wie schnell Browser auf Eingaben reagieren und wie sauber sie Webcode interpretieren. Um hier zu bestehen, dürfen die Programme auch nach einigen Minuten Dauerbelastung nicht einknicken und sich keine Ruhepausen gönnen.

In diesem Test muss sich Edge ganz knapp geschlagen geben. Mit 74.706 Punkten landet er knapp hinter Chrome mit 75.379 Punkten. Auf dem dritten Rang landet Firefox mit nur 53.317 Punkten.

Im Grafiktest ist Edge spitze

Explodierende Farbkreise, hüpfende Herzen und funkelnde Sterne: Auch beim Bewegungstest mit  MotionMark  ist Edge nahezu gleichauf mit Chrome. Mit einer hohen Bildrate werden die Browser hier gezwungen, Objekte zu verschieben und verschwimmen zu lassen. Chrome gewinnt mit 206 Punkten, knapp dahinter folgt Edge mit 199 Punkten. Auch hier ist Firefox deutlich abgeschlagen, erreicht nur 106 Punkte.

Auch beim  Basemark  werden die Browser an ihre grafischen Leistungsgrenzen gebracht. Sie müssen Pixelwolken in Echtzeit rotieren, Comic-Pfeile über den Bildschirm schicken und in Karten hineinzoomen. Außerdem prüft das Tool, wie schnell der Browser grafische Objekte an die Bildschirmgröße anpassen kann.

Hier zeigt der neue Microsoft-Browser Stärke. Mit 584 Punkten hängt Edge seine Konkurrenten deutlich ab. Das liegt vor allem daran, dass der Browser Layout-Daten für Websites sehr schnell ausliest. Chrome kann da nicht mithalten und kommt auf 540 Punkte, während Firefox mit 442 Punkten auf dem dritten Platz landet.

Microsoft legt bei Privatsphäre nach

Bei den Privatsphäre-Einstellungen bietet Microsoft den Nutzern nun eine Einstellung mit drei Stufen an, um beispielsweise Cookies zu kontrollieren. Mit den Werten "einfach, ausgewogen und streng" lässt sich bei Edge nun regeln, wie radikal Tracker abgewiesen werden sollen. Auf einer Übersichtsseite werden zudem alle Cookies gelistet, die abgewiesen worden sind. Dort lassen sich auch Ausnahmen festlegen.

Doch das können Chrome und Firefox auch. Auch hier lassen sich Cookies von Seiten sperren, die man nicht besucht hat, und eine Nicht-Verfolgen-Funktion aktivieren. Für alle drei Browser gilt: Wer die Einstellungen auf streng stellt, wehrt die meisten Tracker ab. Allerdings macht das Surfen dann mit allen drei Browsern kaum noch Spaß.

Fazit

Microsofts Tuning des Edge-Browsers hat sich gelohnt. Das Tool kann nun locker mit Googles Chrome mithalten und lässt im Leistungsvergleich den Firefox-Browser weit hinter sich. Bei den Privatsphäre-Einstellungen sind alle Anbieter auf einem ähnlichen Stand.

Klar ist aber auch: In den beiden Leistungssiegern Chrome und Edge steckt Google-Technologie. Wer das nicht will, muss auf ein wenig Performance verzichten und auf Konkurrenzangebote wie Mozillas Firefox setzen.

Der neue Edge-Browser steht hier zum Download bereit . Nutzern von Windows 10 soll er in den kommenden Wochen automatisch als Update eingespielt werden.

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