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Markus Böhm

Funkmasten in Flammen Das Gefährlichste an 5G

Markus Böhm
Ein Netzwelt-Newsletter von Markus Böhm
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Liebe Leser,

Proteste gegen den neuen Mobilfunkstandard 5G gibt es schon länger. In der Coronakrise wurde nun die nächste Eskalationsstufe erreicht: mit brennenden Funkmasten in Großbritannien.

In Zeiten, in denen vieles neu, anders oder unklar ist, haben Verschwörungstheorien Hochkonjunktur - mit teils gefährlichen Folgen. Wie die BBC  und "The Verge" berichten , standen in Großbritannien in jüngster Zeit sieben Mobilfunkmasten in Flammen, unter anderem in Birmingham und Liverpool. Der Verdacht: Brandstiftung. Die BBC verweist dazu auf im Netz kursierende Theorien, die den neuen Mobilfunkstandard 5G mit dem Coronavirus in Zusammenhang bringen. Tatsächlich wurden in sozialen Medien Videos, die augenscheinlich die aktuellen Brände dokumentieren, mit Schlagworten wie #coronavirus und #5gtowerchallenge geteilt.

Widerstand gegen den Aufbau des 5G-Netzes gibt es schon länger, auch in Deutschland . Viele Gegner warnen dabei vor angeblichen Gesundheitsrisiken, obwohl die bislang versteigerten 5G-Frequenzen in Bezug auf ihre Strahlung als gut erforscht gelten (mehr dazu hier und auch hier; was 5G überhaupt ist, erklären wir hier). Aber nun wird im Netz zum Beispiel behauptet, dass 5G Menschen für das Coronavirus anfällig mache oder dass die neue Technologie dessen Weiterverbreitung beschleunige.

Foto: Alastair Grant/ AP

Zuletzt machte unter anderem auch ein Video die Runde , in dem eine Frau zwei am Netzaufbau beteiligte Arbeiter belästigt. "Ihr wisst, dass das Menschen umbringt?", fragt sie vor laufender Kamera: "Wenn sie das anmachen, tötet das alle, und deshalb bauen sie die Krankenhäuser." Auch der britische Boxer Amir Khan befeuerte das Thema  verbal.

"Gefährlichen Unsinn" nannte am Wochenende der britische Kabinettsminister Michael Gove solche Theorien. Stephen Powis, der Chef des britischen Gesundheitsdienstes NHS, sprach von "der schlimmsten Art von Falschnachrichten". Das britische Ministerium für Digitales, Kultur, Medien und Sport stellte derweil klar, dass es "überhaupt keine glaubwürdigen Beweise " für eine Verbindung zwischen 5G und dem Coronavirus gebe. Und die Faktencheck-Organisation Full Fact hat schon mehrfach davor gewarnt , den Grund für die Coronakrise in der neuen Technologie zu suchen.

Viele "5G ist schuld an Corona"-Theorien brechen auch schon bei einem Blick auf die Statistiken zur Pandemie in sich zusammen: So sind etwa Länder wie Iran heftig betroffen, die gar keine 5G-Infrastruktur haben. Und auch in Großbritannien und Deutschland gibt es viele Corona-Fälle in Regionen, in denen längst noch keine 5G-Funkstationen in Betrieb sind.

Sollte es sich bei den Vorfällen in Großbritannien wirklich um gezielte Brandstiftung von Anti-Mobilfunk-Aktivisten handeln, dürften jene Aktionen das bislang Gefährlichste an 5G sein. Zumal die Funkmasten in der jetzigen Krise vielleicht wichtiger denn je sind: einerseits für die Bevölkerung, die angesichts einer Ausgangssperre viel stärker auf digitale Kommunikation angewiesen ist, anderseits auch etwa für Einsatz- und Rettungskräfte.

