Hafen im Persischen Golf Iran bestätigt Cyber-Attacke auf seine Ölindustrie

Ein Cyber-Angriff hat die Server des iranischen Erdölministeriums und der staatlichen Ölgesellschaft lahmgelegt. Das wichtigste Ölexportterminal des Landes wurde laut Nachrichtenagenturen vom Netz genommen.
Sicherheitsmann in iranischer Ölanlage: Angriff aus dem Internet

Sicherheitsmann in iranischer Ölanlage: Angriff aus dem Internet

Foto: Abedin Taherkenareh/ dpa

Hamburg - Die iranische Ölindustrie wird seit Sonntag per Internet angegriffen. Das berichtet an diesem Montag das iranische Erdölministerium. Die Attacken hätten dem wichtigsten Ölexportterminal des Landes auf der Insel Khark im Persischen Golf gegolten. Die Websites der staatlichen Ölgesellschaft NIOC (National Iranian Oil Company) und des Ministeriums waren am Montag nicht erreichbar.

Alireza Nikzad Rahbar, Sprecher des Erdölministeriums, sagte am Montagnachmittag zur Nachrichtenagentur Fars, der Angriff sei über einen Virus erfolgt, "der versucht hat, Daten von den Servern des Erdölministeriums zu löschen". Der Nachrichtenagentur ISNA zufolge soll es sich dabei um einen Computerschädling mit der Bezeichnung Viper gehandelt haben. Dem Sprecher zufolge sei es dem Angreifer aber nicht gelungen, "wichtige Daten" zu löschen.

Der Nachrichtenagentur Mehr zufolge arbeitet das Ölverladeterminal auf Khark ungeachtet der Cyber-Attacke weiter. Über das Terminal wird das Gros der iranischen Rohölexperte abgewickelt. Bis zu 80 Prozent der 2,2 Millionen Barrel Rohöl, die Iran täglich verschifft, werden über diesen Hafen, der 25 Kilometer vor der Küste in der Straße von Hormus liegt, befördert. Während des Ersten Golfkriegs zwischen Iran und Irak waren die Ölanlagen heftigen Bombardements durch die irakische Luftwaffe ausgesetzt und wurden fast völlig zerstört.

Durch den aktuellen Cyber-Angriff seien nicht nur Daten auf den betroffenen Servern gelöscht worden, sondern sogar deren Hauptplatinen zu Schaden gekommen, wird Ministeriumssprecher Nikzad zitiert. Ansonsten aber habe es keine Schäden an wichtigen Steuerungsanlagen gegeben. "Die Cyber-Attacke hat die Hauptrechner des Erdölministeriums und der National Iranian Oil Company nicht beschädigt weil die öffentlichen Server getrennt von den Zentralrechnern arbeiten", sagte Nikzad. Zudem seien die Zentralrechner anders untereinander vernetzt und hätten keine Verbindung zum Internet. Weitere Angaben zu Art und Umfang des Angriffs und über die angerichteten Schäden machte der Sprecher nicht.

Ein neuer Fall Stuxnet?

Die Nachricht von der Cyber-Attacke lässt Beobachter an die Enthüllungen um den Stuxnet-Wurm denken. Stuxnet sorgte nach seiner Entdeckung Mitte 2010 für erhebliches Aufsehen, weil er bis in die Urananreicherungsanlagen Irans verfolgt werden konnte. Nach einhelliger Expertenmeinung ist der bekannte Computerschädling von staatlichen Organisationen zu genau diesem Zweck entwickelt worden: Er sollte unbemerkt in die iranischen Computer eindringen und dort die Steuerungschips der Zentrifugen manipulieren, in denen Uran angereichert wird. Da Iran etwa zum Zeitpunkt des Auftretens von Stuxnet Tausende Zentrifugen ersetzen musste, scheint dieser Plan aufgegangen zu sein.

Wer die Schöpfer von Stuxnet waren, ist bis heute nicht geklärt. Experten gehen aufgrund der Komplexität der Software und des für deren Programmierung nötigen Hintergrundwissens davon aus, dass sie von staatlichen Organisationen entwickelt worden ist. Als mögliche Urheber werden die USA und Israel genannt, die Stuxnet mit der Motivation entwickelt hätten, das iranische Atomprogramm ohne offene militärische Konfrontation nachhaltig zu stören.

Der Vergleich der aktuellen Attacke mit Stuxnet hinkt allerdings. Stuxnet war offenbar zielgerichtet und mit großem Aufwand speziell für den Einsatz gegen die von Iran verwendeten Uranzentrifugen und deren Steuerungssysteme entwickelt worden. Zudem ist der Wurm seinerzeit offenbar per USB-Stick, also ohne Umweg über das Internet, in die Rechneranlagen der iranischen Uranaufbereitung eingeschleust worden.

Der aktuelle Angriff weist damit keine Ähnlichkeiten auf und scheint, zumindest den bisherigen, sehr spärlichen Informationen zufolge, auch weit weniger aufwendig geplant und durchgeführt worden zu sein.