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13. Februar 2015, 10:07 Uhr

"Da kotzt das Texterherz"

Facebook-Witzesammler wütend über Buchveröffentlichung

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In der Facebook-Gruppe "Da kotzt das Texterherz" amüsieren sich fast 25.000 Nutzer über Sprachpannen. Jetzt erscheint ein Buch mit Beiträgen aus der Gruppe - eine Idee, die den Herausgebern und dem Verlag eine Menge Ärger einbringt.

160 Seiten hat das Buch zu "Da kotzt das Texterherz", das Montag in den Handel kommen soll, aber offenbar bereits ausgeliefert wurde. Es ist voll mit Fotos von schmerzbefreiten Wortspielen wie etwa auf Plakaten, und unfreiwillig komischen Formulierungen, mit denen Geschäfte und Dienstleister für sich werben - von "Gebäckstreet Boys" bis "Wir Immobilien Sie!".

Ein Zahnarzt verspricht "Wir setzen Sie in Zähne", ausgerechnet ein Tierheim weist auf seinen "Flohmarktladen" hin. Manches Bild hätte auch gute Chancen, auf der Hohlspiegel-Seite des SPIEGEL aufzutauchen.

Doch ein wenig dürfte dem Riva Verlag und den Herausgebern Peter Berberich und Edda Klampfer gerade die Freude an der Veröffentlichung vergangen sein. In der nicht-öffentlichen Facebook-Gruppe "Da kotzt das Texterherz", aus der die Inhalte des Buches stammen, müssen Berberich und Klampfer - beide Administratoren der Gruppe - für ihr Projekt jede Menge Kritik einstecken.

Die 2010 gegründete Gruppe ist ein Treffpunkt für Werber, Marketingleute, Journalisten und andere Sprachinteressierte. Aktuell kommt sie auf 24.700 Mitglieder.

Wie so oft im Internet - man denke an die Satireseite "Der Postillon" - sind auch bei "Da kotzt das Texterherz" mitunter die Nutzerkommentare lustiger als der eigentliche Beitrag. Im Buch sind folgerichtig ausgewählte Kommentare mit abgedruckt, wenn auch durchgehend anonymisiert. Das Bild mit der Zeile "Wir Immobilien Sie" zum Beispiel begleitet unter anderem der Nutzerkommentar: "Inklusive Vermöbeln. Einmalige Offerte…"

Betrug und Urheberrechtsverletzung vorgeworfen

Obwohl durch die Kommentare die Gruppenmitglieder der eigentliche Star des Buches sind, hörte für manche am Donnerstagnachmittag der Spaß auf. Nachdem ein Nutzer darauf hingewiesen hatte, dass Berberich und Klampfer ein Buch mit Fotos und Sprüchen auf den Markt bringen, warfen ihnen manche Nutzer Betrug und Urheberrechtsverletzungen vor. Offenbar war die Gruppe bis dato nicht über die anstehende Veröffentlichung informiert worden.

Administrator Berberich veröffentlichte daraufhin am Donnerstagabend eine Stellungnahme: "Wir möchten uns bei euch allen entschuldigen. Wir haben einen großen Fehler gemacht", schrieb er. "Ich habe tatsächlich gedacht, dass ich die Inhalte von euren Posts verwenden kann, weil ihr in unseren Nutzungsbedingungen der anderswertigen (sic!) Nutzung zugestimmt habt."

Berberich bezieht sich auf eigens für die Gruppe formulierte drei PDF-Seiten lange Regeln, die als "Nutzungsbedingungen" in der Gruppe verlinkt sind. In dem Dokument, dessen neueste Version auf den 19. Januar datiert ist, heißt es: "Wer Bilder postet, muss - sofern diese nicht gemeinfrei sind - die Rechte daran haben, er stellt die Betreiber der Gruppe von jeglicher Haftung frei", sowie: "Die Betreiber der Gruppe dürfen die eingestellten Beiträge auch anderweitig nutzen."

"Verlag hat angedroht, dass er das Buch zurückzieht"

Berberich schreibt weiter: "Ich habe dem Verlag gegenüber unterschrieben, dass ich alle Rechte an den Inhalten besitze. Jetzt hat der Verlag mir angedroht, dass er das Buch zurückzieht und einstampft, wenn das nicht stimmt."

Der Administrator bittet die Nutzer um Entschuldigung und bietet an, dass Edda Klampfer und er "auf jegliches Honorar verzichten und dies einem gemeinnützigen Zweck spenden, den wir hier in der Gruppe festlegen. Außerdem werde ich jeden Einzelnen persönlich anschreiben, dessen Foto wir im Buch verwendet haben." Jeder Mitautor erhalte zehn Belegexemplare und eine namentliche Nennung im Buch, wenn er oder sie dies wünsche.

Vom Riva Verlag, der hinter dem Buch steht, heißt es, Berberich habe sein Angebot in Absprache mit dem Verlag veröffentlicht. Das Buch sei bei einigen Händlern bereits verfügbar, deshalb hoffe man, dass die betroffenen Gruppenmitglieder das Angebot annehmen. Wenn jemand nachweisen könne, dass seine Urheberrechte durch das Buch verletzt werden, werde man es aus dem Handel zurückziehen.

Inwiefern es sich lohnt das Werk, über das jetzt gestritten wird, zu kaufen, ist eine Geschmacksfrage. Interessant ist es eigentlich nur für Personen, die die Gruppe bislang nicht aktiv verfolgen. Wer bereits Mitglied ist, dürfte viele Beiträge bereits kennen - oder kann sie und viele weitere kostenlos auf Facebook lesen. Hinzu kommt, dass viele Bilder, weil sie aus dem Internet kommen, keine besonders gute Qualität haben.

Auch die Auswahl der Beiträge lässt bisweilen Fragen offen. Lohnt es sich wirklich, Supermarkt-Preisschildern mit den Aufschriften "Cocan Cola Zero und Leiht" oder "Fruchtgmmi" eine ganze Buchseite samt Kommentaren zu widmen? Ist eine Getränke-Tageskarte mit dem Produkt "Sex on the Bitch" wirklich so originell, dass sie in ein Buch gehört? Vielleicht war Facebook für solche Bilder ohnehin das bessere Medium.

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