Traditionsreicher Technikmarkt Conrad schließt alle Filialen für Privatkunden – bis auf eine

Die Elektronikkette Conrad stampft ihr Offlinegeschäft ein: Bis zum Jahresende machen Filialen in Städten wie Berlin, Hamburg und München dicht. Der Fokus liegt nun auf Geschäftskunden.
Schon länger geschlossen: Eine Conrad-Filiale in Berlin-Schöneberg

Schon länger geschlossen: Eine Conrad-Filiale in Berlin-Schöneberg

Foto: Schöning / IMAGO

Fürs Arbeiten im Homeoffice braucht man möglichst zeitnah ein bestimmtes Kabel? Man will sich einen 3D-Drucker kaufen? Oder als Hobbyhacker spontan etwas basteln? In solchen Fällen empfiehlt sich oft ein Besuch bei Conrad, einem der traditionsreichsten Elektronikhändler des Landes. Was Saturn und MediaMarkt einen Tick zu speziell ist, ließ und lässt sich hier oft finden.

Bald jedoch können Privatkunden bei Conrad nur noch offline einkaufen, wenn sie zufällig in der Nähe des Firmensitzes wohnen. Der ist im bayerischen Hirschau – und die Filiale im nahe gelegenen Wernberg-Köblitz ist die einzige, die langfristig mit dem bisherigen Konzept weiterbetrieben werden soll.

In einer aktuellen Pressemitteilung hat das Unternehmen angekündigt , künftig vor allem auf Ladengeschäfte für Geschäftskunden zu setzen. Davon gibt es bisher nur eines, im nordrhein-westfälischen Hürth. Zu allen anderen Filialen, Wernberg-Köblitz explizit ausgenommen, heißt es, sie seien bereits geschlossen oder würden »im Laufe des Jahres« dichtgemacht.

Conrad ist in 17 Ländern aktiv

Conrad erklärt dazu, die Coronapandemie habe den Trend beschleunigt, dass Privatkunden weniger im stationären Handel und stattdessen vermehrt online einkaufen – eine Veränderung, auf die sich das Unternehmen angeblich längst vorbereitet hat. Die Entwicklung unterstreiche, heißt es, dass Conrad mit seiner »vor Jahren erfolgten Strategieänderung und Entwicklung hin zu Europas führender B2B-Beschaffungsplattform für technischen Betriebsbedarf« auf dem richtigen Weg sei.

Sein Onlinegeschäft, das sowohl auf Privat-, als auch auf Geschäftskunden zielt, will Conrad wie gewohnt weiterführen.

Laut einer Märkteübersicht auf der Conrad-Website dürften die Schließungen neun Standorte treffen: Berlin-Kreuzberg, Bonn, Bremen, Frankfurt am Main, Hamburg-Wandsbek, Hannover, Mannheim, München-Tal und Regensburg. Manch andere Conrad-Märkte hatten bereits zuvor dichtgemacht, zum Beispiel in Hamburg-Altona und Berlin-Schöneberg.

In Hürth hat Conrad schon ab sieben Uhr geöffnet

Conrad ist 1923 in Berlin gegründet worden, das Unternehmen ist in Europa in 17 Ländern aktiv.

Von Conrad-Chef Ralf Bühler heißt es, der geplante Schritt falle seiner Firma »sehr schwer«. Betroffene Beschäftigte seien frühzeitig informiert worden, und man befinde sich in Gesprächen, »um sozial verträgliche Regelungen zu finden und unserer sozialen Verantwortung gerecht zu werden«. Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus den betroffenen Filialen hätten die Möglichkeit, sich auf offene Stellen innerhalb der Conrad-Gruppe zu bewerben.

Seiner Ankündigung zufolge sucht Conrad Standorte für weitere B2B-Filialen im Stile seines Ablegers in Hürth. Auf dessen Website  prangt ein Banner »Nur für Geschäftskunden«. Auch die Öffnungszeiten des Hürther Technikmarkt unterscheiden sich von den üblichen Filialen: Er hat nur montags bis freitags geöffnet, dafür jeweils von 7 bis 17 Uhr.

mbö