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Max Hoppenstedt

Microsoft-Gründer Verschwörungstheoretiker hetzen gegen Bill Gates

Max Hoppenstedt
Ein Netzwelt-Newsletter von Max Hoppenstedt
Ein Netzwelt-Newsletter von Max Hoppenstedt

Liebe Leserin, lieber Leser,

Der Microsoft-Gründer wird zur Zielscheibe millionenfach verbreiteter Falschinformationen. Faktenchecker warnen, dass die Hetze die Eindämmung des Coronavirus gefährden kann. Das und mehr im Newsletter.

Wenn man jahrelang zu Verschwörungstheorien im Netz recherchiert, meint man, dass einen eigentlich kaum ein Irrsinn mehr schocken kann. Vor einigen Tagen jedoch tauchten in meinem Stadtviertel Graffiti-Slogans auf, in denen Bill Gates auf eine Weise zum Sündenbock der Coronakrise gemacht wird, die ich sonst nur aus abseitigen Onlineforen kenne.

In den gesprühten Sprüchen, die ich beim Spazierengehen gesehen habe, wird gefordert, den Microsoft-Gründer einzusperren. Die Intention der Urheber kann ich nicht beurteilen. Klar ist aber, dass in Onlineforen, die für rechtsextreme und verschwörungstheoretische Parolen sowie Falschinformationen bekannt sind, gerade massiv gegen Gates gehetzt wird. Mal wird dort behauptet, er habe das Coronavirus erschaffen, mal, dass er die Bevölkerung mit implantierten Mikrochips kontrollieren wolle, und mal, dass er nichts Geringeres als der Antichrist sei.

Von allen momentan kursierenden Falschinformationen über Covid-19 haben jene über Bill Gates die größte Reichweite. Das geht aus einer Medienanalyse hervor, über die die "New York Times" berichtet. Die Zeitung hat das ganze Ausmaß der Desinformationskampagne hier  nachgezeichnet. Viele der Falschinformationen werden auf Englisch verbreitet, doch es finden sich auch deutschsprachige Beiträge.

Die Hetze gegen Gates wird von einer wilden Mischung aus Impfgegnern, Rechtsextremen und Verschwörungstheoretikern gestreut. Immer wieder taucht dabei auch die sogenannte QAnon-Verschwörungstheorie auf. Deren Anhänger warnen vor einer angeblichen Geheimregierung, bestehend aus Reichen und Mächtigen, die angeblich die Welt beherrschen.

Falschmeldungen über Bill Gates' angebliche Rolle bei der Verbreitung des Coronavirus fügen sich da offenbar gut ein. Versatzstücke dieser Theorie fanden sich auch in dem Pamphlet des Attentäters von Hanau. Das Q als Erkennungssymbol der Kampagne tauchte am Wochenende auch auf einer Demonstration vor der Berliner Volksbühne auf .

Faktenchecker warnen vor wachsender Impfskepsis

Eine Polizistin mit Atemmaske am Rande einer Demonstration vor der Berliner Volksbühne

Eine Polizistin mit Atemmaske am Rande einer Demonstration vor der Berliner Volksbühne

Foto: Christian Mang/ imago images/Christian Mang

Die Falschinformationen werden in sozialen Netzwerken wie YouTube, Twitter oder Facebook, aber auch in abseitigen Onlineforen wie 4chan und in verschwörungstheoretischen Chatkanälen geteilt. In Letzteren werden hetzerische Beiträge nicht moderiert, während YouTube, Google und Facebook neben Desinformationen über das Coronavirus oft wenigstens einen Hinweis auf die Website der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung  oder den Wikipedia-Eintrag zum Virus  einblenden.

Faktenchecker warnen vor den Gefahren der Falschinformationen. Insbesondere weil sich die Desinformation auch in etablierten sozialen Netzwerken verbreitet, besteht das Risiko von sehr realen Auswirkungen auf die Eindämmung des Coronavirus. Claire Wardle, Leiterin der Faktencheck-Organisation First Draft, fürchtet , dass die Hetze gegen Gates zum Beispiel dazu beitragen könne, dass das Vertrauen in Impfungen sinke. Diese dürften jedoch eines der wichtigsten Mittel sein, um die Verbreitung des Virus langfristig einzudämmen. Manche Experten rechnen damit, dass ein solcher Impfstoff frühestens Ende des Jahres verfügbar sein wird, die meisten glauben, dass es noch länger dauern wird. 18 Monate gelten als realistisch.

