Communities Auch MySpace öffnet sich

Rupert Murdochs Netzwerk-Plattform MySpace folgt dem Vorbild von Facebook: Das Angebot soll sich für externe Entwickler öffnen, die dann Anwendungen für MySpace schreiben und auch daran verdienen dürfen. Schon jetzt ist MySpace höchst profitabel.

Auch wenn man zuweilen einen anderen Eindruck gewinnen könnte: Viel Geld verdient wird mit Social Networks bislang noch nicht. Das deutsche StudiVZ etwa will irgendwann demnächst ganz sicher schwarze Zahlen schreiben, und auch das im Moment was Nutzerzahlen und Presse angeht höchst erfolgreiche Facebook ist bislang kein großer Gewinnbringer. MySpace dagegen, das Riesen-Netzwerk mit heute über 180 Millionen registrierten Nutzern, ist richtig profitabel - sagt zumindest sein Besitzer Rupert Murdoch.

Bei einer Konferenz in San Francisco gab sich der Medien-Mogul selbst überrascht vom Erfolg von MySpace, das News Corp. vor zwei Jahren für 580 Millionen Dollar gekauft hatte: "Wir hatten auf seinen Erfolg gehofft, aber wir hätten nie erwartet, wie erfolgreich es tatsächlich sein würde." Dieses Jahr werde man vermutlich etwa 750 Millionen Dollar Umsatz machen.

Laut "Techcrunch" sagte Murdoch, der sich auf einem Podium mit MySpace-Gründer Chris DeWolfe unterhielt, die Community könne im kommenden Jahr 200 bis 300 Millionen Dollar zum Gesamtgewinn von News Corp. beitragen.

Der kleinere Rivale hat die Nase vorn

Der große Rivale Facebook liegt allerdings, wenn man den Auguren glaubt, in vieler Hinsicht vorn: Netzwerk-Marketing ist in Facebook integraler Bestandteil des Systems, und die Öffnung für externe Entwickler, die innerhalb der Community Anwendungen anbieten können, hat Facebook gewaltigen Mehrwert beschert. Facebook hat derzeit nach Unternehmensangaben 47 Millionen registrierte Nutzer, nach gewaltigem Wachstum in den vergangenen Monaten. Einem Zeitungsbericht zufolge hat Microsoft 500 Millionen Dollar für einen fünfprozentigen Anteil an Facebook geboten.

Nun zieht MySpace nach: Auf dem Podium verkündete DeWolfe, dass seine Plattform sich demnächst ebenfalls für externe Entwickler öffnen werde. Die dürfen dann auch auf Datenbank-interne Informationen zugreifen, etwa auf die Freundeslisten der Nutzer: Wer sich eine Anwendung ins Profil holt, beispielsweise ein Film-Quiz, teilt dann unter Umständen ganz automatisch all seinen Freunden mit, dass er das getan hat und lädt sie ein, das gleiche zu tun. Diese Form viralen Marketings ist der Kern dessen, was viele an Facebook derzeit fasziniert: automatisierte Mundpropaganda. Nun soll sie auch bei MySpace möglich werden.

Keine Widget-Werbung bei MySpace

Allerdings zunächst in kleinen Schritten. In den kommenden Wochen wird MySpace Listen von bereits existierenden Anwendungen veröffentlichen, die nach dem bisherigen Modell entstanden sind, also die oben genannten Netzwerk-Funktionen noch nicht beinhalten. In ein bis zwei Monaten soll dann eine Entwicklungsplattform folgen. Diese wird es dann erlauben, auch auf die Datenbank-internen Ressourcen wie Freundeslisten, Aktivitätsprofile von Nutzern und Ähnliches zuzugreifen.

Ein bedeutsamer Unterschied zu Facebook bleibt aber erhalten: Dort dürfen die kleinen Anwendungsfenster auch Werbung enthalten, an denen der Entwickler verdient. Das erlaubt MySpace nicht - die Entwickler müssen ihre Werbung auf externen Seiten platzieren, auf denen beispielsweise Informationen über die jeweilige Anwendung stehen.

Die externen Anwendungen werden auch nicht sofort allen Nutzern zur Verfügung stehen, sondern zunächst von ein bis zwei Millionen ausgewählten Betatestern ausprobiert, und dann erst vollständig öffentlich gemacht.

Die Öffnung ist nicht die einzige Veränderung: Erst gestern war bekannt geworden, dass MySpace künftig in Kooperation mit Skype Voice-over-IP-Telefonie in sein Netzwerk integrieren wird.

cis

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