US-Klage Internetprovider macht Kunden-Router zu W-Lan-Hotspots

Einige Kunden des US-Internetproviders Comcast machen sich Sorgen. Weil der ihre Router zum Aufbau öffentlicher W-Lans nutzt, fürchten sie Sicherheitsprobleme, verringerte Bandbreite und zusätzliche Stromkosten.
Comcast-Lieferwagen: Öffentliches W-Lan in 19 Städten

Comcast-Lieferwagen: Öffentliches W-Lan in 19 Städten

Foto: © Robert Galbraith / Reuters/ REUTERS

Amerikas zweitgrößter Internetanbieter, Comcast, ist verklagt worden, weil er die Internetrouter seiner Kunden als öffentliche Hotspots benutzt, berichtet der "San Francisco Chronicle ". Die Klägerinnen aus dem kalifornischen Pittsburgh bringen vor, das Unternehmen würde sie "zu Profitzwecken ausnutzen", indem es ihren privaten Router zum Teil eines landesweiten W-Lan-Netzes mache. Dies geschehe ohne die ausdrückliche Zustimmung der Kunden und würde sie Risiken aussetzen, heißt es in einer am 4. Dezember in Kalifornien eingereichten Klage (PDF).

Comcasts Praxis verstoße damit gegen eine Reihe von Gesetzen gegen Computerbetrug und Wettbewerbsrecht. Die Nutzung ein und desselben Geräts sowohl für den privaten Gebrauch als auch für öffentliche Hotspots verringere die Netzwerkleistung und erhöhe die Stromkosten.

Tatsächlich, so der "San Francisco Chronicle", wolle Comcast in 19 der größten US-Städte öffentliche W-Lans aufbauen. Dazu werde in den Routern, die das Unternehmen seinen Kunden bereitstellt, ein zweites W-Lan aktiviert. Dieses sei vom privaten W-Lan vollständig getrennt und für andere Comcast-Kunden in der Nähe nutzbar. Bis Ende des Jahres sollen auf diese Weise bis zu acht Millionen Hotspots geschaffen werden .

Laut Comcast hätten Kunden aber "das Recht, den zweiten W-Lan-Kanal abzuschalten". Anders als in der Klage vorgebracht, gebe es keinerlei Sicherheitsrisiken, weil privates und öffentliches W-Lan voneinander getrennt sind und unterschiedliche Internetadressen zugewiesen bekommen.

Mehr Strom

Wie der "San Francisco Chronicle" berichtet, führen die Klägerinnen in ihrer Klageschrift zudem an, dass die vom Router benötigte Strommenge Messungen zufolge bei intensiver Nutzung des zweiten W-Lans um bis zu 40 Prozent zunehme.

Comcast habe auf die Klage bislang nicht reagiert und auch keinen Kommentar abgegeben. Zuvor habe der Konzern darauf verwiesen, seine Router besäßen genügend Bandbreite, um den vom Hotspot verursachten, zusätzlichen Traffic zu bewältigen. Die Klägerinnen gaben jedoch eine deutliche Verringerung ihrer Netzgeschwindigkeit an. Sie verlangen vom Unternehmen nun Entschädigungszahlungen in nicht genannter Höhe.

Wie "Ars Technica" berichtet , hat das zuständige Gericht am Montag angeordnet, Comcast solle sich binnen 21 Tagen zu den Vorwürfen äußern.

meu
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