Pistolen aus dem 3D-Drucker Britin übernimmt Firma von Waffenaktivist Cody Wilson

Die Firma des wegen des Verdachts auf sexuelle Nötigung festgenommenen Cody Wilson will weiterhin Baupläne für Schusswaffen aus dem 3D-Drucker verkaufen. Die Britin Paloma Heindorff übernimmt die Leitung.

Paloma Heindorff, die neue Direktorin von Defense Distributed
Jay Janner/Austin American-Statesman via AP

Paloma Heindorff, die neue Direktorin von Defense Distributed


Defense Distributed, die Firma des texanischen Waffenaktivisten Cody Wilson, hat eine neue Chefin. Paloma Heindorff, eine Britin, übernimmt die Geschäfte. Wilson, sagte sie, sei wegen "persönlicher Angelegenheiten" zurückgetreten und spiele in dem Unternehmen künftig keine Rolle mehr.

Die von Heindorff so vorsichtig umschriebenen Angelegenheiten bestehen in der Tatsache, dass Wilson eine 16-Jährige für Sex bezahlt haben soll, was in Texas als sexuelle Nötigung gilt. Nachdem die Vorwürfe bekannt geworden waren, hatte er offenbar versucht, in Taiwan unterzutauchen, wurde aber erkannt und an die USA überstellt, wo er in Untersuchungshaft kam. Derzeit ist er auf freiem Fuß, weil jemand für ihn eine Kaution in Höhe von 150.000 Dollar gestellt hat.

Das von ihm gegründete Unternehmen in Austin verkauft CNC-Fräsen zur Waffenherstellung. Bekannt wurde es aber vor allem durch die zunächst kostenlose Verbreitung von Konstruktionsplänen zum Nachbau von Schusswaffen mit Hilfe von 3D-Druckern.

Angeblich 3000 Bestellungen für Waffen-Baupläne

Heindorff arbeitet seit drei Jahren für die Firma und war zuletzt für die Produktentwicklung zuständig. Sie will Defense Distributed in Wilsons Sinne weiterführen. Das Unternehmen wurde von mehreren US-Bundesstaaten verklagt, die in der Verbreitung der Baupläne einen Verstoß gegen amerikanische Waffenkontrollgesetze sehen. "Wir glauben, dass die Menschen ein Recht auf diese Dateien haben", sagte Heindorff am Dienstag in einer Pressekonferenz. "Wir glauben an unser Recht, sie zu veröffentlichen."

Nach einem Gerichtsurteil im August, das die Verbreitung der Konstruktionspläne im Internet verbot, hatte Defense Distributed begonnen, die Dateien zu verkaufen. Ob die Interpretation des Urteils, dass dies erlaubt sei, richtig ist, muss der weitere Rechtsweg zeigen. Kunden müssen derzeit nur zahlen, was sie zu zahlen bereit sind, so lange es mindestens ein Cent ist.

3000 Bestellungen habe man bekommen, sagte Heindorff, die würden jetzt abgearbeitet. Außerdem habe das Unternehmen 400.000 Dollar für die Verteidigung vor Gericht gesammelt, die allerdings nicht für Wilsons persönlichen Fall verwendet würden.

pbe/AP



insgesamt 2 Beiträge
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sailor60 26.09.2018
1. das eröffnet doch Möglichkeiten
Auch wenn die Briten gerade aus der EU austreten, sind auch die Briten nicht begeistert über eine großflächige Verteilung von Schusswaffen. Da wird sich doch bestimmt ein Gesetz finden lassen, welches sich gegen sie verwenden ließe.
ted211 26.09.2018
2. Amerikanische Firma
Auch wenn eine Britin die Firmenleitung übernimmt, bleibt es eine amerikanische Firma.
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