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20. August 2013, 12:48 Uhr

Moderner Bankraub

Der Super-Coup

Von , Düsseldorf

Es war einer der bislang gewaltigsten Raubzüge: In 22 Ländern erbeuteten Gangster im Februar mit einer manipulierten Kreditkarte umgerechnet 39 Millionen Dollar. Jetzt stehen zwei von ihnen in Düsseldorf vor Gericht.

Vielleicht sind sich die Teams sogar begegnet, vor einer Filiale der Deutschen Bank. In dieser kalten Februarnacht, als etwa 400 Kriminelle mit manipulierten Kreditkarten weltweit 39 Millionen Dollar erbeuteten, kamen sich vier Räuber in der Düsseldorfer Innenstadt ziemlich nahe. Fast zeitgleich schlugen sie in der Bilker Allee zu, wie die Ermittler später rekonstruieren konnten. Doch es sollte noch einige Zeit vergehen, ehe sich auf dem Raubzug von Eduard Z., 35, und seiner Mutter Willemina, 56, wirklich Unerwartetes ereignete.

Stundenlang lief alles nach Plan. Der Tischler und die Kellnerin aus dem niederländischen Den Haag zogen mit einer manipulierten Kreditkarte von Bank zu Bank und hoben Geld ab, jede Menge Geld. Die Beamten fanden später in einer Sporttasche in dem VW-Bus des Duos 168.000 Euro in bar. Erst der Nachtschwärmer V. wurde, es war gegen 3 Uhr morgens, auf die beiden Vermummten aufmerksam, als die sich deutlich länger als eigentlich üblich an den Automaten eines Geldinstituts in der Düsseldorfer Westfalenstraße zu schaffen machten. V. rief die Polizei.

Von Mittwoch an müssen sich Eduard und Willemina Z. nun vor der 4. Großen Strafkammer des Landgerichts Düsseldorf verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen unter anderem Computerbetrug in einem besonders schweren Fall vor. Zugleich gelten die beiden als Mittäter eines unglaublich professionellen Coups, der beispielhaft für eine neue, globale Dimension des Verbrechens stehen könnte. "Das war Bankraub im Stil des 21. Jahrhunderts", so eine US-Staatsanwältin, "ein krimineller Flashmob."

"Nur Summen zwischen 500 und 4000 Euro abheben"

Es begann am 14. Februar, als sich Unbekannte in das System der Firma Instage Payment Solutions im indischen Bangalore hackten. Diesem Hersteller von Kreditkarten stahlen die virtuellen Eindringlinge zwölf Datensätze von Kunden der Bank Muscat in Oman, zugleich setzten sie Abhebungsbegrenzungen der Konten außer Kraft. Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen erfolgten die Angriffe auf das indische Unternehmen von IP-Adressen in Deutschland und Russland aus. Die erbeuteten Daten wurden anschließend in 22 Länder verteilt, dort auf Rohlinge kopiert und zuletzt an Komplizen ausgegeben.

Sodann zogen in der Nacht vom 19. auf den 20. Februar weltweit die Abkassierer los. In Deutschland schlugen Zweierteams in Düsseldorf, Essen, Duisburg, Dortmund, Koblenz, Mannheim, Frankfurt, Bremen und Hamburg zu. Im Telefonbuch des Prepaid-Handys, das die Ermittler später bei Eduard Z. sicherstellten, fanden sich Einträge wie "Brem", "Frank" und "Mann", unter denen die in den jeweiligen Städten operierende Gruppen erreicht werden konnten. Auch eine Liste mit den Anschriften der auszuraubenden Bankfilialen führten Eduard Z. und seine Mutter bei sich. "Denk dran", schrieb ein Unbekannter den Bankräubern zudem per SMS, "nur Summen zwischen 500 und 4000 Euro abheben." Insgesamt erbeuteten die Räuber in Deutschland 1,8 Millionen Euro.

Nach Erkenntnissen der Ermittler operierten in der Bundesrepublik vor allem Personen, die aus Den Haag stammen. Ein zweites Team, das in Düsseldorf unterwegs war, sitzt in den Niederlanden in Auslieferungshaft. Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen handelt es sich dabei um einen 32-Jährigen und einen 51-Jährigen. Der jüngere der beiden Männer soll in seiner Heimat in ein Tötungsdelikt verwickelt sein. Bereits nach Deutschland ausgeliefert wurde der gebürtige Grieche Nikolaos G., 46, der in der Nacht des Mega-Raubes in Bremen 166.600 Euro erbeutet haben soll. Ihm kamen die Ermittler wegen einer Panne seines angemieteten Fiat Stilo auf die Spur.

Zu den Hintermännern schweigen die Angeklagten eisern

Eine entscheidende Frage der Kriminalisten lautet nun: Welche Organisation ist in der Lage, ein internationales Verbrechen von dieser Dimension und in dieser Geschwindigkeit durchzuführen? Nicht nur müssen weltweit Laufburschen angeheuert und instruiert werden, viel schwieriger ist es, diese Kleinkriminellen zu disziplinieren. Dass sie das erbeutete Geld hinterher brav bei ihren Vorderleuten abliefern, darf man nicht als Selbstverständlichkeit voraussetzen. Dazu braucht es schon ein entsprechendes Drohpotential.

Zu den Hintermännern aber schweigen die Angeklagten eisern. Er habe die Karten bloß eingesetzt, nicht hergestellt, sagte Eduard Z. der Polizei.

In der Nacht, in der er festgenommen wurde, erhielt Z. noch letzte Instruktionen. "Hör mal auf fahr nach Hause", schrieb ihm jemand von einem Prepaid-Handy, das in dem Gerät von Eduard Z. unter "BI2" gespeichert war. Wenig später dann: "Doch schon nach Hause?" Z. konnte nicht mehr antworten, er saß schon auf der Polizeiwache.

Wer aber ist "BI2"?

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