Sollten auch Sie auf irreführende Meldungen zum Coronavirus stoßen, sei es in Form eines WhatsApp-Kettenbriefs oder eines von Bekannten geteilten YouTube-Videos, prüfen Sie die Quelle und nutzen Sie die offiziellen Seiten der Behörden, um sich weitergehend zu informieren. Dabei können die Seite der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung , die Mythbuster-Seite der Weltgesundheitsorganisation  oder auch unsere unten beschriebene App der Woche eine Hilfe sein.

Dass die Coronakrise bei vielen den Wunsch nach einfachen Antworten weckt, ist verständlich. Genauso selbstverständlich sollte es sein, dass wir uns die Zeit nehmen, den Absendern solcher Falschinformationen in Ruhe zu erklären, wo sich verlässliche Fakten und Informationen finden lassen. Falschmeldungen mögen sich millionenfach verbreiten. Trotzdem gilt: Korrekte Informationen zum Coronavirus werden viel häufiger gelesen und sind mindestens genauso leicht zu finden.

Seltsame Digitalwelt: Handyreparatur als Zeitvertreib

Hier wollte niemand mehr reparieren. Alte Handys warten darauf, geschreddert zu werden

Hier wollte niemand mehr reparieren. Alte Handys warten darauf, geschreddert zu werden

Foto: Julian Stratenschulte/ dpa

In der Coronakrise besinnen sich viele Deutsche offenbar darauf, ihre lange aufgeschobenen Heimwerkerprojekte anzugehen. Baumärkte profitieren davon. Menschen, die zugesägte Holzbretter durch die Gegend schleppten, waren gerade in den ersten Corona-Wochen fast schon ein normaler Anblick auf den Straßen.

Mein persönliches Heimwerkerprojekt ist dagegen die Reparatur der zahlreichen Handys, die ich in den letzten Jahren angesammelt habe. Immerhin sieben Geräte verstauben gerade in meiner Schublade. Angereichert wurde die Sammlung unter anderem auch dadurch, dass ich im Bekanntenkreis offenbar etwas zu eifrig darauf aufmerksam machte, dass ich vorhatte, "bald" meine alten Smartphones zu reparieren.

Über Onlineplattformen lassen sich bequem Displays, Akkus und andere Teile bestellen, die für die Reparatur alter Handymodelle notwendig sind. Die benötigten Werkzeuge werden oft mitgeliefert, Anleitungen gibt es im Netz zu Genüge.

Während die Nachbarn am kommenden Wochenende also hämmern und bohren, werde ich das eine oder andere gesprungene Display austauschen. Laut einer Hochrechnung des Digitalverbunds Bitkom sollen die Deutschen 200 Millionen alte Handys horten. Wenn auch Sie ein altes Smartphone wieder zum Leben erwecken wollen, geduldig sind und gern sehr kleine Schrauben drehen, könnte dieser Zeitvertreib auch etwas für Sie sein.

App der Woche: WHO Info

getestet von Tobias Kirchner

Foto: World Health Organisation

Die App der Weltgesundheitsorganisation ist eine einfache und aufgeräumte Anwendung für einen direkten Überblick über die aktuellen Informationen rund um das Coronavirus. Theoretisch tauchen in der App auch weitere Informationen sowie Nachrichten, die nicht mit Covid-19 zusammenhängen, auf. Jedoch ist das Virus für die Organisation natürlich das aktuelle und alles beherrschende Thema. Interessant sind dabei auch Nachrichten aus Ländern und Regionen, die aktuell nicht so stark im Fokus stehen. So erfährt man beispielsweise, wie die Lage in Afrika ist und wo die WHO sich sonst noch im Einsatz befindet. Leider gibt es die App bisher nur in englischer Sprache.

Gratis, von World Health Organization, ohne In-App-Käufe: iOS , Android 

Fremdlinks: Drei Tipps aus anderen Medien

Eine schöne Woche und gute Gesundheit

Ihr Max Hoppenstedt