Copyright-Probleme 300.000 Dollar für verschickte Zeitungsartikel

Zeitungsartikel per E-Mail an Kollegen weiterzuschicken, kann teuer werden - zumindest in den USA. Eine Antipiraterie-Organisation erzwang nun 300.000 Dollar von einem Unternehmen, das intern Artikelpakete an die eigenen Angestellten verschickte.


Die "Software Information & Industry Association" (SIIA) ist bislang eher durch die Verfolgung von Software-Raubkopierern aufgefallen. Nun hat die Piratenjäger-Organisation aber einen heimlichen Tipp bekommen, womöglich aus dem Inneren des betroffenen Unternehmens Knowledge Networks. "Regelmäßig" seien in internen E-Mails der Marktforschungsfirma "Pressepakete" verschickt worden, die urheberrechtlich geschützte Artikel von SIIA-Mitgliedern enthalten hätten, so die Organisation in einer Pressemitteilung.

Die E-Mails enthielten laut SIIA unter anderem Artikel von Associated Press, Reed Elsevier und United Press International. Sie zirkulierten innerhalb der Firma, die Büros in San Francisco, New York und einigen anderen US-Städten unterhält.

Gegen Zahlung von 300.000 Dollar hat man sich nun außergerichtlich geeinigt. Pikant ist daran zweierlei: Die Tatsache, dass das Verschicken elektronischer Textversionen per E-Mail als Akt der Piraterie behandelt wurde - und die Tatsache, dass ein anonymer Tippgeber 6000 Dollar dafür bekam, dass er auf die E-Mail-Praxis bei Knowledge Networks hinwies. 500 bis eine Million Dollar zahlt die SIIA für entsprechende Hinweise.

Wo die Grenze zwischen erlaubtem Weiterreichen von Interessantem und dem illegalen Verbreiten geschützter Inhalte verläuft, bleibt unklar. Knowledge Networks jedenfalls hat sich offenbar überzeugen lassen, dass die unternehmensinternen Artikelpakete zu nützlich waren, um kostenlos zu sein. Man habe "Kopien von Zeitungs- und Magazinartikeln in dem guten Glauben verteilt, dass das im Einklang mit dem Gesetz geschah". Nun aber habe man eingesehen, "dass diese Praxis das Copyright dieser Publikationen verletzen könnte".

In Deutschland werden solche "elektronischen Pressespiegel" erfasst und sind Vergütungspflichtig. Die Ausschüttung - allerdings sehr geringfügiger Tantiemen - an die Urheber geschieht durch die Verwertungsgesellschaft VG Wort. Es darf allerdings bezweifelt werden, dass diese tatsächlich über das wahre Ausmaß an elektronischer Verbreitung urheberrechtlich geschützter Quellen innerhalb von Unternehmen unterrichtet wird.

cis



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