Falschinformationen im Netz So reagieren Facebook, Google und TikTok auf das Coronavirus

Horrorgeschichten über Chemiewaffenlabore, Bleichmittel als Heil-Empfehlung: Die großen Web-Dienste werden mit Falschinformationen zum Coronavirus geflutet - und gehen ganz unterschiedlich damit um.
Regierungspressekonferenz in Hongkong

Regierungspressekonferenz in Hongkong

Foto: TYRONE SIU/ REUTERS

Die Ausbreitung des Coronavirus löst einen globalen Angststurm aus. Erfundene Horrorgeschichten schüren die Panik noch. Im Netz kursieren falsche Berichte über einen infizierten US-Soldaten in Litauen . Es tauchen Fake-Videos von Schülern auf, die hustend in einem Klassenzimmer eingesperrt werden. Außerdem werden Fantasiegeschichten geteilt über heimliche Experimente der Regierung, die plane, mit dem Coronavirus die Bevölkerung auszudünnen.

Dienste und Apps wie Facebook, Google und Twitter sehen sich einer Flut solcher Falschinformationen gegenüber – und leiten Gegenmaßnahmen ein, um sie einzudämmen.

Mit am stärksten betroffen ist die schnell wachsende Videoplattform TikTok. Laut einer Untersuchung der Medienaktivisten von "Media Matters"  sind problematische Clips dort hunderttausendfach aufgerufen worden. In den Videos wird das Coronavirus demnach unter anderem als Biochemiewaffe bezeichnet und mit dem früheren Microsoft-Chef Bill Gates in Verbindung gebracht.

Solche Fake News sollen eingedämmt werden, indem Coronavirus-Suchen mit einem Hinweis auf die Nutzungsbedingungen versehen wurden, teilte eine TikTok-Sprecherin auf SPIEGEL-Anfrage mit. In den Bedingungen heißt es, dass Fehlinformationen vor allem dann verboten sind, wenn sie Mitgliedern oder der Öffentlichkeit schaden. Dazu zählen etwa Fake News, die Angst schüren oder irreführende Informationen über medizinische Behandlungen verbreiten. Videos mit solchen Inhalten würden entfernt.

Laut der Sprecherin werden TikTok-Nutzer derzeit verstärkt daran erinnert, Inhalte zu melden, wenn die gegen die Community-Richtlinien verstoßen. Verweise auf die Website der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sollen Anwender dazu animieren, zunächst einmal die Fakten zu überprüfen, bevor sie etwas liken oder teilen.

Lebensgefährliche Tipps auf Facebook

Auch auf Facebook kursieren unsinnige Meldungen über das Virus. Dort verbreiten Nutzer unter anderem, Vitamin C biete einen ausreichenden Schutz. Manche Falschmeldungen können sogar lebensgefährliche Folgen haben: Betreiber von Facebook-Seiten sollen unter anderem empfohlen haben, Bleichmittel zu trinken, um die Lungenkrankheit zu heilen – was aber anstatt zu einer Heilung eher zu einer Vergiftung führt.

Facebook hat nach eigenen Angaben sein Faktenprüfteam auf solche unsinnigen Empfehlungen angesetzt. Das Ziel: Die Verbreitung von Falschinformationen auf Facebook und Instagram soll eingeschränkt werden, teilte Facebook-Gesundheitschef Kang-Xing Jin am Donnerstag in einem Blogbeitrag  mit. Außerdem sollen Warnhinweise an Nutzer verschickt werden, die Fake News verbreiten wollen oder bereits mit ihren Freunden geteilt haben.

Andere Beiträge sollen direkt entfernt werden, schreibt Jin. "Wir werden damit anfangen, Inhalte mit falschen Behauptungen und Verschwörungstheorien zu löschen, wenn sie von führenden internationalen Gesundheitsorganisationen als gefährdend für Nutzer gekennzeichnet werden." Noch sind nicht alle Maßnahmen umgesetzt, dies soll in den kommenden Tagen geschehen. Dann sollen auch Gesundheitsbehörden kostenlos Werbung schalten dürfen, um Bürger in betroffenen Gebieten über das Virus aufzuklären.

Google will Nutzer aufklären

Google rückt seine Suchergebnisse nach unten, um Platz für den sogenannten SOS Alarm zu machen. Diese kuratierte Seite soll Nutzer gezielt über das Virus aufklären. Vor der Linkliste erscheint - zumindest, wenn Google auf Englisch genutzt wird - bei einer Suche nach "Coronavirus" zunächst eine Linksammlung der WHO. Außerdem tauchen allgemeine Verhaltenstipps auf, um sich und andere vor einer Ansteckung zu schützen. So empfiehlt Google mit Verweis auf die WHO etwa, sich gründlich die Hände zu waschen, in die Armbeuge zu niesen und Fleisch sowie Eier nicht roh zu verzehren.

Die eigenen Mitarbeiter hat Google bereits abgezogen. Am Mittwoch hatte das Unternehmen erklärt, dass man alle vier Büros in China vorübergehend schließe, außerdem die Standorte in Hongkong und Taiwan dichtmache. Zudem werden die China-Rückkehrer gebeten, zunächst mindestens 14 Tage nach dem Abflug von zu Hause aus zu arbeiten.

Auch Twitter hat sich auf eine hohe Anzahl von Beiträgen zum Virus eingestellt. Eine verschärfte Löschpolitik gibt es dort allerdings nicht. Lediglich die Suchfunktion sei überarbeitet worden, teilte eine Sprecherin dem SPIEGEL mit. Sobald Nutzer nach Informationen über das Virus suchen, würden unseriöse Quellen ausgeblendet. In mehreren Ländern sei die Abfrage angepasst worden, um "maßgebliche Quellen für die Suche nach Begriffen im Zusammenhang mit dem neuartigen Coronavirus zu bieten".