Black Friday und Cyber Monday Rettet mich vor dem Shopping-Irrsinn!

Am Black Friday und Cyber Monday gibt es online viele Schnäppchen. Manche Händler locken aber gleich wochenlang mit Sonderangeboten. Wer blickt da noch durch? Und worauf sollte man achten?

Cyber-Monday-Angebote in einem Onlineshop
AFP

Cyber-Monday-Angebote in einem Onlineshop

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Klar, der alte Wäschetrockner tut es wohl noch eine Weile. Aber wenn ein neuer so billig ist? 50 Prozent Rabatt werden mir auf der Seite eines großen Online-Händlers versprochen, Hunderte Euro könne ich bei dem Preis sparen. Da zögert man nicht lange, da schlägt man zu. Schließlich ist Black Friday oder Cyber Monday oder sonst irgendetwas, auf jeden Fall Schnäppchenwoche. Wie schon in der Woche davor.

Seit einigen Tagen muss ich mich nun schon solchen Verlockungen stellen. Online-Shops und Offline-Händler bombardieren mich mit Werbe-E-Mails und Postwurfsendungen. Für mich als dem Konsum zugeneigten Verbraucher beginnt damit eine schwere Zeit, in der ich mich immer wieder neue Verlockungen stellen muss.

Und so bald wird das nicht aufhören. Dabei sollten Black Friday und Cyber Monday eigentlich nur zwei Tage sein. Sie gehören zu jenen amerikanischen Pseudo-Feiertagen, die sich wie etwa Halloween schleichend auch im Rest der Welt breitgemacht haben.

Wo kommt das her?

Ihren Ursprung haben die beiden Shopping-Feiertage in den USA. Das amerikanische Erntedankfest - Thanksgiving - ist ein landesweiter Feiertag, der immer am vierten Donnerstag im November gefeiert wird. Den darauf folgenden Freitag nutzen die Amerikaner traditionell gern als Brückentag - und für die ersten Weihnachtseinkäufe.

Seit den Sechzigerjahren wird er als Black Friday bezeichnet. Woher die Bezeichnung stammt, ist unklar. Möglicherweise vom Anblick der Menschenmassen, die sich durch die Einkaufsstraßen wälzten. Vielleicht aber auch von den schwarzen Zahlen, die Händler an diesem Tag schreiben.

Die Kunden wiederum kommen mittlerweile auch wegen der Sonderangebote, die es nur an diesem Tag gibt. So ist das Black-Friday-Wochenende zum Wirtschaftsfaktor geworden, 2015 nahm der stationäre Handel in den USA knapp 51 Milliarden Dollar ein.

Shopping-Event (Symbolbild)
DPA

Shopping-Event (Symbolbild)

Online will auch seinen Anteil

Von diesem Umsatz wollen längst auch die Betreiber von Online-Shops ihren Teil abhaben. Deshalb folgt auf den Black Friday seit einigen Jahren der Cyber Monday, der Schnäppchentag der Onlinehändler. Zumindest war das bisher so.

Aus den Angebotstagen von einst sind mittlerweile Angebotswochen, nein, fast Schnäppchen-Monate geworden. So wird die US-Handelskette Walmart ihre Cyber-Monday-Angebote in diesem Jahr nicht am Montag, sondern schon am Samstag online stellen. Damit ist Walmart freilich schon fast spät dran.

Amazon-Versandzentrum
Getty Images

Amazon-Versandzentrum

Aus Tagen werden Wochen

Amazon etwa hat in Deutschland und den USA am 15. November einen "Countdown zur Cyber-Monday-Woche"-Woche gestartet. Auf die folgt jetzt die "Cyber Monday Woche" mit dem Black Friday und dann schließlich der echte Cyber Monday. Statt zwei Tage lange beackert das Unternehmen seine Kunden also mehr als zwei Wochen lang mit Sonderangeboten.

Und damit dürfte der Schnäppchensturm längst noch nicht vorübergezogen sein. In den USA will der Konzern seine Angebotswochen sogar bis zum 22. Dezember durchziehen. Länger geht wohl nicht, die Einkäufe sollen ja auch noch rechtzeitig zum Fest bei den Kunden sein. Dazu, wie lange es in Deutschland weitergehen soll, macht das Unternehmen keine Angaben.

Ich kann nur hoffen, dass es nicht allzu lange sein wird. Sonst werde ich noch öfter so enttäuschende Erkenntnisse haben wie heute. Der Wäschetrockner nämlich, für den mir das Shoppingportal üppige 510 Euro Ersparnis vorrechnet, ist bei der Konkurrenz zwar teurer. Doch der Preisunterschied hält sich mit rund 60 Euro dann doch in Grenzen. Gut, dass ich mich vor dem Klick auf "Kaufen" informiert habe.