Die britischen Netzbetreiber rufen die britische Bevölkerung nun auf , Angriffe auf die Infrastruktur zu verhindern, etwa indem Desinformation widersprochen wird. Die Mobilfunkvereinigung GSM Association fordert derweil von "Internetgiganten, Inhalteanbietern und Social-Media-Plattformen", Falschinformationen zu 5G und dem Coronavirus aus ihren Diensten zu entfernen.

Die Betreiber eines betroffenen Funkmastes in Birmingham teilten "The Verge" übrigens mit, der Schaden durch das Feuer sei beträchtlich. Der Mast versorge Tausende Menschen in der Gegend, hieß es, es gehe um 2G-, 3G- und 4G-Verbindungen. Mit 5G hatte die Anlage demnach nichts zu tun.

Seltsame Digitalwelt: Kuscheltiere in Trance

Meine Lieblings-DJs, ein amerikanisches Progressive-Trance-Gespann, sind leider nur selten in Deutschland unterwegs. Momentan jedoch kann ich Dave Dresden vom Duo Gabriel & Dresden vergleichsweise häufig live zuhören. Unter dem Motto #ClubQuarantine streamt er auf Twitch  - wie viele andere Musiker auch. Da werden dann zwischen Kuscheltieren Klassiker rausgehauen, die Genrefans im Klub in Ekstase versetzen würden.

Foto: Twitch.tv/gabrielanddresden

Ich selbst finde die Quarantäne-Streams schön und komisch zugleich. Am Samstagmorgen deutscher Zeit habe ich den Schluss eines Sieben-Stunden-Sets als Konsolenfußball-Begleitmusik genutzt. Fürs Abtanzen war es noch zu früh, das Ignorieren einer Liveübertragung mit Dresden, Furby und Pikachu brachte ich aber nicht übers Herz.

App der Woche: Dolby On

getestet von Tobias Kirchner

Foto: Dolby Laboratories

Dolby On ist auf den ersten Blick eine simple App für Audioaufnahmen. Einfach bleibt die Anwendung auch - sie bietet aber Optionen, die weit über die Fähigkeiten normaler Aufnahme-Apps hinausgehen. So gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Tonspuren zu optimieren. Dazu gehört beispielsweise ein Filter für Hintergrundgeräusche. Außerdem gibt es sechs Voreinstellungen, die einfach über die Spur gelegt werden können und die schnell zu einem besseren Ergebnis führen. Das erinnert an die Fotofilter bei Instagram.

 Gratis, von Dolby Laboratories: iOS , Android 

Fremdlinks: Drei Tipps aus anderen Medien

"Wie Fitnessstudios sich gegen die Krise stemmen " (fünf Leseminuten)
Die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, wie Fitnessstudios auf die Coronakrise reagieren - etwa mit Onlinekursen. Ein Tanzschulbesitzer spricht von einem "Crashkurs Digitalisierung".

"Goal of the Century " (Twitter-Video, 107 Sekunden)
Elf ikonische Tore und Jubel, nachgestellt von Kindern im Garten: Ein solches Videokleinod hat der ehemalige englische Fußballprofi Sean O'Hanlon über Twitter ins Netz gestellt. Der Dank: 5,5 Millionen Videoaufrufe.

"So it turns out I'm an idiot " (Twitter-Thread)
Bevor man daheim auf allzu wilde Ideen kommt, sei aber auch auf diese Postings von Jan Hakon Erichsen verwiesen: Der Norweger ist unter anderem für das kreative Zerstören von Luftballons bekannt (zu sehen auf YouTube ). Jetzt jedoch hat sich Erichsen selbst als "Idioten" bezeichnet, weil er in eine von ihm gebaute Skulptur mit zahlreichen Messern gestürzt war. Er sei von einem Krankenwagen abgeholt worden, schreibt Erichsen noch - und ja, es habe einiges zu erklären gegeben.

Eine gute Woche wünscht
Markus Böhm

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Foto: rawpixel on Unsplash