Cyber-Attacke Zoll-Hacker infizierten angeblich Privatrechner von Ermittler

Ausspioniert per Trojaner: Eine Hackergruppe kopierte vertrauliche Daten des Zolls - angeblich diente ihnen der Privatrechner eines Beamten als Einfallstor für die Angriffe. Der Ermittler soll Dienst-E-Mails auf seinen trojanerverseuchten Rechner umgeleitet haben.

Server-Informationen: Das ist der harmloseste Screenshot der veröffentlichten Daten

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Düsseldorf/Berlin/Hamburg - Durch den Leichtsinn eines Beamten sollen einem Zeitungsbericht zufolge zwei Jahre lang Interna deutscher Sicherheitsbehörden in die Hände einer Hackergruppe gelangt sein. Der Beamte habe eine dauerhafte Weiterleitung seiner dienstlichen E-Mails an sein privates E-Mail-Postfach eingerichtet, berichtet "Die Welt" unter Berufung auf Rundschreiben von Polizeibehörden. Landeskriminalämter wie etwa in Baden-Württemberg wiesen derzeit per Dienstanweisung ihre Mitarbeiter darauf hin, dass die "Weiterleitung von dienstlichen E-Mails auf private E-Mail-Adressen untersagt ist".

Nach Erkenntnissen des nordrhein-westfälischen Landeskriminalamts (LKA) hätten die Hacker der Gruppe "No-Name Crew" auf dem privaten Rechner des Beamten einen Trojaner installiert und somit zwei Jahre lang sämtliche auf seinem privaten PC eingegangenen Dokumente sehen können, berichtete die Zeitung. "Das ist uns nicht bekannt", sagte ein Sprecher der ermittelnden Kölner Staatsanwaltschaft am Dienstag auf Anfrage. Auch das LKA NRW wollte den Bericht nicht bestätigen. Ein Sprecher des Zollfahndungsamtes in Köln betonte, dass es sich bei dem Beamten entgegen dem Zeitungsbericht nicht um einen Zollbeamten handele.

Eine Gruppe namens NN-Crew hatte Anfang Juli vertrauliche Daten des Zolls im Web veröffentlicht. Dabei handelte es sich unter anderem um Bewegungsprofile aus dem Observationssystem Patras, mit dem die Daten von GPS-Peilsendern ausgewertet werden. Der Zoll bestätigte das Datenleck, die Bundespolizei nahm den Patras-Server vorläufig vom Netz und warnte alle Nutzer. Einsatzdaten der Bundespolizei oder des Bundeskriminalamts sollen nicht betroffen gewesen sein. Das Zollkriminalamt stellte daraufhin Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Karlsruhe - zwei Verdächtige wurden von Ermittlern geschnappt, einer legte ein Geständnis ab.

Offenbar hatten die Hacker Zugriff auf einen Downloadserver der Bundespolizei, auf dem Software für diverse Dienststellen bereitgestellt wurde. Darauf deuten die veröffentlichten Dokumente jedenfalls hin.

lis/dpa

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Seite 1
suchenwi 09.08.2011
1. Bürgertrojaner
Zitat von sysopAusspioniert per Trojaner: Eine Hackergruppe kopierte vertrauliche Daten des Zolls - angeblich diente ihnen der Privatrechner eine Beamten als Einfallstor für die Angriffe. Der Ermittler soll Dienst-E-Mails auf seinen trojanerverseuchten Rechner umgeleitet haben. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,779302,00.html
Da hat wohl jemand die Waffengleichheit zu wörtlich genommen. Nach aktueller Rechtsprechung dürfen jedoch Arbeitgeber (das Volk, von dem alle Staatsgewalt und auch die Steuern ausgehen) ihre Arbeitnehmer (in diesem Fall Beamte) nicht unverhältnismäßig ausspionieren, zumindest nicht ohne Benachrichtigung. In der Gegenrichtung hat es allerdings bisher keine Urteile gegen Bundes- oder Landestrojaner (Bayern!) gegeben. Im Sinne des Subsidiaritätsprinzips bleibt zu fragen, inwieweit hier noch Kommunaltrojaner als ergänzendes Element fehlen.
tubaner 10.08.2011
2. .
Zitat von suchenwiDa hat wohl jemand die Waffengleichheit zu wörtlich genommen. Nach aktueller Rechtsprechung dürfen jedoch Arbeitgeber (das Volk, von dem alle Staatsgewalt und auch die Steuern ausgehen) ihre Arbeitnehmer (in diesem Fall Beamte) nicht unverhältnismäßig ausspionieren, zumindest nicht ohne Benachrichtigung. In der Gegenrichtung hat es allerdings bisher keine Urteile gegen Bundes- oder Landestrojaner (Bayern!) gegeben. Im Sinne des Subsidiaritätsprinzips bleibt zu fragen, inwieweit hier noch Kommunaltrojaner als ergänzendes Element fehlen.
YMMD. Sobald man die örtlichen Polizeidienststellen in KKA (Kommunalkriminalamt) umbenannt hat, steht dem ja eigentlich nichts mehr entgegen.
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