Online-Betrugsmaschen in der Coronakrise "Wisse in Sicherheit deine Lieben, Familienmitglieder!"

Wenn Menschen nervös sind, machen sie Fehler: Darauf spekulieren Online-Kriminelle, die in der Coronakrise Fake-Shops aufsetzen oder Spammails verschicken. Die EU-Kommission rät zur Vorsicht.
Internetnutzer: Vorsicht vor Fake-Medizin-Shops und Coronavirus-Spam

Internetnutzer: Vorsicht vor Fake-Medizin-Shops und Coronavirus-Spam

Foto: Andreas Krone/ imago images

"Unsere Angst ist ihr Geschäft": Mit diesen Worten hat Ursula von der Leyen am Dienstag eindringlich vor Online-Kriminellen gewarnt. Die Zahl gefälschter Medikamente, angeblicher Desinfektionssprays und "Wundermittel", die im Netz angepriesen würden, sei "schwindelerregend", sagte die EU-Kommissionspräsidentin in einem Kurzvideo . Besonders häufig gelockt würden Käufer derzeit mit "gefälschten Operationsmasken".

Dank der Coronakrise dürfte bei manchen Onlinebetrügern tatsächlich Goldgräberstimmung herrschen, da sich ihnen verschiedene Angriffspunkte bieten:

  • Dadurch, dass in vielen Ländern die meisten Geschäfte geschlossen sind, suchen mehr Menschen als sonst online nach Bestellmöglichkeiten. So hat auch mancher dubiose Onlineshop bessere Chancen, gefunden zu werden und Nutzer abzuzocken. Erst recht, wenn er potenzielle Opfer beispielsweise mit einem schnelleren Versand oder niedrigeren Preisen als etwa Amazon oder Ebay ködert.

  • Hinzu kommt, dass manche Menschen derzeit erstmals überhaupt nach Produkten wie Desinfektionsmitteln oder Atemschutzmasken Ausschau halten. Die fehlende Erfahrung mit solchen Käufen, manchmal noch kombiniert mit etwas grundsätzlicher Nervosität ob der aktuellen Situation, macht es für sie zusätzlich schwer, einzuschätzen, ob etwa ein Medizinshop seriös ist und welche Preise realistisch oder gerechtfertigt sind.

    Und, ja, es gibt im Bereich Medizinshops zahlreiche schwarze Schafe: Das Landeskriminalamt Niedersachsen beispielsweise warnte bereits Ende Februar explizit vor einem Shop mit der Adresse PharmacyFirstGmbH.com. Nach Einschätzung des LKA ist der ganze Laden ein Fake, unter anderem mit falscher Anschrift. Allgemeine Tipps der Polizei zu Fake-Shops finden Sie hier .

  • Eine weitere Chance bieten Kriminellen neue, ungewohnte Arbeitssituationen. Viele Menschen arbeiten zum Eigen- und Fremdschutz im Homeoffice, mitunter nutzen sie dort Programme, von denen sie vor wenigen Tagen das erste Mal gehört haben. Auch das können Kriminelle ausnutzen, etwa indem sie versuchen, mit Phishingmails zu typischer Homeoffice-Software möglicherweise lukrative Firmenzugänge abzugreifen.

    Zum Teil werden dafür auch Anrufe genutzt, bei denen sich Kriminelle als IT-Dienstleister aufgeben, die ein angebliches Computerproblem lösen sollen. Bei solchen Anrufen, die man nicht angefordert hat, sollte man einfach auflegen.

  • Ebenso versuchen Onlinebetrüger, Menschen zum Installieren fragwürdiger Apps zu bewegen, mit dem Versprechen, diese Programme würden sie über das Coronavirus auf dem Laufenden halten. Oft liefern solche Programme aber nur Halbwissen oder jede Menge Werbeanzeigen, oder, noch ärgerlicher, sie schleusen Schadsoftware auf die Geräte ein.

    Ursula von Leyen veranlasste das zu einer generellen Warnung: "Installieren Sie vor allem keine Apps oder Programme auf Ihrem Computer oder Handy, die versprechen, Ihre Symptome oder die Verbreitung des Virus zu verfolgen."

