Datenverkehrsanalyse 2021 war ein TikTok-Jahr

Kurzvideos ziehen: Im Ranking des Internet-Dienstleisters Cloudflare hat TikTok dieses Jahr Google als weltweit beliebteste Website überholt – allerdings nicht immer.
TikTok-Logo auf einem Smartphone

TikTok-Logo auf einem Smartphone

Foto: Adriana Adinandra / INA Photo Agency / imago images/INA Photo Agency

Das Netz hat eine neue Nummer eins – sagt jedenfalls ein wichtiger Internetdienstleiter. Berechnungen von Cloudflare zufolge hat TikTok Google vom Thron der beliebtesten Internetdomain gestoßen. Einem Blogeintrag der Firma  zufolge entfiel auf die Kurzvideoplattform im Jahr 2021 mehr Datenverkehr als auf Googles Dienste inklusive Maps, Photos und News – aber ohne YouTube.

Im vergangenen Jahr war TikTok noch auf dem siebten Platz gelandet, Google auf Platz eins. Dazwischen fand sich eine erwartbare Abfolge von Facebook, Microsoft, Apple, Netflix und Amazon.

Ein Tagessieg ging an YouTube

Am 17. Februar 2021 habe dann TikTok den »Top Spot« erklommen, schreibt Cloudflare nun, zunächst für einen Tag. In den folgenden Monaten aber schob sich das Angebot Cloudflare zufolge immer wieder mal tageweise vor Google, um schließlich ab August »an den meisten Tagen in Führung zu gehen«.

An einem Tag schob sich laut den Daten auch YouTube – im Gesamt-Ranking auf Platz acht – an allen Konkurrenten vorbei, am 2. Februar. Während sich Cloudflare keine Interpretation erlaubt, weshalb TikTok Google insgesamt überholte, stellt das Unternehmen Vermutungen an, wie sich Googles Videoportal diesen Tagessieg sichern konnte.

Demnach sind an diesem Tag zum einen einige der aufwendig produzierten Werbeclips veröffentlicht worden, die wenige Tage später bei der TV-Übertragung des Super Bowl gezeigt werden sollten. Zum anderen war es der Tag des Militärputsches in Myanmar, den eine Fitness-Bloggerin in ihrem morgendlichen Aerobic-Video auf YouTube unabsichtlich dokumentierte (mehr dazu lesen Sie hier).

Wo kommen die Zahlen her?

Über das Jahr gemessen müssen sich allerdings nicht nur Google und YouTube TikTok geschlagen geben, sondern – auf die sozialen Netzwerke bezogen – auch Facebook, das von der Videoplattform ebenfalls von seinem »Top Spot« vertrieben wurde. »Das sollte bedeuten, dass TikTok aus unserer Sicht mehr Internetverkehr hat«, kommentieren die Cloudflare-Autoren dieses Ergebnis vorsichtig – und da wird es technisch.

Die von Cloudflare ermittelte Rangfolge sei von Messungen des öffentlichen DNS-Resolvers der Firma abgeleitet, heißt es. Damit ist ein Server gemeint, der die Namen von Websites – etwa spiegel.de – in IP-Adressen übersetzt, wie sie im Internet verwendet werden, um diese Websites zu finden. Weil dabei nur die Menge der Datenabfragen gemessen wird, könne man nicht auf die Zahl der Nutzer schließen, von denen diese Abfragen ausgelöst wurden. Facebook bleibe daher weiterhin das nach Nutzerzahl größte soziale Netzwerk – TikTok verursache nur mehr Datenverkehr.

Diese Erläuterungen von Cloudflare zeigen aber auch eine Schwäche solcher Top-10-Listen. Denn so recht erklärt das Unternehmen die Datengrundlage dafür nicht. In Cloudflares Glossar  heißt es nur, für die Listen würden aggregierte Daten verwendet, »die Cloudflare über globale Internetverkehrsmuster hat«: »Die beliebteste Website oder Webanwendung, basierend auf unserer Ranking-Methodik, ist auf Platz 1.«

Einen substanziellen Treiber des globalen Internet-Datenverkehrs lässt das Unternehmen bei seinen Untersuchungen ohnehin unter den Tisch fallen. Es schreibt: »Domains, die als Pornografie- oder Content-Server eingestuft sind, wurden von unserem Ranking ausgeschlossen.«

mak
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