Drogen, Waffen, Kinderpornografie Sieben Festnahmen bei Cybercrime-Razzia in Rheinland-Pfalz

Die Polizei hat sieben Personen festgenommen, die in einem Bunker in Rheinland-Pfalz ein illegales Rechenzentrum betrieben haben sollen. Unter anderem sollen von dort 2016 eine Million Telekom-Router lahmgelegt worden sein.

Netzwerk-Systeme in einem Serverraum (Symbolbild)
REUTERS

Netzwerk-Systeme in einem Serverraum (Symbolbild)


Deutschen Ermittlern ist ein Schlag gegen international agierende mutmaßliche Cyberkriminelle gelungen: Im Rahmen einer groß angelegten Aktion, an der mehrere Hundert Einsatzkräfte beteiligt waren, hat das Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz am Donnerstagabend sieben Tatverdächtige festgenommen. Darunter sei auch der Betreiber eines illegalen Rechenzentrums, wie die Behörde mitteilte.

Ein LKA-Sprecher sagte, gegen die Festgenommenen werde wegen Waffenhandels, Kinderpornografie und Drogenhandels ermittelt. "Alles, was man sich im Darknet vorstellen kann", sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Trier. Den Festnahmen seien mehrjährige Ermittlungen vorausgegangen. Ein im nördlichen Rheinland-Pfalz betriebener Server sei vom Netz genommen und sichergestellt worden.

Von dem Rechenzentrum in einem ehemaligen Natobunker in Traben-Trarbach aus sei unter anderem der weltweit zweitgrößte Darknet-Marktplatz "Wall Street Market" betrieben worden, den Ermittler im Frühjahr zerschlagen hatten. Über die Onlineplattform wurden neben Drogen unter anderem auch ausgespähte Daten, gefälschte Dokumente und Schadsoftware gehandelt, wie es damals hieß.

Ausgangspunkt für Telekom-Hack

Auch ein Angriff auf Telekom-Router vor drei Jahren sei von dem Rechenzentrum ausgegangen. Die Geräte von rund einer Million Telekomkunden waren damals auf einen Schlag lahmgelegt worden. Ein 29 Jahre alter Brite hatte damals versucht, die Router mit einer Schadsoftware zu infizieren, um sie in ein Botnet zu integrieren.

Solche Botnets bestehen aus Tausenden, manchmal Millionen Geräten, deren Rechenleistung und Netzanbindung Kriminelle zum Beispiel für den Versand von Spam-Mails, aber auch für Cyberangriffe nutzen. Normalerweise geschieht das unauffällig im Hintergrund, sodass die Besitzer der Geräte davon nichts bemerken.

Im Fall des Telekom-Hacks gab es aber einen Programmierfehler in der von dem Täter verwendeten Schadsoftware. Dieser hatte zur Folge, dass die angegriffenen Router reihenweise ausfielen, wodurch die Attacke erst erkannt wurde. Die Telekom bezifferte den Schaden auf rund zwei Millionen Euro. Das Landgericht Köln verurteilte den Täter zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und acht Monaten, im Anschluss wurde er nach Großbritannien überstellt, wo er sich weiteren Anklagen wegen Angriffen auf Banken stellen musste.

Weitere Informationen zum aktuellen Fall haben die Behörden für Freitagmittag angekündigt. Der zuständige Generalstaatsanwalt Dr. Jürgen Brauer und LKA-Präsident Johannes Kunz bezeichneten die Ermittlungen als "herausragendes internationales Strafverfahren im Bereich Cybercrime" dessen Ermittlungen "neue Dimensionen in der Kriminalitätsbekämpfung erreicht haben."

mak/dpa

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MPeter 27.09.2019
1. Muss mich verlesen haben
" Die Telekom bezifferte den Schaden auf rund zwei Millionen Euro beziffert. Das Landgericht Köln verurteilte den Täter zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und acht Monaten, im Anschluss wurde er nach Großbritannien überstellt, wo er sich weiteren Anklagen wegen Angriffen auf Banken stellen musste." Das kann ja eigentlich nicht wahr sein. Wo ist bei dieser Strafe eine abschreckende Wirkung vorhanden. Muss ein schlechter Witz sein. Wer hat den Richter gekauft?
mswr 27.09.2019
2.
@MPeter Welche Strafe halten Sie denn für angemessen? Haben sie das Urteil gelesen und kennen die Umstände?
friedel99 27.09.2019
3. @MPeter
Ein Jahr und 8 Monate auf Bewährung bedeutet u.a. eine sofortige Abschiebung nach GB und eine Einreisesperre, deren Dauer wurde im Artikel aber nicht genannt. Hier spielt außerdem eine Rolle, ob der in Großbritannien verursachte Schaden noch höher war als in D. Ich vermute mal das war so.
PantheraOnca 27.09.2019
4. Was ist denn ein "illegales Rechenzentrum" ?
Muss man neuerdings erlaubnis einholen oder sich gar registrieren, wenn man irgendwo Rechner aufstellt (mal völlig unabhängig davon, was man damit macht. Man kann ja auch Spiele programmieren etc.) ? Gibt es eine maximal Anzahl an Rechnern, die man "legal" betreiben kann ?
friedel99 27.09.2019
5. @PantheraOnca Einfache Antwort
Ein Rechenzentrum ist dann illegeal wenn man sich damit im Darknet rumtreibt und dabei illegeale Geschäfte macht - wie z.B. Hacken, Waffen, Drogen, Menschenhandel, Kinderpornos usw.
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