Drogenhandel Zahl der großen Darknet-Marktplätze nimmt offenbar stark ab

Eine Analyse stellt den niedrigsten Stand seit drei Jahren fest: Im sogenannten Darknet gibt es offenbar immer weniger große Marktplätze für illegale Waren. Der Umsatz steigt demnach trotzdem.
Von 57 auf 37 Marktplätze: Im sogenannten Darknet findet eine Konsolidierung statt, sagen Experten von Chainalysis

Von 57 auf 37 Marktplätze: Im sogenannten Darknet findet eine Konsolidierung statt, sagen Experten von Chainalysis

Foto: Silas Stein / dpa

Das Jahr 2020 hat vielen Wirtschaftszweigen übel mitgespielt, offenbar auch einigen Drogenmarktplätzen im sogenannten Darknet. Zu diesem Schluss kommen die Spezialisten von Chainalysis in einer Auswertung von Blockchain-Transaktionen . Sie glauben, eine Konsolidierung des Marktes zu erkennen, die dazu geführt hat, dass sich die Zahl aktiver Marktplätze von 57 auf 37 verringert hat, was in etwa dem Stand von vor drei Jahren entspricht. Es ist der erste derartige Rückgang, seit 2018 war die Zahl der Marktplätze fast durchgängig gestiegen.

Als aktive Marktplätze werden jene gezählt, die im Monat mindestens 100 Dollar in Form von Kryptowährungen wie Bitcoin empfangen.

Die Corona-Pandemie habe einen Einfluss auf das »Ökosystem«, heißt es im Bericht, sei jedoch nicht der ausschlaggebende Faktor für die Entwicklung der Marktplätze. Wie auch andere Forscher  glauben die Chainalysis-Experten lediglich, dass die Pandemie in manchen Ländern die Post an ihre Grenzen gebracht und dadurch den Nachschub und pünktliche Lieferungen von Drogenpäckchen behindert hat. Entsprechende Beschwerden gebe es in den einschlägigen Foren.

Polizeiaktionen könnten Nachahmer abgeschreckt haben

Auch die in der kriminellen Branche üblichen gegenseitigen Angriffe und Betrügereien – als Beispiel wird der Fall Empire genannt – seien nicht der Hauptgrund. Empire, der vergleichsweise große Darknethandelsplatz für Drogen, gefälschte Dokumente und Schadsoftware, wurde im August angeblich von einem Überlastungsangriff (DDoS, Distributed Denial of Service) lahmgelegt. Kurz darauf, so die bis heutige gültige Annahme, räumten die Betreiber die Konten ihrer Kunden aus und tauchten unter .

Vielmehr glauben die Autorinnen und Autoren von Chainalysis an eine Marktbereinigung. Zum einen könnten die erfolgreichen Operationen der Ermittler gegen Darknet-Straftäter zur Abschreckung von Nachahmern geführt haben. So wurden zum Beispiel im Rahmen der Operation »DisrupTor« im September 179 mutmaßliche Anbieter von Drogen und anderen illegalen Gütern festgenommen. Die mutmaßlichen Anbieter sollen ihre illegalen Produkte über die Marktplätze angeboten haben.

Zum anderen habe der zunehmende Wettbewerb untereinander dafür gesorgt, dass die Zahl der Plattform so deutlich gesunken ist. Für die These spricht auch, dass sich die Zahl der Transaktionen deutlich verringert hat, von zwölf auf neun Millionen (Dezemberzahlen fehlen naturgemäß noch), die Gesamthöhe der Umsätze aber schon jetzt über dem Vorjahresniveau von 800 Millionen Dollar liegt. »Das könnte bedeuten, dass weniger Menschen Drogen für den Eigenbedarf im Darknet kaufen«, heißt es im Bericht. Der Messenger Telegram etwa gilt längst als alternativer Handelskanal. Und weiter: »Diejenigen, die größere Mengen kaufen – für den Eigenbedarf oder aber zum Weiterverkauf –, könnten derzeit Vorräte für unsichere Zeiten anlegen.«

pbe
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