Dänemark gegen Kanada Streit um Hans

Dänemark und Kanada verbindet eine tiefe Freundschaft, die durch nichts aus der Ruhe gebracht werden kann - außer durch Hans. So heißt ein Felsen nördlich von Grönland, und der ist seit langem umstritten. Im Web wird dieser Streit mit allen Mitteln ausgefochten - sogar mit bezahlten Google-Links.
Von Niels Gründel

Hans ist eine Insel nördlich von Grönland, mickrige 1,3 Quadratkilometer klein, entdeckt von Hans Hendrik, einem Entdecker aus Grönland, und immer wieder Anlass zu Streitigkeiten zwischen den "Nachbarstaaten" Dänemark und Kanada. Dabei liegt der Fels 1.100 Kilometer südlich des Nordpols, ist unbewohnt und nur im Sommer zugänglich. Ansonsten verwehrt Packeis den Weg. Öl und Bodenschätze gibt es keine.

Im Jahre 1973 wurde ein Uno-Vertrag zwischen Dänemark und Kanada ausgehandelt, der den genauen Grenzverlauf zwischen dem kanadischen "Ellesmere Island" und Grönland festschreibt, das von Dänemark verwaltet wird. Unberücksichtigt blieb allerdings das Eiland Hans in der Nordwest-Passage, das wenigstens im Sommer den kürzesten Seeweg zwischen Europa und Asien weist.

Seither weht regelmäßig ein rauer Wind durch die Regierungssitze beider Länder. Denn von Hans will keiner lassen. Beide beanspruchen das einsame Eiland für sich. Jüngst sorgte ein geheimer Besuch des kanadischen Verteidigungsministers Bill Graham für Aufregung in Kopenhagen. Vor dem hohen Besuch betraten auch kanadische Soldaten das kleine Eiland, hissten die Ahornblatt-Flagge und hinterließen Berichten zufolge eine Flasche Whiskey. Die Dänen schäumen seither vor Wut und haben eine offizielle Protestnote übermittelt.

Dabei hatte im Jahr 1984 der damals zuständige Minister für Grönland, Tom Hoeyem, eine dänische Flagge zusammen mit einer Brandy-Falsche und der Notiz "Welcome to the Danish island" auf dem Eiland hinterlassen. Dänische Marineschiffe haben das Eiland dann noch in den Jahren 2002 und 2003 besucht. Danach war es einige Zeit um den Felsbrocken im Packeis ruhig geblieben.

Bis jetzt: Hans ist wieder ein Thema

Im virtuellen Krieg um den reizlosen Felsbrocken haben die Dänen die Nase vorn. Das dänische Außenministerium lässt dafür sogar einen "Sponsored Link" in der kanadischen Ausgabe von Google springen. Wer dort nach "Hans Island" sucht, wird "Hans Island is Danish - Does 'Hans' sound Canadian? - Danish name, danish island." empfangen und zur aktuellen Sachstandlage beim dänischen Außenministerium verwiesen.

Dermaßen offiziell geht es bei den Kanadiern nicht zu. Der "Sponsored Link" (ebenfalls in der kanadischen Ausgabe) besteht darauf, dass "Hans Island kanadisch ist". Die Webseite und der Google-Eintrag werden jedoch privat betrieben und finanziert.

Betreiber Rick Broadhead gegenüber SPIEGEL ONLINE: "Ich sah, dass es eine Werbung der dänischen Regierung gab und wollte sicherstellen, dass die Position der kanadischen Regierung ebenfalls vertreten ist. Bisher habe ich nicht überpüft, wie viele Internet-Nutzer dem sponsored Link gefolgt sind, aber der Google-Krieg zwischen Kanada und Dänemark zieht eine Menge Aufmerksamkeit auf sich."

Der Streit um Hans dürfte sich künftig eher noch verschärfen. Erstmals könnte sogar der Klimawandel direkt für diplomatische Verwicklungen sorgen: Höhere Temperaturen könnten den Seeweg via Hans künftig auch für mehrere Monate eisfrei halten - entsprechend attraktiver wird der tote Felsblock.

In der Vergangenheit besuchte ein kanadisches Geologenteam das Eiland - natürlich nur, weil es auf kanadischen Karten als kanadisches Staatsgebiet eingetragen ist - und empfahl zur Lösung der Grenzstreitigkeiten - ganz diplomatisch - eine Teilung exakt in der Mitte, denn das wäre nicht nur eine Touristenattraktion, sondern auch der einzige Ort, an dem sich Kanada und Europa berühren würden. Und damit wäre zumindest Hans im Glück.

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