  • Für eine ungewöhnliche Marktsituation sorgen auch kostenlose Sonderangebote von Firmen wie Microsoft oder Sky. Andere Anbieter könnten das Gefühl mancher Bürger, dass es gerade aus Nettigkeit besonders viel gratis oder zu Vorzugspreisen gibt, ausnutzen, um Menschen etwa in Abofallen zu locken. Auch jetzt gilt daher: Lesen Sie sich genau durch, welche Dienste sie mit welchen Folgekosten und Kündigungsfristen abonnieren.

So klingen Corona-Spam-Mails

Dass Cyberkriminelle das Coronavirus als ihr neues Lieblingsthema entdeckt haben, lässt sich besonders gut an Spammails nachvollziehen. Viele dieser unerwünschten Nachrichten sind passend zum Thema formuliert und klingen dann etwa so: "Ich habe eine Spende von 7 Millionen Euro für Sie. Bitte, ich möchte, dass Sie dieses Geld verwenden, um den Menschen zu helfen, die an Coronavirus erkrankt sind, und auch den Armen." Um das Geld zu erhalten, soll man den Absender aber erst einmal per E-Mail kontaktieren.

In einer anderen Spammail heißt es: "Schütze dich mit der FFP2 Atemmaske - wir haben sie noch auf Lager!" und "Wisse in Sicherheit deine Lieben, Familienmitglieder!"

Ein beliebtes Versprechen von betrügerischen Massen-E-Mails sind auch angebliche Impfstoffe und Heilmittel gegen das Virus. Ursula von der Leyen stellte zu diesem Thema klar, dass Regierungen und Behörden sofort öffentlich darüber informieren würden, wenn ein Impfstoff gegen Sars-CoV-2 bereitstünde. Man wird also sicher nicht aus dem Spam-Ordner seines E-Mail-Postfachs zuerst davon erfahren.

In dieses Postfach kann man dieser Tage übrigens jede Menge Unternehmens-Mails durchleiten - das legt ein Artikel von "Slate" nah: Autorin Heather Schwedel hat für das US-Magazin gesammelt , was ihr Firmen, mit denen sie irgendwann einmal Kontakt hatte, alles per E-Mail zum Thema Coronavirus mitteilen.

Vorsicht, wenn sich die Bank meldet

Grundsätzlich gelten beim Thema verdächtige E-Mails dieselben Schutzregeln wie immer: am besten nicht auf Links oder Anhänge klicken, niemals jemandem eigene Zahlungsinformationen oder Zugangsdaten wie Passwörter schicken oder diese unüberlegt über Onlineformulare übermitteln. Und immer im Hinterkopf behalten: Nur weil eine E-Mail etwa von der World Health Organization (WHO) zu kommen scheint, steckt nicht unbedingt die WHO dahinter .

Besondere Vorsicht gilt wie üblich auch bei E-Mails im Namen von Banken. Filialen würden geschlossen, daher müssten private Daten abgeglichen werden, werden Internetnutzer etwa in einer aktuellen Betrugsmasche rund um die Sparkassen  genarrt.

121 Festnahmen durch Europol

Behörden wie Europol versuchen derweil, den Onlinebetrug einzudämmen: Ursula von der Leyen verwies in diesem Kontext auf jüngste Fahndungserfolge der europäischen Polizeibehörde, bei denen 90 Länder eine Rolle spielten. Mehr als 4,4 Millionen Packungen nicht zugelassener Medikamente seien weltweit beschlagnahmt worden, so die Kommissionspräsidentin. 37 Verbrechergruppen seien zerschlagen und 121 Menschen festgenommen worden. Zudem seien 2500 Links zu Webseiten oder Social-Media-Kanälen aus dem Netz entfernt worden.

Darauf, dass die Polizei irgendwann einmal alle Betrugsmaschen in den Griff bekommen haben, sollten Bürger sich aber nicht verlassen. So ist etwa die Website PharmacyFirstGmbH.com noch immer online. Der Fake-Shop, vor dem das LKA Niedersachsen vor gut einem Monat gewarnt hatte, behauptet munter weiter, bei ihm seien Atemschutzmasken verfügbar.

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