Immobilie an der Mosel "Cyberbunker" wurde trotz Warnung verkauft

Jahrelang betrieben mutmaßlich Kriminelle in einem alten Bundeswehrbunker ein Rechenzentrum, über das Drogen- und Waffenmarktplätze gehostet wurden. Dabei warnte das LKA Rheinland-Pfalz früh vor dem Käufer.
Tür im Bunker: Illegale Marktplätze gehostet

Tür im Bunker: Illegale Marktplätze gehostet

Foto: LKA Rheinland Pfalz

Die Polizei in Rheinland-Pfalz hat frühzeitig vor dem Käufer des sogenannten Cyberbunkers in Traben-Trarbach gewarnt. Bereits acht Tage vor dem avisierten Verkaufsdatum habe man die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) darüber informiert, "dass der potenzielle Käufer der Immobilie den Standort für ein Rechenzentrum unter anderem auch zur Begehung und Unterstützung von Straftaten im Internet nutzen könne", teilte das Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz auf SPIEGEL-Anfrage mit. Die Behörde bestätigte einen entsprechenden Bericht des SWR .

Konkrete Anhaltspunkte zur Einleitung eines Strafverfahrens hätten zu diesem Zeitpunkt nicht bestanden. Dennoch habe sich sich das LKA "aufgrund der aus dem In- und Ausland erlangten Erkenntnisse dazu veranlasst" gesehen, die Bima zu informieren.

Die bundeseigene Bima verwaltet und verkauft zahlreiche Immobilien des Staates. Im Jahr 2012 wurde auch der Bunker in Traben-Trarbach zum Verkauf ausgeschrieben, in dem jahrelang das Amt für Geo-Informationswesen der Bundeswehr untergebracht war, eine Art Wetterdienst der Truppe.

Video: Ermittler finden Hunderte Server im "Cyberbunker"

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Aussagen passen bisher nicht zusammen

Vor anderthalb Wochen hatten Hunderte Polizisten, darunter diverse Spezialeinheiten, das Gelände gestürmt. Ermittelt wird gegen 13 Verdächtige, sieben wurden festgenommen. Sie sollen in dem Bunker jahrelang ein Rechenzentrum betrieben haben, über das zahlreiche kriminelle Aktivitäten abgewickelt wurden. Seitdem steht die Frage im Raum, wie die mutmaßlich Kriminellen überhaupt an das auf militärischem Niveau gesicherte Gelände gelangen konnten - ausgerechnet verkauft vom deutschen Staat.

Die Bima hatte Ende vergangener Woche auf SPIEGEL-Anfrage mitgeteilt, man habe sich "mit dem Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz als zuständige Sicherheitsbehörde abgestimmt. Dort lagen zum damaligen Zeitpunkt aber keine Erkenntnisse vor, die einen Ausschluss der späteren Käuferin von dem Veräußerungsverfahren gerechtfertigt hätten."

Das LKA wiederum erklärte nun hingegen, es sei auf Betreiben der Gemeinde Traben-Trarbach tätig geworden. Die Kommunalverwaltung habe das LKA am 13. Juni 2013 über den geplanten Verkauf informiert. Die Polizeibehörde prüfte daraufhin die übermittelten Daten und wandte sich am 17. Juni 2013 mit ihrer Warnung an die Bima.

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Illegales Rechenzentrum: So sieht der "Cyberbunker" aus

Foto: Thomas Frey / dpa

Zum Verkauf kam es wenige Tage später offenbar trotzdem. Nach Bima-Angaben wurde der Kaufvertrag am 26. Juni 2013 notariell beurkundet, einen Tag nach dem geplanten Verkaufsdatum. Die Bima hat sich auf SPIEGEL-Anfrage bisher nicht zu den neuen Erkenntnissen geäußert.

Käufer der Bunkeranlage war eine niederländische Stiftung unter der Führung des Niederländers Herman-Johan X., heute Hauptverdächtiger der Ermittler. X. war schon 2013 kein Unbekannter, er hatte Anfang der Nullerjahre in seinem Heimatland schon einmal ein Rechenzentrum in einem Bunker betrieben. Zahlreiche Informationen über seine Aktivitäten waren offen im Internet zugänglich.

Auch bei Lokalpolitikern, mit denen der SPIEGEL sprechen konnte, gab es schon 2013 Zweifel. Bei einer Präsentation sei X. bei Details seltsam vage geblieben, etwa was auf den Servern gespeichert werden solle. Mangels einer Alternative habe man für den Verkauf trotzdem den Weg frei gemacht und den Flächennutzungsplan angepasst.

Allerdings war der Verkauf an X. nicht alternativlos. Wie die Bima mitteilte, gab es zwei Bieter für das Gelände, inzwischen ist dem SPIEGEL der andere Interessent auch bekannt. Von der Anstalt hieß es allerdings, man habe sich für das "wirtschaftlichere" Angebot entschieden. Das soll wohl bedeuten: für den höheren Kaufpreis.

So zumindest steht es im Verkaufsprospekt der Bima für die Anlage, der dem SPIEGEL vorliegt. Dort heißt es, die Veräußerung erfolge "grundsätzlich gegen das beste Kaufangebot". Und weiter: "Bei reger Nachfrage entscheidet das Höchstgebot, sofern die Bonität nachgewiesen ist."