Excel-Panne in Großbritannien Behörde verschlampt offenbar Tausende positive Corona-Tests

Eine britische Gesundheitsbehörde hat zeitweise knapp 16.000 Infektionsmeldungen unterschlagen und ihre Kontakte nicht nachverfolgt. Verantwortlich ist laut Berichten ein Fehler in der Tabellen-Software Excel.
Krankenwagen in London: Der Statistik fehlen fast 16.000 Tests

Krankenwagen in London: Der Statistik fehlen fast 16.000 Tests

Foto: Yui Mok/ dpa

Bei der britischen Gesundheitsbehörde Public Health England (PHE) ist es laut Medienberichten zu einer Datenpanne bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie gekommen. Demnach wurden zwischen dem 25. September und 2. Oktober 15.841 positive Corona-Fälle nicht in der offiziellen Statistik der PHE aufgeführt. Die PHE nimmt in Großbritannien bei der Pandemiebekämpfung eine mit dem Robert Koch-Institut vergleichbare Rolle ein.

PHE räumte ein, das Problem in der Nacht auf Samstag, den 3. Oktober, behoben zu haben. Ausgelöst wurde der Fehler laut übereinstimmenden Berichten der britischen Medien "BBC", "Guardian" und "Daily Mail" durch ein Problem mit Microsofts Büro-Software Excel. Demnach verwendete die Gesundheitsbehörde für das Speichern der Testergebnisse Excel-Dateitypen mit einem Zeilenlimit.

Die Testergebnisse schafften es nicht in die Statistik

Die BBC berichtet , dass die britische Gesundheitsbehörde eine automatisierte Datenübermittlung mit dem veralteten Excel-Dateityp XLS eingerichtet hatte habe. Diese hat eine Obergrenze von 65.536 Zeilen. Bei dem 2007 eingeführten XLSX-Format liegt das Zeilenlimit immerhin bei rund einer Million. Wäre dieses Format von der PHE eingesetzt worden, hätten 16 mal so viele Testergebnisse vom System verarbeitet werden können, rechnet die BBC vor .

Das Problem entstand laut dem "Guardian", weil ein Labor seine Daten von Corona-Tests in dem Dateiformat CSV an die britische Gesundheitsbehörde übermittelt . Bei dem CSV-Format handelt es sich um ein simples Standardformat für Datensätze, das auch keinerlei Zeilenlimit unterliegt. Eigentlich ideal für die Übermittlung von zahlreichen Testergebnissen in dem von der Corona-Pandemie schwer getroffenen Land.

Die PHE jedoch las die CSV-Datei in Excel ein und sorgte somit dafür, dass sämtliche Testergebnisse, die über Excels Zeilenlimit hinausgingen, automatisch gelöscht wurden. In der Folge tauchten die Testergebnisse auch nicht mehr in der offiziellen Statistik auf.

Datenpanne sorgt für verspätetes Contact-Tracing

An den beiden Tagen nach der Behebung des Problems sind in der offiziellen britischen Statistik  höhere Fallzahlen als sonst ausgewiesen. Möglicherweise liegt dies daran, dass die positiven Testergebnisse erst dann in die Statistik einflossen.

Die Panne hat Folgen über die temporär verfälschte Statistik hinaus: Der britische Gesundheitsminister Matt Hancock räumte laut BBC ein , dass bis zum 5. Oktober nur rund die Hälfte der durch die Datenpanne nicht erfassten positiv Getesteten benachrichtigt werden konnten. Das bedeutet, dass möglicherweise mehrere Tausend Personen zu spät über einen Risikokontakt informiert wurden.

hpp
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