US-Provider Comcast soll neben Raubkopien für legale Downloads werben

Gewissensappell per Pop-up: Laut "Variety" arbeitet der US-Provider Comcast an einer Ergänzung des "Six Strikes"-Systems. Kunden, die illegal Filme herunterladen, soll in Echtzeit Werbung für legale Alternativen angezeigt werden

Comcast-Schriftzug: Der US-Provider will für legale Downloads werben
REUTERS

Comcast-Schriftzug: Der US-Provider will für legale Downloads werben


Es klingt nach Science-Fiction: Ein Internetnutzer will einen Spielfilm per Filesharing-Netzwerk herunterladen, und kaum ist der Download angelaufen, erscheint eine Pop-up-Nachricht auf seinem Bildschirm. Darin: eine Übersicht von Seiten, die den Film legal zum Kauf oder Leihen anbieten. Nun steht der Nutzer vor der Entscheidung: Will er den Film wirklich illegal herunterladen, wenn er ihn mit wenigen Klicks ohne möglichen Ärger bekommt?

Gewissensappell plus Angebot per Pop-up - diese Anti-Piraterie-Maßnahme soll derzeit Comcast planen, berichtet "Variety". Den ungenannten Quellen des Branchenblatts zufolge ist der US-Provider gerade dabei, Film- und TV-Studios sowie andere Provider für die Idee zu gewinnen.

Bei den legalen Alternativen will Comcast nicht nur eigene Angebote berücksichtigen, heißt es in dem als "exklusiv" deklarierten Artikel. Auftauchen würden auch die Plattformen von Drittanbietern wie Amazon. Comcast, dem beispielsweise das Medienunternehmen NBC Universal gehört, hat den Bericht bislang nicht kommentiert. Ein Zeitplan für das Vorhaben ist ebenfalls nicht bekannt.

Den "Variety"-Informationen zufolge würde das Pop-up-Programm das bestehende "Six Strikes"-Warnsystem nicht ersetzen, sondern es ergänzen. Beim "Six Strikes"-System drohen US-Internetnutzern, die illegal urheberrechtlich geschützte Dateien heruntergeladen haben, im Nachhinein diverse Konsequenzen, von der Hinweis-E-Mail ihres Providers bis zur zeitweisen Drosselung der Surfgeschwindigkeit. Wie andere Provider hat Comcast ein solches System seit Frühjahr dieses Jahres im Einsatz.

mbö



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marthaimschnee 06.08.2013
1.
Daß der Provider dazu das komplette Surfverhalten, nicht nur die Verbindungsdaten, sondern tatsächlich den Inhalt überwachen muß, scheint für den Schnüffelstaat überm Teich inzwischen nicht nur rechtlich unbedenklich, sondern wohl völlig normal.
silberstern 06.08.2013
2. Welchen Ärger?
Zitat von sysopREUTERSGewissensappell per Pop-Up: Laut "Variety" arbeitet der US-Provider Comcast an einer Ergänzung des "Six Strikes"-Systems. Kunden, die illegal Filme herunterladen, soll in Echtzeit Werbung für legale Alternativen angezeigt werden http://www.spiegel.de/netzwelt/web/comcast-plant-echtzeitnachrichten-an-filmpiraten-a-915031.html
Welchen Ärger denn? Das private Herunterladen von Filmen ist in Deutschland nicht verboten. Nur beim Hochladen hat man ganz schnell die Abmahnkanzlei am Hals - und auch nur weil da der Generalverdacht besteht, man würde das "gewerblich" machen. Im Übrigen müsste der Provider für Werbeeinblendungen den Nutzertraffic bei "illegalen Downloads" aktiv analysieren und verarbeiten. Das sollte selbst in den VSA nicht zulässig sein?
drosan 06.08.2013
3.
@silberstern Die Rechtslage ist seit 2008 in Deutschland eindeutig: sowohl Upload als auch Download ist verboten. Und ja, beim uploaden kann es, im Gegensatz zum downloaden, schon mal dazu kommen, dass man höhere Summen abtreten darf. Aber wer uploaded ohne sich abzusichern ist ja selber schuld...
sample-d 07.08.2013
4.
Zitat von silbersternWelchen Ärger denn? Das private Herunterladen von Filmen ist in Deutschland nicht verboten. Nur beim Hochladen hat man ganz schnell die Abmahnkanzlei am Hals - und auch nur weil da der Generalverdacht besteht, man würde das "gewerblich" machen. Im Übrigen müsste der Provider für Werbeeinblendungen den Nutzertraffic bei "illegalen Downloads" aktiv analysieren und verarbeiten. Das sollte selbst in den VSA nicht zulässig sein?
Das ist alles falsch. Ein illegaler Download wird lediglich in vielen Fällen nicht verfolgt. Und ein Upload in eine Tauschbörse hat nichts mit 'gewerblichem' Anbieten zu tun, weil die Einnahmemöglichkeit überhaupt nicht gegeben ist. Und eine Einblendung in Abhängigkeit vom Content sehe ich auch unkritisch, weil es keine 'Analyse' des Nutzerverhaltens darstellt (da die Website ja keine Verbindung zu ihnen als Person herstellt). Jede dynamische Website reagiert auf den 'Nutzertraffic' - indem z.B. Amazon Produktempfehlungen oder 'Kunden kauften auch' Einblendungen anzeigt.
MasterMind 07.08.2013
5.
Auch das runterladen ist mittlerweile verboten. Die Gesetze wurden schon einigen Jahren dementsprechend angepasst.
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