Fünf Tipps für die Online-Schnäppchenjagd
Denken Sie lieber zweimal nach
Der wichtigste Rat bei all den angeblichen Super- oder Sonderangeboten, die in den kommenden Wochen auf uns einprasseln werden: Denken Sie lieber zweimal nach, bevor Sie auf "Kaufen" klicken. Brauchen und wollen Sie das angebotene Produkt wirklich? Oder ist es bloß der scheinbar so günstige Preis, der einen Kaufreflex auslöst?
Ist das wirklich ein Schnäppchen?
Womit wir beim Preis wären, der bei Weitem nicht immer so günstig ist, wie es scheint. Machen Sie einen Preisvergleich! Viele Onlineshops vergleichen ihre Angebotspreise mit den unverbindlichen Preisempfehlungen der Hersteller (UVP), die oft weit über den tatsächlichen Marktpreisen liegen. So schrumpfen angebliche 950 Euro Preisvorteil schnell auf 350 Euro zusammen. Preisvergleichsportale und eine schlichte Google-Suche können dabei helfen.
Achten Sie auf Feinheiten
Vor allem bei großen Ketten findet man regelmäßig Angebote für Geräte, zu denen man kaum Informationen findet. Dabei handelt es sich oft um Sonderserien, die der jeweilige Hersteller nur für eine bestimmte Handelskette produziert hat. Solche Produkte sehen oft genau so aus und haben ähnliche Bezeichnungen, wie die vergleichbaren Serienprodukte, sind aber nicht selten um wichtige Funktionen beschnitten. Informieren Sie sich in solchen Fällen genau, worin die Unterschiede bestehen.
Bewahren Sie Ruhe
Viele Onlineshops versuchen den Druck auf potentielle Käufer zu erhöhen, indem sie auf ihren Angebotsseiten eine rückwärtslaufende Uhr mitlaufen lassen oder in einem Kasten herunterzählen, wie viele der verfügbaren Exemplare eines Produkts schon verkauft sind. Lassen Sie sich davon nicht hetzen. Recherchieren Sie in Ruhe alle Informationen zusammen, die Sie brauchen.
Bezahlen Sie mit Bedacht
Am Besten bezahlen Sie online per Kreditkarte oder PayPal, notfalls auch per Lastschrift. Lassen Sie die Finger von einem Schnäppchen, wenn der Verkäufer auf eine Vorabüberweisung besteht. Die kann man nämlich nicht mehr zurückholen, wenn sie einmal erfolgt ist. Bei PayPal und Kreditkartenzahlungen hingegen gibt es in der Regel die Möglichkeit, eine Zahlung innerhalb eines bestimmten Zeitrahmens zurückbuchen zu lassen.


insgesamt 28 Beiträge
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Seite 1
krautrockfreak 21.11.2016
1. Das Ganze wird immer verrückter!
Man wird überall nur noch manipuliert und für blöd verkauft. Überall angeblich "Sale", falsche Ursprungspreise (Mondpreise), schon vorgedruckte rote Kreuze am Etikett etc. Im Outlet extra produzierte Billigware statt Restposten, Sommer- und Winterschlussverkauf schon lange nur noch Fake, um die Kunden über den Tisch zu ziehen. Dass unsere Regierung da nichts dagegen macht, ist ein Skandal. Jeder darf lügen und die Kunden betrügen - ohne Gefahr einer Strafe. Weil keine Überwachung mehr vorhanden ist - perfekt für die Firmen, die uns verar....
kai kojote 21.11.2016
2.
Naja grad online lässt sich sehr gut beobachten, dass die Preise kurz davor extra hochgeschraubt werden um dann wieder auf normal zu gehen und diesen normalen Preis als Super-Schnäppchen zu vermarkten. Oder die Prozente orientieren sich an überdrehten und absolut marktfernen UVPs. Diese Black Fridays und Cyber Mondays sind im Grunde nichts als Irreführung, zumindest in Deutschland und online. Und dann auch noch immer schön mit irgendwelchen Countdowns und limitierten Stückzahlen um die Kunden wie auf den kriminellsten und billigsten Tele-Shops unter Druck zu setzen möglichst schnell, unüberlegt und ohne zu Vergleichen zu kaufen.
daswienerschnitzel 21.11.2016
3.
Bei Amazon ist die letzten Wochen schon sichtbar geworden, wie die Artikelpreise erhöht wurden, nur damit jetzt während der Cyber-Monday Woche 20% auf alle Warehouse Artikel gegeben werden können. Im Endeffekt spart der Kunde so vielleicht 3%.
alexfiasko 21.11.2016
4. Kommt darauf an...
Zitat von daswienerschnitzelBei Amazon ist die letzten Wochen schon sichtbar geworden, wie die Artikelpreise erhöht wurden, nur damit jetzt während der Cyber-Monday Woche 20% auf alle Warehouse Artikel gegeben werden können. Im Endeffekt spart der Kunde so vielleicht 3%.
was man kauft. Der Kindle Paperwhite z.B. ist aktuell um die 30% günstiger.
ziooyong 21.11.2016
5. Nur
Wieder so eine Amazonmasche, nur gut, dass ich mit dem Laden nichts zu tun habe.
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