Phishing und Erpressung Jedes zehnte Unternehmen Opfer von Cyberattacken

Viele deutsche Firmen werden Ziel von Cyberattacken, manche sogar mehrmals im Jahr. Trotzdem nehmen Unternehmen bewusst Risiken in Kauf, berichtet der TÜV-Verband in einem neuen Untersuchungsbericht.
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Einer Umfrage zufolge ist in den vergangenen zwölf Monaten mehr als jedes zehnte Unternehmen in Deutschland Opfer eines Cyberangriffs geworden. Bei rund zwei Prozent der Befragten war das in dem Zeitraum sogar mehrfach der Fall, wie aus einer am Montag in Berlin vorgestellten Untersuchung des TÜV-Verbands (VdTÜV) hervorgeht. "Die Angriffslage bei den großen Unternehmen ist noch signifikant größer als bei den kleinen", sagte Verbandspräsident Michael Fübi.

Bei rund einem Drittel der Angriffe habe es sich um sogenannte PhishingattackenAttacken gehandelt, heißt es, bei denen etwa Kontonummern, Passwörter oder andere sensible Daten abgeschöpft werden. Jeder fünfte Angriff sei in Form einer Ransomware gekommen, die IT-Systeme lahmlegt oder den Zugriff auf wichtige Daten eines Unternehmens mit dem Ziel verhindert, das Unternehmen zu erpressen.

"Es geht darum, dass die Qualität der Cyberbedrohungen zugenommen hat", sagte der Präsident des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnologie (BSI), Arne Schönbohm, bei der Präsentation. Er erinnerte an die Cyberattacke auf Krankenhäuser in Rheinland-Pfalz und im Saarland im Sommer, bei der das komplette Netzwerk des Krankenhausverbundes von Schadsoftware befallen wurde. Schönbohm erwähnte auch vorinstallierte Schadsoftware auf mehreren Smartphones, die das Unternehmen im Sommer nachgewiesen hatte.

Hohe Risikobereitschaft

Trotz der wachsenden Gefahren gaben laut der Umfrage rund ein Drittel der Unternehmen an, bei der IT-Sicherheit bewusst Risiken in Kauf zu nehmen. Am höchsten sei diese Bereitschaft im produzierenden Gewerbe, heißt es. Im Gesundheitswesen sowie in den Branchen Bau, Energie und Verkehr sei die Quote etwas geringer. Doch auch hier habe jedes vierte Unternehmen angegeben, Risiken in Kauf zu nehmen.

Erneut warnte BSI-Chef Schönbohm vor dem Trojaner Emotet, der demnach auch hinter dem Angriff auf die Verwaltung im niedersächsischen Neustadt am Rübenberge stecke. Bislang sei es aber gelungen, die Regierungsnetze vor der Schadsoftware zu schützen, während sie in der Wirtschaft täglich weiter Schaden anrichte.

mak/dpa
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